Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Beiträge getaggt mit Philosophie
Philosophie ist keine Wissenschaft
17. Jun
Ach, ist das schön, dass ich mit meiner Meinung zur Philosophie nicht alleine dastehe. Ich weiß zwar nicht, ob die Differenzierung ungeschickt oder Absicht war, aber Diplom-Meteorologe und M.A. der Philosophie Jörg Friedrich formulierte kürzlich in seinem Blog auf Scienceblogs:
Die einfachste Frage, um mit dem Philosophieren zu beginnen, heißt “Tatsächlich?” (Nicht etwa, “Warum?”, wer Warum? fragt, wird Wissenschaftler, nicht Philosoph.)
Aus dieser Formulierung schließe ich also, dass Philosophen keine Wissenschaftler sind … und liest man die Diskussion in den Kommentaren…das ist der Grund, warum ich zur Psychologie geschwenkt bin…das war schon an der Uni nicht zum Aushalten
cd
Etwas Rechtsphilosophie
17. Jun
Ich verneine ja gerne meine philosophische Seite, da ich nach dem Studium der Philosophie nur in der Erkenntnis bestärkt war, dass sie wirklich zu gar nichts gut ist, außer für sich selbst…aber vorhin finde ich einen sehr interessanten Artikel bei weissgarnix: Schuld – eine soziale Konstruktion.
Kern des Artikels ist eine Reaktion auf den ehemaligen Verfassungsrichter Winfried Hassemer, der in der FAZ unter “Haltet den geborenen Dieb” die aktuellen Erkenntnisse der Neurobiologie bezüglich des freien Willens in ihrer Konsequenz diskutiert. Lesenswert. Kernaussage ist, dass der Schuldbegriff eine soziale Konstruktion ist, die nicht unbedingt auf rationaler Logik beruht, aber für den Zusammenhalt der Gesellschaft unbedingt notwendig ist.
cd
EDIT: Eine schöne Reaktion auf den Artikel bei Differentia: Hirnbiologie, Robotik und Recht – Zur Zerrüttung sozialer Konstruktionen
Daniel Cohn-Bendit soll der neue Mixa werden…
13. Mai
Oha, jetzt wo Mixa zurückgetreten ist und sich im Strafverfolgungsverfahren befindet, geht den Zeitungen plötzlich der Stoff für Skandalmeldungen zu Kindesmissbrauch aus…also wird in den Archiven gebuddelt und geschaut, was man nun noch so alles an “Enthüllungen” präsentieren kann. Die beliebte Historikerin Eva Herman hat sich als neues Ziel den ewig-68er, Odenwaldschüler und Grüne-Politiker Daniel Cohn-Bendit ausgesucht. Sie schreibt im Kopp-Verlag: Fassungslosigkeit. Warum Walter Mixa gehen musste und Daniel Cohn-Bendit immer noch da ist. Infowars hat den Artikel nebst Video übernommen.
Stein des Anstoßes ist die Zeit der sogenannten “Kinderladenbewegung“, ein Begriff, der meiner Generation und den noch Jüngeren nur noch bedingt etwas sagen dürfte. Kern der Erziehung in den Kinderläden war, neben einer antiautoritären Ausrichtung, auch der Grundsatz, dass kindliche Sexualität nicht zu unterdrücken sei. Es sind in den Protokollen der damaligen Zeit etliche sexuelle Kontakte zwischen Erziehern und Kindern dokumentiert. Cohn-Bendit selbst beschrieb diese Ereignisse in seinem Buch “Der große Basar“, was bereits 2001 von der “Schweizer Zeit” im Artikel “Der Kinderschänder” aufgegriffen wurde. Cohn-Bendit hat in seiner Zeit mit den Grünen mehrfach Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die “gewaltfreie Sexualität” zwischen Minderjährigen und Erwachsenen straffrei stellen soll. (vgl. z.B. Artikelreihe “Sexuelle Gewalt an Kindern: Politisch akzeptierte Wirklichkeit?“, ebenfalls von Eva Herman).
