Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Beiträge getaggt mit Sexualität
Daniel Cohn-Bendit soll der neue Mixa werden…
13. Mai
Oha, jetzt wo Mixa zurückgetreten ist und sich im Strafverfolgungsverfahren befindet, geht den Zeitungen plötzlich der Stoff für Skandalmeldungen zu Kindesmissbrauch aus…also wird in den Archiven gebuddelt und geschaut, was man nun noch so alles an “Enthüllungen” präsentieren kann. Die beliebte Historikerin Eva Herman hat sich als neues Ziel den ewig-68er, Odenwaldschüler und Grüne-Politiker Daniel Cohn-Bendit ausgesucht. Sie schreibt im Kopp-Verlag: Fassungslosigkeit. Warum Walter Mixa gehen musste und Daniel Cohn-Bendit immer noch da ist. Infowars hat den Artikel nebst Video übernommen.
Stein des Anstoßes ist die Zeit der sogenannten “Kinderladenbewegung“, ein Begriff, der meiner Generation und den noch Jüngeren nur noch bedingt etwas sagen dürfte. Kern der Erziehung in den Kinderläden war, neben einer antiautoritären Ausrichtung, auch der Grundsatz, dass kindliche Sexualität nicht zu unterdrücken sei. Es sind in den Protokollen der damaligen Zeit etliche sexuelle Kontakte zwischen Erziehern und Kindern dokumentiert. Cohn-Bendit selbst beschrieb diese Ereignisse in seinem Buch “Der große Basar“, was bereits 2001 von der “Schweizer Zeit” im Artikel “Der Kinderschänder” aufgegriffen wurde. Cohn-Bendit hat in seiner Zeit mit den Grünen mehrfach Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die “gewaltfreie Sexualität” zwischen Minderjährigen und Erwachsenen straffrei stellen soll. (vgl. z.B. Artikelreihe “Sexuelle Gewalt an Kindern: Politisch akzeptierte Wirklichkeit?“, ebenfalls von Eva Herman).
Was für die heutige Generation unvorstellbar klingt, war damals ein revolutionär neuer Ansatz der Erziehung als Kontrast zum Konservativismus und der Autorität Erwachsener. Transparenter wird die Debatte, wenn man sich folgende Positionen zu Gemüte führt:
1. Lloyd deMause: “Hört Ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit”, Frankfurt 1977 (Original New York 1974) und
2. Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit, München/Wien 1975 (Original Paris 1960)
Zwei gegensätzliche Positionen zum Begriff der Kindheit. Während Ariès die Ansicht vertritt, die künstliche “Erfindung” von Kinheit hat das ursprünglich glückliche (wenn auch von viel Unfall, Krankheit und Tod begleitete), von Kontakten mit “Verschiedenen Klassen- und Altersstufen” geprägte Leben der Kinder zu einem unglücklichen, von Strafe (“Rute und Karzer”) und durch Erwachsene fremdbestimmten Leben gemacht, vertritt deMause die Ansicht, die Erfindung der Kinheit sei ein Segen, der zum beschützend-lenkenden Verhältnis der Erwachsenen zu Kindern führte, weg von der Kindstötung in Antike und Mittelalter.
Tiefer will ich da gar nicht hineingehen, sondern empfehle nur diese beiden Bücher als Grundlagenliteratur der Debatte. Der Bezug zum Thema aber ist, dass der Blick auf Entwicklung mit der unterliegenden Theorie steht und fällt. Da die 68er fast alle Formen der Autorität verneinten, war daraus eine der logisch notwendigen Konsequenzen, auch bei der sexuellen Entwicklung nicht autoritär einzugreifen. Als Einführung in die 68er: Rudolf Sievers (Hrsg.): 1968. Eine Enzyklopädie, Frankfurt a.M. 2004
Mein persönlicher Senf dazu ist: Das wird immer ein schwieriges Thema bleiben…zwar sollte heute klar sein, dass man den Kindern nicht die Masturbation mit “davon wirst du blind” oder “Gott wird dich strafen” und damit das Entdecken eigener Sexualität sauer machen sollte, aber im interpersonellen Verhältnis zwischen Erzieher und Edukand sind die Grenzen bisweilen fließend…meine Philosophie ist da, lächelnd aber nicht strafend oder tabuisierend abzulehnen, auch bei pubertären “Übergriffen” und Flirtversuchen von Schülerinnen (was aber mit steigendem Alter ohnehin nachlässt…ich glaube, ich verliere langsam mein Mojo…), die jedem Lehrer und jeder Lehrerin im Laufe der Karriere immer mal begegnen werden…versucht man aber, der Sache theoretisch fundiert habhaft zu werden, so wird man immer eine mehr oder weniger breite Ambiguität feststellen, die von mangelnder Neutralität gegenüber dem Thema begleitet ist…ungefähr so, wie das Frauenbild und das Familienkonzept unter Hitler…
Liebe Frau Herman: Wer sich so derbe mit dieser Form von Ambiguität (und um die müssen Sie gewusst haben…) in die Nesseln setzt und den Interviewern ins lange gesehene offene Messer läuft und sich auf eine “neue Interpretationsweise” beruft und sich als falsch verstandenes Opfer der Medien darstellt, sollte sich bei anderen, die es zu ähnlich kritisch behafteten Sachverhalten Ihnen gleich tun, nicht so weit aus dem Fenster lehnen…das wirkt schief und wie journalistischer Opportunismus, weil das Thema ja gerade Leser verspricht…eine eher schwache Nummer…
cd
Katholische Kirche: Inkompetenz als Universalentschuldigung
15. Apr
Jetzt hat die katholische Kirche endlich ein Argument gefunden, das alle Kritiker voll überzeugt: Inkompetenz als Methode. Nachdem Kardinalstaatssekretär Bertone behauptet hat, es gebe einen von Psychologen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie reagiert die Kirche prompt auf den Aufschrei, den Bertone ausgelöst hat. Die Kirche sei “nicht kompetent, allgemeine Äußerungen spezifisch psychologischer oder medizinischer Natur abzugeben”. Mehr >
Tarcisio Bertone Bertone: Schwule missbrauchen Kinder
14. Apr
Da platzt mir doch der Arsch…es ist noch nicht so lange her, da gab es Wirbel um einen Haufen kirchlicher Pseudowissenschaftler, die behaupteten Homosexualität sei heilbar und wollten zu dem Thema eine Tagung an der Universität Marburg halten.
