Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Beiträge getaggt mit Psychologie
Follow Friday für Blogs 5
09. Jul
So, es ist fast schon wieder Samstag, trotz Sommerloch aber hier der aktuelle, diesmal Psychologisch orientierte Follow Friday für Blogs:
1. Silberaugen
Eine junge Frau mit Borderline-Persönlichkeit und Depression erzählt aus Betroffenensicht. Auf sie gestoßen bin ich durch einen Linktipp von ihr zur Homöopathie…
Ein junger Mann mit rezidivierender Depression erzählt aus seinem Leben.
Zwei Blogs reichen heute..wie immer Qualität statt Quantität.
cd
ADHS und Ritalin 2
06. Jul
Im Verhaltensoriginell-Blog lese ich einen Eintrag, der mal wieder die ganze Bandbreite der Ritalin-Debatte zeigt. Offensichtlich hat sich der Wirkmechanismus von Methylphenidat immer noch nicht überall herumgesprochen, bzw. wird von RTL und Co. mit dem üblichen Sensationsjournalismus und seinen Horrorgeschichten überschrieben…
Stein des Anstoßes ist der Artikel “Studie: ADS/ADHS-Kinder sind mit Ritalin leistungsfähiger” beim Lehrerfreund. Der Lehrerfreund lässt sich leider in Bezug auf die aktuelle Studie zu der Wirksamkeit von Methylphenidat von Prof. Richard M. Scheffler von der University of California hinreißen. Er verfällt sofort in die Klischeeschiene, fordert unter Rückgriff auf Dr. Gumpert “alternative Heilmethoden” und unterstellt den eher Medikamente empfehlenden Scheffler natürlich sofort in die Ecke der Pharmalobby.
Das mit den alternativen Heilmethoden ist völliger Bullshit. Haben wir genuines AD(H)S, haben wir es mit einer hirnorganischen Störung zu tun, die zwar verhaltenstherapeutisch handhabbar gemacht werden kann, aber ohne Medikamente ziemlich fruchtlos bleibt. Der erste Kommentator des Beitrages schreibt direkt richtigerweise, dass Methylphenidat die Therapiefähigkeit erst einmal überhaupt herstellt. Natürlich bringt Ritalin nix, wenn die Diagnose nicht stimmt, aber das habe ich in einem anderen Artikel ja schon lang und breit erklärt…
Interessanter als die Artikel an sich sind aber die Kommentare. Eine Auswahl: Mehr >
Geballter Wahnsinn 9 – Suchanfragen 3
29. Jun
So, der Monat ist fast rum…Zeit für eine neue best of der Suchanfragen:
sex mit lehrerin meier
Solange Ihr es nicht während der Unterrichtszeit macht….
englisch sinnlos
formal: useless (adj.), pointless (adj.) slang: westerwelly (adj.)
die bombe in göttingen
Geht die jetzt auf Tour?
rehtorik
…lernt man am Fachbereich Tierkommunikation
Waldorflehrer Pornos
Heinz Sielmann hat dazu sicher etwas gedreht…
wozu braucht man physik für psychologie
Damit wir vollmundig den NC abschaffen können und die Deppen dann eben über diese Vorlesung aussortieren
tim kretschmer charakter
latent fremdschädigend..tote Lehrer fallen nicht unter “Mord”, sondern nur unter “Sachbeschädigung”
ist das medikament haldol ein beteubungsmitel
Nein, es wird bei einem IQ unter Raumtemperatur zur Behandlung einer LRS verwendet
kachelmann borderline
Nein, er sitzt eindeutig auf der anderen Seite der Linie
psychologie kinder gespenster sehen
Wenn Sie Gespenster von Kindern sehen, haben Sie eine Psychose.
praktiken, orgasmus durch selbstverletzung
Dafür empfehle ich einen Staubsauger der Marke Vorwerk
beretta 92 fs einschiessen
Kein Problem, einfach nach Winnenden fahren.
Follow Friday für Blogs 4
26. Jun
Wie immer der Follow Friday aus lebenstechnischen Gründen am Samstag…
1. Ich bin Autistin – Asperger Syndrom bei Frauen
Sabine Kiefner erklärt die Welt aus der Sicht einer Frau mit Asperrger-Autismus. Ich habe sie bereits zitiert und kann ihr Blog nur jedem empfehlen, der sich für diese Störung interessiert und mal die “andere Seite” hören möchte. Artikel über das Leben mit dem Asperger-Syndrom und die alltäglichen Hürden, die die “Normalen” einem Menschen mit Asperger in den Weg stellen.
2. Verhaltensoriginell oder vielleicht doch ADHS?
Das Leben mit AD(H)S aus der Sicht einer Betroffenen, die selbst Mutter von Kindern mit AD(H)S ist. Methylphenidat ja oder nein? Welche Schulform? Was ist überhaupt AD(H)S? Wie ist der aktuelle Forschungsstand? Wer sich für diese Störung interessiert, sollte sich ihr Blog zu Gemüte führen…
cd
Autistische Kommunikationsprobleme
22. Jun
Noch ein lesenswerter Eintrag im “Ich bin Autistin”-Blog: “Ein Satz – viele Mißverständnisse” beschreibt sehr schön die von mir erwähnten Kommunikationspobleme auf der analogen Ebene:
„Ist noch Tee da?“
Eine Frage, deren Beantwortung mit einem Blick auf die Teekanne in der Küche eindeutig war und nur eines einzigen Wortes bedurfte.