Was für die heutige Generation unvorstellbar klingt, war damals ein revolutionär neuer Ansatz der Erziehung als Kontrast zum Konservativismus und der Autorität Erwachsener. Transparenter wird die Debatte, wenn man sich folgende Positionen zu Gemüte führt:
1. Lloyd deMause: “Hört Ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit”, Frankfurt 1977 (Original New York 1974) und
2. Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit, München/Wien 1975 (Original Paris 1960)
Zwei gegensätzliche Positionen zum Begriff der Kindheit. Während Ariès die Ansicht vertritt, die künstliche “Erfindung” von Kinheit hat das ursprünglich glückliche (wenn auch von viel Unfall, Krankheit und Tod begleitete), von Kontakten mit “Verschiedenen Klassen- und Altersstufen” geprägte Leben der Kinder zu einem unglücklichen, von Strafe (“Rute und Karzer”) und durch Erwachsene fremdbestimmten Leben gemacht, vertritt deMause die Ansicht, die Erfindung der Kinheit sei ein Segen, der zum beschützend-lenkenden Verhältnis der Erwachsenen zu Kindern führte, weg von der Kindstötung in Antike und Mittelalter.
Tiefer will ich da gar nicht hineingehen, sondern empfehle nur diese beiden Bücher als Grundlagenliteratur der Debatte. Der Bezug zum Thema aber ist, dass der Blick auf Entwicklung mit der unterliegenden Theorie steht und fällt. Da die 68er fast alle Formen der Autorität verneinten, war daraus eine der logisch notwendigen Konsequenzen, auch bei der sexuellen Entwicklung nicht autoritär einzugreifen. Als Einführung in die 68er: Rudolf Sievers (Hrsg.): 1968. Eine Enzyklopädie, Frankfurt a.M. 2004
Mein persönlicher Senf dazu ist: Das wird immer ein schwieriges Thema bleiben…zwar sollte heute klar sein, dass man den Kindern nicht die Masturbation mit “davon wirst du blind” oder “Gott wird dich strafen” und damit das Entdecken eigener Sexualität sauer machen sollte, aber im interpersonellen Verhältnis zwischen Erzieher und Edukand sind die Grenzen bisweilen fließend…meine Philosophie ist da, lächelnd aber nicht strafend oder tabuisierend abzulehnen, auch bei pubertären “Übergriffen” und Flirtversuchen von Schülerinnen (was aber mit steigendem Alter ohnehin nachlässt…ich glaube, ich verliere langsam mein Mojo…), die jedem Lehrer und jeder Lehrerin im Laufe der Karriere immer mal begegnen werden…versucht man aber, der Sache theoretisch fundiert habhaft zu werden, so wird man immer eine mehr oder weniger breite Ambiguität feststellen, die von mangelnder Neutralität gegenüber dem Thema begleitet ist…ungefähr so, wie das Frauenbild und das Familienkonzept unter Hitler…
Liebe Frau Herman: Wer sich so derbe mit dieser Form von Ambiguität (und um die müssen Sie gewusst haben…) in die Nesseln setzt und den Interviewern ins lange gesehene offene Messer läuft und sich auf eine “neue Interpretationsweise” beruft und sich als falsch verstandenes Opfer der Medien darstellt, sollte sich bei anderen, die es zu ähnlich kritisch behafteten Sachverhalten Ihnen gleich tun, nicht so weit aus dem Fenster lehnen…das wirkt schief und wie journalistischer Opportunismus, weil das Thema ja gerade Leser verspricht…eine eher schwache Nummer…
cd
Pseudonyme im Internet – Zum Lästern in den Keller gehen?
13. Apr
Nachdem die erste Welle des Entsetzens über die Datenschutzpolitik von Facebook langsam wieder abebbt, macht nun ein neuer Aufreger die Runde, der sowohl kommerzielle Plattformen wie auch private Blogs betrifft. Einige Medien gehen dazu über, Kommentare nur noch mit Klarnamen versehen zuzulassen (New York Times: News Sites Rethink Anonymous Online Comments).
