Artikel-Schlagworte: „Medizin“

Geld zurück für Homöopathie?

Donnerstag, 4. Februar 2010

Im Medizynicus Blog lese ich gerade, dass der bayrische Gesundheitsminister Söder möchte, dass es für wirkungslose Medikamente das Geld zurück gibt.

Ein interessanter Ansatz im Kontext der Anti-Homöopathie Aktion der Sekte 1023

Der Blogeintrag hier:

Geld zurück für wirkungslose Pillen? « Medizynicus Arzt-Blog.

cd

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Nachtrag zu: Drogen, Amok, Paranoia

Donnerstag, 26. März 2009

Folgende Sache ist mir gerade erst aufgefallen…
Derselbe Blogger, der im genannten „Antidepressiva und Amokläufe“-Blog die Pharmaindustrie als gewissenlose, geldgierige Abzocker darstellt, verlinkt am Ende des gleichen Beitrages zum „Zentrum der Gesundheit“ und dem dortigen Eintrag „Amoklauf unter Psychopharmaka-Einfluss?“

Auf ebendieser Seite wird man sofort von einem Foto der Inhaberin und dem Verweis auf eine 0180-er Hotline begrüßt…im Webshop erhält man diverse naturheilkundliche Pillen und Pülverchen (z.B. 500g Sango Koralle zum Preis von € 94,00, ein Darmreinigungsset für € 134,00, die 6-Wochen-Haarausfall-Kur für € 137,00 usw…), alles mit dem Warnhinweis: „Diese Informationen sind keinesfalls als Diagnose- oder Therapieanweisungen zu verstehen. Wir übernehmen keine Haftung für Schäden irgendeiner Art, die direkt oder indirekt aus der Verwendung der Angaben entstehen. Bei Verdacht auf Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihren Arzt oder Heilpraktiker.“

Dazu kann man dort eine Ausbildung zum „Fachberater für holistische Gesundheit“ zum Preis von € 3.350,00 machen, in vier Blöcken von netto 3 Tagen in einem Wellnesshotel…aus der Homepage wird so nicht direkt ersichtlich, dass es sich um keinerlei Therapieausbildung handelt und man danach keinesfalls die Heilkunde ausüben darf…(darum heißt das Kind „Fachberater“)…denn die HPG-Prüfung beim Gesundheitsamt ist da sicher nicht mit drin ;-)

Die Sache strotzt also summasumarum nur so vor Selbstlosigkeit und günstiger Hilfe für alle…

Irgendwie überzeugt auch dieses Argument des Bloggers gegen die bösen Psychopharmaka nicht wirklich ;-)

cd

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Drogen, Amok, Paranoia

Dienstag, 24. März 2009

Sehr schön…die Opfer von Winnenden sind noch nicht richtig kalt, schon beginnt neben der zu erwartenden Hexenjagd auf „Killerspiele“ nach dem Bekanntwerden der psychiatrischen Vorgeschichte von Tim K. auch das Schmieden von Verschwörungstheorien Hand in Hand mit den üblichen Argumenten der Psychoanalyse- und Psychiatriefeindlichen Lagern.
Über eine besondere Stilblüte dessen stolperte ich gerade im Seitenhiebe-Blog (welches übrigens umgezogen ist), unter dem Eintrag „Drogen und Amoklauf“.

Dort wird auf das eigens zum Amoklauf von Winnenden eingerichtete Blog „Antidepressiva und Amokläufe“ verwiesen. Dessen zweiter Eintrag ist dermaßen plakativ, reißerisch und vor allem seminparanoid verfasst, dass ich diesem doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit widmen möchte.

Schauen wir uns die Argumentation des Autors einmal an:

„Es sind Hunderte von Fällen bekannt, bei denen Menschen, die die „neue“ Generation von Antidepressiva einnahmen, anschließend Selbstmord begingen, teilweise vor Kindern oder Angehörigen oder Mitmenschen töteten – ohne irgendeine Emotion dabei zu zeigen.“

Da würde ich doch gerne wissen, wo diese „hunderte von Fällen“ dokumentiert sind und inwieweit die Einnahme von Antidepressiva tatsächlich mit der angeblich resultierenden Tag zusammenhängt.