„Ja.“
Damit war für mich der Sachverhalt geklärt.
Für meinen Gesprächspartner offensichtlich nicht, denn bei der Rückkehr ins Wohnzimmer wurde ich mit den Worten „Du Stiesel“ empfangen.
Ich konnte mir nicht erklären, warum ich ein Stiesel sein sollte, hatte ich die mir gestellte Frage doch schnell und korrekt beantwortet.
Was hatte ich falsch gemacht?
Ich wusste es nicht.
cd
Autisten und Berührung
22. Jun
Ich habe ja bereits in meinem Artikel zu Asperger bzw. Autismus geschrieben, dass Menschen mit dieser Störung eventuell nicht angefasst werden wollen.
Ich selber hasse das auch, wenn Menschen das Verletzen des “personal space” als das “Aufbauen einer positiven Beziehung” missverstehen…ich meine vor allem die alt68er-Sozialarbeiter-lass-ma-drüber-reden-Du-Birkenstockträger-Müslipädagogen, die nicht kommunizieren können, ohne einem mindestens an den Arm zu fassen oder die Hand auf die Schulter zu legen…könnte ich jedesmal akut fremdschädigend werden…für mich ist das kein Beziehungsaufbau sondern Respektlosigkeit…schlechte Erziehung…einfach auf der “macht man nicht” Liste.
Dass man einen Autisten oder Asperger-Betroffenen damit im Extremfall in eine Dissoziation schießt, beschreibt eine Asperger-Betroffene sehr eindrucksvoll in ihrem Blog “Ich bin Autistin – Asperger-Syndrom bei Frauen“. Das Ärgerlichste: Es passierte auf einer Fachtagung zum Thema Asperger!
cd
Physiker gegen Psychologen
20. Jun
Qualitätscontent: Grundlagenwerke zur Psychoanalyse
20. Jun
So, da ich im Moment wieder eine Liste für Seminarliteratur zusammenstelle, heute mal wieder etwas ernstgemeinter Content, und zwar einige sehr empfehlenswerte Werke für Anfänger in der Pschoanalyse:
1. J. Laplanche / J.-B. Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1973
Für Anfänger in der Materie ein unverzichtbares Werk, das auch sehr günstig zu haben ist. Mit vielen Literaturverweisen erklärt “Der Laplanche-Pontalis” alle wichtigen Begriffe der Psychoanalyse von “Abarbeitungsmechanismen” bis “Zwangsneurose”.
2. Freud, Sigmund: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, aus “Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, Erstveröffentlichung London (Imago Publishing Co.) 1940, mittlerweile ist Freuds Gesamtwerk im Projekt Gutenberg kostenlos als Download oder gegen geringe Gebühr als CD-ROM erhältlich
In diesem Werk erklärt Freud sein Strukturmodell der menschlichen Psyche aus ICH, ES und Über-ICH
3. Kohut, Heinz: Narzißmus. Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1976
Kohut entwickelte die ICH-Psychologie Sigmund Freuds weiter, prägte den Begriff des “Selbst” und begründete darauf seine eigene Richtung der Selbstpsychologie inklusive einer Weiterentwicklung von Freuds Narzißmustheorie.
4. Kohut, Heinz: Die Heilung des Selbst, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 9. Aufl. 1981
In diesem Werk arbeitet Kohut seine Selbstpsychologie weiter aus und erklärt ihre Zusammenhänge.
5. Kernberg, Otto F.: Borderline-Störungen und pathologischer Narzißmus, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1983
Objekttheoretiker Otto F. Kernberg erklärt hier seine Weiterentwicklung der Narzißmustheorie und die Überarbeitung des Konzeptes der Borderline-Störung. Da Kernberg die letztere als Kontinuum sieht, verwendet er den Plural.
6. Kernberg, Otto F.: Objektbeziehungen und Praxis der Psychoanalyse, Klett-Cotta 6. Aufl. 1992
In diesem Werk breitet Kernberg seine Theorie der Objektbeziehungen nochmals etwas weiter aus und bezieht sie auf ihre praktische Umsetzung
Zwar war Goffman kein Psychoanalytiker, sondern Soziologe, doch zähle ich dieses Werk zu den unverzichtbaren Grundlagenwerken für die Psychoanalyse, da Goffman sich hier mit dem Begriff des Stigmas und dem Selbsterleben psychisch Kranker als “beschämende Andersartigkeit” auseinandersetzt.
An dieser Stelle ist Stavros Mentzos als weiterer großer Denker der Psychoanalyse einzuführen. Auch er entwickelte den Neurosenbegriff, den Narzissmusbegrif und andere Theorien Freuds weiter. In diesem Werk gibt er eine sehr gute Einführung zu neurotischen Mustern, die aber erst nach der Lektüre der vorherigen Werke gelesen werden sollte, da Mentzos teilweise seine eigene, weiterentwickelte Begrifflichkeit verwendet, die sich teilweise ein großes Stück von den ursprünglichen Begrifssbedeutungen der Freudianischen Psychoanalyse unterscheidet.