Nun lese ich auf Nerdcore den Artikel “Kardinal Tarcisio Bertone Bertone shits in your face!”, eine Reaktion auf den Telepolis-Artikel “Hoher Vatikanvertreter erklärt Homosexualität zur Ursache für Missbrauchsfälle”.
Nehmen die jetzt alle Drogen? Erst werden die Beatles begnadigt und nun wieder so ein Rückschritt. Bertone sehe “keinen Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophilie”, aber sehr wohl “einen Zusammenhang zwischen Homosexualiät und Pädophilie”. Er stützt dies auf “erst kürzlich bestätigte Aussagen von Psychologen” und sagt: “Das ist die Wahrheit und das ist das Problem.” Diese Argumentation kommt mir von der Organisation, bei der Joseph Ratzinger kurz beschäftigt war, bevor er bei den Katholiken anfing irgendwie bekannt vor…könnte Obersturmbannführer Ratzinger jetzt bitte Dr. Mengele suspendieren?
cd
Statistiksoftware und vorgetäuschte Orgasmen
08. Apr
Ups…das ist fast ein Insiderwitz für Statistiker:
Im letzten Jahr kam wurden die Ergebnisse einer Studie zum Sexualverhalten von Frauen veröffentlicht, die belegten, dass Frauen umso mehr Orgasmen beim Geschlechtsverkehr haben, je reicher der Mann ist, mit dem sie schlafen…
Zwei Statistiker von der LMU wurden beim genaueren Hinsehen skeptisch…die veröffentlichten Zahlen wollten nicht so recht zu den Ergebnissen passen, also berechneten sie anhand der Rohdaten die Ergebnisse neu…und konnten keine Korrelation feststellen…
Der Grund: Die niederländischen und Britischen Forscher hatten offensichtlich die Statistiksoftware SPSS falsch konfiguriert…die Open-Source Statistiksoftware “R” lieferte konträre Ergebnisse…
Nachgewiesen werden konnte lediglich der Zusammenhang zwischen Bildungsniveau, Alter und Gesundheit und der Häufigkeit von Orgasmen…und dass Akademiker den Größten haben, dürfte längst hinlänglich bekannt sein..;-)
cd
Pornos im Unterricht
05. Mrz
…als hätten wir an den Schulen im Moment keine anderen Probleme…
Gestern surfe ich kurz den Schulspiegel an, weil ich doch sauber recherchierten Qualitätsjournalismus so mag, da springt mich folgende Überschrift an:
Pornografie in der Schule. “Herr Müller, wie nennst du deine Frau beim Se-he-x?”
Offensichtlich ist wieder Flaute an der Bildungsnachrichtenfront, denn Kern des Artikels ist -wie desöfteren- der verzweifelte Pädagogenschrei nach Hilfestellung beim Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die ja nun dank Youporn und Co ach so viele Pornos konsumieren würden…man müsse da doch eine Handhabe schaffen…
Eine Dame namens Karla Etschenberg, ihreszeichens Professorin für Pädagogik und ehemalige Biologielehrerin, schlägt vor, Pornos einfach in den Unterricht einzubauen und dort zu besprechen…und fordert im gleichen Atemzug, dass Lehramtsanwärter schon an der Uni “eine Selbsterfahrungsgruppe zum Umgang mit der eigenen Sexualität mitmachen.”