Zur Facebook-Geschichte habe ich nicht viel zu sagen. Ich fahre weiter meine Philosophie, dass ich etwas, von dem ich nicht will, dass es bekannt wird, gar nicht erst ins Netz stelle…alle User, die ihre privaten Daten nun im ganzen Internet verteilt finden, haben sie schließlich selber dort eingegeben…nun kann man entweder seinen Account löschen und beten, dass die Daten in 10 Jahren nur noch schwer in den Archiven zu finden sind, oder die Sache einfach ignorieren. Selber schuld, hört auf zu jammern…Google ist nicht die Heilsarmee… Mehr >
Raus aus dem Schuldienst – Bekenntnisse eines Ex-Kollegen
06. Apr
Ich bin mit Sicherheit nicht der einzige Lehrer, der dem aktuellen System den Rücken gekehrt hat, um andere Wege einzuschlagen…über einen seelenverwandten Ex-Kollegen bin ich gerade eben durch Zufall gestolpert:
Jürgen Lüder hat in seinem Blog “Ich alter Dinosaurier” einen Eintrag mit dem Titel “Reminiszenzen: Abschied vom Fach ‘Psychologie’” geschrieben, der mir persönlich auch sehr aus der Seele spricht…wenngleich ich auch “sein” Fach Psychologie für ähnlich unwichtig im Fächerkanon halte, wie “mein” Fach Philosophie…
Entweder man will die Hängematte der Lebenszeitverbeamtung und läßt sich im Bedarfsfall regelmäßig kaputtschreiben, oder man schmeisst eben hin und sucht sich einen anderen Job…Gruß an den Kollegen!
cd
Jürgen Habermas twittert nicht!
01. Feb
Ups…diesmal hab ich auch ne Ente verbreitet…ich hatte ja vor kurzem geschrieben, dass Jürgen Habermas twittert…ich sollte mehr auf mein Bauchgefühl hören und nicht auf große Blogs
Die Zeit schreibt es heute:
Jürgen Habermas twittert (nicht) « Kulturkampf.
Ok, dafür zwei Wochen lang keine bissigen Kommentare über schlecht recherchierte Artikel…
cd
Didaktische Meisterleistung
27. Mrz
Hmm…DAS muss ich mir für meinen Philosophieunterricht merken:
Prog: “Existiert etwas auch dann, wenn es niemand sieht?”
Prog: Ich check den satz nicht und wir müssen unsere meinung als hausaufgabe für philo aufschreiben
Homunkulus: Ok ich formulier ihn mal für dich um
Homunkulus: “Ist ein Server online, wenn niemand drauf ist?”
Quelle: german-bash
wahrlich eine didaktische Meisterleistung…
cd
Kreuzzug in Berlin
02. Feb
Ich verfolge schon seit längerer Zeit amüsiert den neuen Kreuzzug in Berlin.
Für alle, an denen das Thema vorbeigegangen ist:
Berlin hat im Zuge seiner Schulreform angesichts schwindender Schülerzahlen im Fach Religion, welches in Berlin immer ein freiwilliges, nicht versetzungsrelevantes Fach war, einen flächendeckend verpflichtenden Ethikunterricht zur moralischen Indoktrination Erziehung eingeführt.
Seitdem gehen religiöse Eltern und die Kirchen erfolglos auf die Barrikaden. Sei es, weil das Fach auf einem „atheistischen Weltbild“ aufbaue, das „dem christlichen Glauben widerspreche“ oder weil sie sich angegriffen fühlen, da das Wahlfach Religion in den Randstunden liegt.
Das Bundesverfassungsgericht hat dies immer abgeschmettert, siehe z.B.: Schulspiegel: Pflichtfach Ethik ist verfassungsgemäß (2007)
Desweiteren gründete man die Initiative „Pro Reli“ und startete ein Volksbegehren, welches nach Ablauf der Frist „mindestens 307.000 Unterschriften“ (Pressemeldung Pro Reli) brachte.