In diesem Werk arbeitet Mentzos seine Theorien weiter aus und benutzt das sehr anschauliche “Bankkontenmodell” und das Modell der “narzisstischen Homöostase”, welche beide durch ihre graphische Darstellung sehr einleuchtend sind.
Weiterführendes:
1. Adler, Alfred: Menschenkenntnis, Frankfurt a.M. (Fischer) 1966
Der “ehemalige Psychoanalytiker Alfred Adler”, wie Freud ihn nach dem Bruch mit ihm bezeichnete spaltete sich im Streit von Freuds Mittwochsgesellschaft ab und suchte einen eigenen Weg in die Psychoanalyse. In diesem Werk erklärt er sein Verständnis der Zusammenhänge der menschlichen Psyche.
2. Adler, Alfred: Neurosen. Fallgeaschichten, Frankfurt a.M. (Fischer) 1981
Wer sich in Adlers Theorien weiter hineinlesen möchte, findet hier ein leicht zu lesendes Werk, das einige seiner interessantesten Fälle vorstellt.
Menschen, die sich fragen, warum die 68er-Bewegung und alt-68er die klassische Psychoanalyse als Kontrollmechanismus des Establishments ablehnen bis hassen, findet hier den historischen Abriss der Hintergründe und den Versuch einer Versöhnung mit den marxistischen Idealen.
Für Streber:
Lacan, Jacques: Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion, in: Schriften Bd. I, Berlin (Quadriga) 4. Aufl. 1991
Der härteste Stoff, den die Psychoanalyse zu bieten hat: Jacques Lacan. Genial, aber selbst derartig narzisstisch, dass seine Texte durch seine geliebten Wortspielereien fast unlesbar sind, wenn man nicht über ein fundiertes Wissen psychoanalytischer Zusammenhänge verfügt. Absoluter Irrsinn für Menschen, die kein Leben haben. Wem das nicht reicht und über die nötigen Französischkenntnisse verfügt (der fürchterliche Schreibstil ist der Grund, warum sein Werk bis heute nicht vollständig übersetzt ist): Le “je” n’est pas le “moi”. Viel Spaß beim Grübeln
Die Liste ist als Einführung gedacht, darum tauchen Jung, Anna Freud, Mitscherlich, Horney etc. nicht auf…die wird der geneigte Leser sich dann selbst erschließen..
cd
Urteil: Kein Geld für Wahrsager
19. Jun
Schöner Artikel auf Astrodicticum Simplex: Wahrsager haben keinen Anspruch auf Honorar.
Das Oberlandesgericht Stuttgart hat entschieden, dass es sich beim Wahrsagen mittels magischer Kräfte um eine unmöglich zu erbringende Leistung handelt und somit kein Honoraranspruch besteht. Definition “unmöglicher Leistung”:
“Objektiv unmöglich ist eine Leistung, wenn sie nach den Naturgesetzen oder nach dem Stand der Wissenschaft und Technik nicht erbracht werden kann1. Insbesondere ist in Rechtsprechung und Literatur anerkannt, dass ein Vertrag, in dem sich eine Partei zum Einsatz magischer Kräfte verpflichtet, mit denen Lebensumstände positiv beeinflusst werden sollen – zum Beispiel Partnerschaftsprobleme gelöst werden sollen – auf eine unmögliche Leistung gerichtet ist, weil solche Kräfte nicht existieren. Das Gleiche gilt für die Übernahme einer Verpflichtung, die darauf hinausläuft, auf astrologischer Grundlage – dem Stand der Sterne – zu beraten und Weisungen für die Zukunft zu erteilen.”
Damit wird es nun interessant, denn diese Definition kann so im Prinzip auf den gesamten Esoterikbereich ausgeweitet werden. Schlechte Karten für Kartenleger und Co….
Der Zitierte Artiel bei Rechtslupe.
Das vollständige Urteil bei der Justiz Baden-Württemberg.
cd
Philosophie ist keine Wissenschaft
17. Jun
Ach, ist das schön, dass ich mit meiner Meinung zur Philosophie nicht alleine dastehe. Ich weiß zwar nicht, ob die Differenzierung ungeschickt oder Absicht war, aber Diplom-Meteorologe und M.A. der Philosophie Jörg Friedrich formulierte kürzlich in seinem Blog auf Scienceblogs:
Die einfachste Frage, um mit dem Philosophieren zu beginnen, heißt “Tatsächlich?” (Nicht etwa, “Warum?”, wer Warum? fragt, wird Wissenschaftler, nicht Philosoph.)
Aus dieser Formulierung schließe ich also, dass Philosophen keine Wissenschaftler sind … und liest man die Diskussion in den Kommentaren…das ist der Grund, warum ich zur Psychologie geschwenkt bin…das war schon an der Uni nicht zum Aushalten
cd