1. Zeitliches Aufeinanderfolgen zweier Ereignisse sind kein Beweis für Kausalität
2. Es ist richtig, dass in einigen Fällen die Gabe von Antidepressiva zum Suizid führen kann. Das liegt an dem Umstand, dass bei vielen Präparaten (Citalopram, etc.) die Antriebssteigernde Wirkung viel früher einsetzt, als die Stimmungsaufhellende. Dies führt leider zu dem manchmal auftretenden Phänomen, dass die betroffenen Patienten gerade soviel Energie aufwenden können, um zu suizidieren.

Dass Tim K. „gefühls- und anteilnahmslos Menschen umgebracht“ haben soll, kann ich so nicht unterstützen…Hass und Wut sind unpopuläre, aber sehr reale Gefühle…ein Patient, der an tatsächlicher klinischer Gefühlsleere leidet, würde bei entsprechender Struktur aus rationaler Überlegung töten, aber Rache käme in ihm nicht vor…
Es ist im vorliegenden Fall eher davon auszugehen, dass es sich nicht um die Wirkung „gefühllos machender“ Psychopharmaka sondern eher um eine sehr reale Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid des verhassten Objektes handelte, mit ein Kerncharakteristikum für eine pathologische Persönlichkeitsstruktur, wie wir sie auch bei Serientätern finden.

Die Quelle „olwazt.de – Amoklauf durch Psychopharmaka“, die zitiert wird, wirkt ähnlich plakativ und wenig wissenschaftlich fundiert…

Als weiteren Beleg liefert der Autor eine Dokumentation des ZDF-Magazins „Frontal 21“..Ich bin nicht dazu gekommen, das verlinkte 45 Minuten lange Video komplett zu sichten…aber ich habe es ausschnittweise gesehen und würde, im Kontext mir bekannter anderer Berichte des gleichen Magazins zu ähnlichen Themen, mal die gleiche „Qualität“ der Recherche …also nahezu keine unterstellen…dass das Sendeformat „Frontal 21“, auch wenn es von einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt stammt, nicht „Mainstream“ sei, wage ich auch zu bezweifeln…

Der Autor verlinkt die Seite „ZDF.de – Das Pharma-Kartell“:
Erwartungsgemäß reißerisch gibt sich auch diese -eigentlich traurig zu wissen, dass es sich um das ZDF und nicht um RTL oder SAT1 handelt – …u.a. heißt es dort:

„Pharmaunternehmen können in Deutschland nach Einschätzung verschiedener Experten fast ungestört ihre Profitinteressen verfolgen. Das geht zu Lasten der Patienten, wenn dabei Nebenwirkungen verschwiegen, Selbsthilfegruppen instrumentalisiert oder Politiker, Ärzte und Heilberufe mit Gefälligkeiten umworben werden. Christian Esser und Astrid Randerath decken in der Frontal21-Dokumentation “Das Pharma-Kartell” auf, wie dieses System funktioniert.“

Die Pharmaindustrie wende „sehr perfide“ Methoden an…“Wichtigstes Ziel ist dabei offenbar immer, Medikamente gewinnbringend zu verkaufen. Auch fragwürdige Mittel werden nach Ansicht von Kritikern in den Markt gedrückt, eine Gefährdung der Patienten in Kauf genommen.“