Es geht darin um die ordentliche Wahlfreiheit, also eine echte Wahl zwischen dem Fach Ethik und dem Fach Religion statt eines verpflichtenden Ethikunterrichtes.
An sich eine verständliche Sache, getrübt wird der Eindruck jedoch -wie so oft- mit der Tränendrüsenmethode und der Vergangenheitskeule.. „Wir bewundern zu Recht diejenigen Menschen, die aufgrund ihrer tiefsten Überzeugungen und Wertvorstellungen den beiden Diktaturen auf deutschem Boden entschiedenen Widerstand geleistet haben – zum Teil bis in den Tod. Andererseits haben wir auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder erschreckende Beispiele dafür erlebt, wozu fehlgeleitete Moralvorstellungen auch führen können.“ (Homepage Pro Reli)…also das übliche Gutmenschengequatsche bar jeder vernüftigen, wertfreien kausallogischen Argumentation…ein einfaches Berufen auf die Religionsfreiheit im Grundgesetz hätte es auch getan…
Was mir da sauer aufstößt ist der Satz „Daher muss ein auf die ethische und moralische Bildung junger Menschen ausgerichteter Unterricht nach deren Grundüberzeugungen differenzieren.“ (Homepage Pro Reli)
Nach meinem Verständnis von Pädagogik und Entwicklungspsychologie (mein Zweitfach ist übrigens das Fach Philosophie, dessen Schüler von der Theistenfraktion gerne mal als „die Heiden“ bezeichnet werden…) ist doch die Aufgabe dieser Fächer gerade die Herausbildung besagter ethischer und moralischer Bildung, die die Schüler in der fraglichen Altersstufe ja erstmal nur in Grundzügen besitzen und in ihrer Entwicklungsstufe diese gar nicht differenziert betrachten oder gar reflektieren können…oder habe ich da was falsch verstanden?
Für mich ist und bleibt der Religionsunterricht in dieser frühen Altersstufe oder gar im Grundschulalter keine Werteerziehung im humanistischen Sinne sondern schlichtweg eine Indoktrination eines Wertesystems, das eine neue Generation von Anhängern braucht…erst im späteren Alter kann man bei einem Religionsbekenntnis von einer freien Entscheidung des Individuums sprechen und erst dann wird eine vorher nur übernommene/aufgezwungene Handlungsanweisung zum „Wert“ im eigentlichen Sinne der Begriffsdefinition…aber nunja, das soll hier ja keine philosophische Abhandlung werden…
Ich will nur auf einen doch recht interessanten Artikel in der FAZ hinweisen, der den doch recht reißerischen Titel „Die Kirchen haben schon verloren“ trägt.
..haben sie ja leider noch nicht…
cd
Ballern mit Sokrates…
20. Jun
Der Spiegel läßt irgendwie auch nach…
In der Rubrik „Spiegel Wissen“ lautet das Wort des Tages heute „Komasaufen“.
Einer der Verlinkten Artikel zum Thema „Trinkgelage“ beginnt zunächst mit einem Historischen Abriss des Saufens und führt dies zurück auf die alten Griechen, wo es „symposion“ genannt wurde…im glechen Artikel ist das erste Wort, das man dann im Abschnitt „Neuzeit“ liest „Flatrate-Party“…selten habe ich einen Artikel gesehen, der einen derartigen Niveauknick hinlegt
Ich habe daraus gelernt, dass ich auf dem nächsten Symposium, wenn es wieder zu langweilig wird, einfach vollauffen lasse und mich darauf berufen werde, den ursprünglichen Sinn von Symposien nicht in Vergessenheit geraten lassen gewollt habe…sollte…müsste…geseit…gewartgewesen….Notiz an mich: wörtliche Rede im Perfekt im Duden nachlesen…
cd