Is klar…ich melde mich sofort freiwillig für die Leitung eines solchen Seminars…ich erinnere mich noch sehr gut an die doch noch recht kindlichen Strukturen der Erstsemester, als ich noch Tutor war…vor meinem geistigen Auge habe ich nun ungefähr dreißig wild kichernde bis vor Scham im Boden versinkende Erstis sitzen, nachdem ich den Oberstreber in der ersten Reihe gefragt habe: “Und? Woran denken Sie so wenn Sie sich abends alleine einen keulen? Als Theologiestudent haben Sie doch sicher keine Freundin…”
Ganz großes Kino…
Und überhaupt der Begriff “Selbsterfahrungsgruppe”…mir graut noch bei der Erinnerung an die Gutmenschenzwangsveranstaltung bei einer nicht unerheblich gestörten, wabergewandtragenden Professorin mit langen grauen Haaren, die unwiderruflich in den 68er hängengeblieben war…auf einem Trip vermutlich…sie zeigte fröhlich Baby- und Kinderfotos von sich selbst auf dem Beamer im Hörsaal und war sich dann für die Erklärung des Familienmodells nach Timothy Leary für keine Grenzverletzung zu schade…(“Schreiben Sie bitte nun die Namen ihrer Familienmitglieder und Verwandten auf ein Blatt Papier…dann nehmen Sie sich bitte einige Geldstücke aus Ihrer Börse, um damit einen kleinen Kreis um die Menschen zu ziehen, zu denen Sie ein schlechtes Verhältnis haben und einen großen Kreis um die, zu denen Sie ein gutes Verhältnis haben…”). Wären ihre Masturbationsphantasien noch Gegenstand der Selbsterfahrung gewesen…welch schrecklicher Gedanke…
Ganz ehrlich? Was für ein hanebüchener Blödsinn…der Umgang mit der eigenen Sexualität ist primär in der Erziehung begründet…wer damit locker umgeht, der meistert auch jeden Spruch, jede eindringliche Frage seiner Schüler und jede pubertäre Poserei…und wer mit 20 durch ein eher konservativ-vermeidendes Elternhaus Sexualität noch völlig verklemmt gegenübersteht, den rettet auch kein Seminar und keine Selbsterfahrung..höchstens die, die man auf Wohnheimfeten macht…
Und die pornosüchtigen Jugendlichen?
Sie werden es überleben…das ist das übliche Zeter-und-Mordio-Geschreie, das schon seit Einführung der Groschenromane im letzten Jahrhundert betrieben wird…die Groschenromane haben die Gesellschaft nicht zugrundegerichtet, das Kino nicht, die Comichefte nicht, das Fernsehen nicht, der Videorecorder nicht, der DVD-Player nicht, die Mobiltelefonflatrates nicht und die aktuelle Generation wird auch nicht an Youporn zugrundegehen…da bin ich mir völlig sicher…
Jede Generation hat ihre Medien und wer mit ihnen aufwächst, entwickelt seine eigene Form von Medienkompetenz im Zuge der Benutzung…
Ganz ehrlich…ich vermute in vielen Fällen bloßen Neid…die Jugendlichen haben es so viel leichter, an gute Pornographie zu kommen…
Wir hatten damals zuerst nur den Unterwäscheteil des Otto- oder Neckermann-Kataloges, den man sich abends heimlich ins Bett genommen hat, später dann kamen RTL und Sat.1 mit Hugo-Egon Balder, Tutti Frutti und den Liebesgrüßen aus der Lederhose…Schimanski wurde fast abgesetzt, weil er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen “Scheiße!” schrie usw.
Und? Hat es uns zugrundegerichtet, wie z.B. Neil Postman es damals postulierte? Sind wir alle sexualgestörte Psychopathen geworden?
Schlimmer…die meisten meines Freundeskreises von damals sind genau wie ich nun Lehrer…
cd
Homosexualität “heilbar” 2
18. Apr
Und weiter geht das fröhliche Umpolen…
Im Moment herrscht Aufruhr in Marburg. Die Universität wird bald einen Kongress „Psychotherapie und Seelsorge“ beherbergen. Dort wird es unter anderem um die Frage gehen, wie Homosexualität „geheilt“ werden könne.
Die entsprechenden Verbände laufen bereits Sturm, die Universität hält sich jedoch diplomatisch zurück, sie wolle „keine Zensur“ ausüben.
Natürlich stecken dahinter wieder die Evangelikalen
TAZ: Evangelikalen-Kongress in Marburg: Auftritt der Homo-Umpoler
Presseinformation der Universitätsstadt Marburg
cd
Homosexualität “heilbar” ?!
07. Feb
Ok…könnte ein österreichischer Psychiater bitte sofort eine Einweisung anordnen?
Gerhard Maria Wagner, der kürzlich von Papst Benedikt zum Weihbischof von Linz ernannt wurde, nachdem er sich schon durch Äußerungen wie, die „Harry Potter“ Reihe sei „Satanismus“ und der Untergang von New Orleans im Hurrikan Katrina sei „eine göttliche Strafe für eine unmoralische Stadt“ beim Volke beliebt gemacht hatte, ist nun auch der Meinung, Homosexualität sei heilbar und diese Menschen sollten dringend „behandelt“ werden…
Tagesschau: Linzer Weihbischof hält Homosexualität für heilbar
Mal sehen, was da noch alles kommt…
cd