Ach…ich dachte, Medikamentenhersteller seinen direkte Tochtergesellschaften der Heilsarmee…NATÜRLICH ist es wichtigstes Ziel, Medikamente gewinnbringend zu verkaufen…darum ist es ja auch eine INDUSTRIE…aus betriebswirtschaftlich geführten Unternehmen….
Was „fragwürdige Mittel“ sind, wird auf der Seite nicht weiter erwähnt…was aber die „Gefährdung der Patienten“ angeht, muss man eine Sache klarstellen:
Wolf-Dieter Ludwig sagt in dem Bericht ganz richtig, dass der Glaube, zugelassene Medikamente seien sicher, ein „Irrglaube“ ist…es wird ausser acht gelassen, dass selbst der Inbegriff der Harmlosigkeit von Medikamenten, die allseits beliebte Kopfschmerztablette Aspirin mit Ihrem Wirkstoff Acetylsalicylsäure bereits in normaler therapeutischer Dosierung unter bestimmten Umständen bereits bei der ersten Einnahme zu einem doch recht spektakulären und qualvollen Tod führen kann…aber das ist niemandem wirklich gewahr…obwohl es lang und breit im Waschzettel steht…Tod durch Suizid ist also „Schuld der Pharmaindustrie“, die „gefährliche“ Medikamente produziert, die Todesfälle durch Alltagsselbstmedikation mit ASS, Paracetamol, Ibuprofen usw. sind dann wohl „Schicksal“…hmm…

Der Begriff „Wiederaufnahmehemmer“ ist schlichtweg falsch, SSRI sind SEROTONINwiederaufnahmehemmer…an sich ein vernachlässigbarer Fehler, aber er zeigt mir doch, wie viel journalistische Akribie und wie viel Fachwissen in diesem Beitrag steckt ;-)
Sicher können diese zu den beispielhaft am Falle Monika Kranz dargestellten Symptomen führen, wie ich es schon eingangs erwähnte…es wird aus dem Bericht aber nur eine Zeitliche Abfolge ersichtlich…wichtig zu wissen wäre aber, unter welchen Umständen es zum Suizid kam…die SSRI-Gruppe hat nämlich den unangenehmen Nachteil, dass schlagartiges Absetzen -entgegen der Warnungen in den Packungsbeilagen- ebenfalls neben anderen Symptomen zu akuten suizidalen Krisen führen kann, ein Effekt, der lange als „SSRI Discontinuation Syndrome“ (SSRI Absetzsyndrom) bekannt ist und weswegen SSRI „ausgeschlichen“, die Dosis also schrittweise runtergefahren wird…
Tierfergehende Informationen vgl. Schweizerische Ärztezeitung: Entzugssymptome der modernen Antidepressiva , Tagungsfolien der Schweizerischen Gesellschaft für innere Medizin ,
auch kann es zu einem sogenannten „Rebound“ kommen, dem vollständigen oder sogar verstärkten Auftreten aller Symptome, wegen derer die Medikation verordnet wurde…
Es muss also die Frage gestellt werden, ob Tim K. während der Tat tatsächlich „ruhiggestellt“ war, oder der „Amoklauf“ nach dem -eventuell schlagartigen- Absetzen der Medikation erfolgte…gerade bei non-compliance Patienten wird immer wieder ein spontaner Verzicht auf die Medikamente bei temporärer Besserung der Symptomatik beobachtet.
All dies trifft auch auf den Wirkstoff Sertralin des erwähnten Medikamentes „Zoloft“ zu…
Der -ebenfalls im genannten Blog verlinkte- Beitrag „Kretschmer Withdrawing from Drepression Treatment“ stützt meine These. Zwar ist die Argumentation auch hier fragwürdig, der Autor schließt aus der Tatsache, dass Kretschmer eine verordnete ambulante Therapie nie antrat, dass er auch die Medikamente abgesetzt haben muss, was nicht notwendig kausal folgt, aber für mich würde es das Verhalten bei der Tat erklären…

Ich bin gespannt auf den offiziellen Bericht, dieser wird in letzter Instanz klären, ob Tim K. zur Tatzeit „ruhiggestellt“ war….ich würde mindestens eine Kiste Bier wetten, dass der Bericht genau so sauber ist, wie bei der Tilidin-Ente bezüglich Robert Steinhäuser und tendiere eher wie schon gesagt zu der Meinung, dass die beschriebene Teilnahmslosigkeit symptomatisch war…

Dass man Selbsthilfegruppen kaufen kann, ist auch ein alter Hut…das gilt nicht nur für solche, die im Kontext von Medikation agieren, sondern für so ziemlich jede andere Gruppe auch…also kein Argument gegen die Pharmaindustrie im Speziellen…

In der Linkliste findet man außer Links auf ähnlich polemischem Niveau keinerlei neutrale oder psychiatriefreundliche Links…eigentlich schade…
Der Autor schließt mit den Sätzen:

„Es liegt nun am Internet, diese Infos zu verbreiten. Die neue Generation der Antidepressiva ist maßgeblich für Zehntausende Morde und Suizide verantwortlich und wenn man nicht dagegen vorgeht, ist ein nächster derart brutaler Amoklauf nur eine Frage der Zeit.“

Wie gesagt…diese „Maßgeblichkeit“ hätte ich gerne näher belegt…ein halbseidener ZDF-Bericht und fragwürdige Blogquellen sind mir da doch zu dünn…

EDIT: Ich stoße gerade noch auf einen weiteren interessanten Blogeintrag zum Thema:
Das Infowars-Blog schrieb schon 2008 nach dem Vorfall an der Northern Illinois University einen Beitrag unter dem Titel „Psychodrogen und Waffenverbot ermöglichen weiteren Amoklauf“ Dort heißt es u.a.: „Laut dem Chicago Tribune glauben Erittler dass Cho Seung Hui, der Amokschütze an der Virginia Tech, vor seiner Tat im April Antidepressiva konsumiert hatte. Die Columbine-Mörder Eric Harris und Dylan Klebold, sowie der 15-jährige Kip Kinkel der in Oregon seine Eltern und seine Klassenkameraden niedergeschossen hatte, waren alle auf Psychopharmaka. Jeff Weise, der Killer an der Red Lake High School, war auf Prozac. “Unabomber” Ted Kaczinski, Michael McDermott, John Hinckley, Jr., Byran Uyesugi, Mark David Chapman und Charles Carl Roberts IV, der Mörder an einer Schule der Amish, waren alle auf Psychopharmaka vom Typ “Selektiver Serotoninwiederaufnahmehemmer” (SSRI). Die Presse versucht die Tatsache zu verschleiern dass Kazmierczak sich unter dem Einfluss der gleichen Medikamente befunden hatte, indem darauf verwiesen wird dass er zum Tatzeitpunkt seine Medikamente abgesetzt hatte.“
Besonders der letzte Satz lässt mich auch in diesem Fall denken, dass es sich keineswegs um Verschleierung durch die Presse handelte, sondern wir es auch in diesem Fall mit einem Gewaltakt als Symptom eines akuten Absetzsyndroms zu tun haben könnten…
Meine These bleibt also: Nicht die Warnungen vor Psychopharmaka müssen lauter werden, sondern die Warnungen davor, dass diese keine Smarties sind und man diese tunlichst nicht eigenmächtig von heute auf morgen absetzen sollte, hat man sich einmal entschieden, sie zu nehmen…

cd

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Das Wesen des Hamburgers

Montag, 9. Februar 2009

Heute mal etwas apolitisches:

Wenn Ärzten langweilig wird, kann eine Menge passieren. Vor allem, wenn es sich um einen Radiologen handelt.
Wer immer schonmal wissen wollte, wie ein Hamburger von McDonald’s, eine Quietscheeente oder eine Barbie in einem CT-Scan aussieht, kann dies nun auf www.radiologyart.com sehen.

cd

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50 Jahre Lobotomie

Sonntag, 6. Juli 2008

Vor grob fünfzig Jahren begann der Neurologe Walter Freeman, psychische Erkrankungen zu behandeln, indem er den Patienten mittels scharfer Gegenstände im Gehirn herumrührte. Er nannte dies „Lobotomie“.

Spiegel Online hat gestern einen kleinen Abriss des Themas veröffentlicht.

cd

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