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Jungen » Die ganze Welt des Wahnsinns

Beiträge mit tag "Jungen

Aufregende Werbung

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Jens Scholz regte sich vor eine Weile über die Werbekampagne eines Hörgeräteakustikers in Köln auf. Die Flyer zeigten das Foto einer jungen Frau, über dem groß “vermisst” stand. Erst bei genauerem Hinlesen erschließt sich, dass die Dame nur ihr Gehör verloren hat. Geistreich ist anders, aber definitik kein solcher Aufreger, wie es Scholz darstellt. Seit der Benetton-Kampagne der Neuziger eigenlich lahmer kalter Kaffee.
Eigentlich zu banal um es zu erwähnen, aber ich erinnerte mich heute an den Beitrag, als ich über eine Werbekampagne von Amnesty International stolperte:

Amnesty International

Amnesty International

DAS wäre eher ein Grund für Aufregung, aber die Moralapostel dürfen sowas ja ;-)

cd

Vermischtes

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Hier einige ältere Materialien zu diversen Themen. Letzte Aktualisierung: 12.04.2010

Suchtprävention bei Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Vortrag beim Kreuzbund Essen am 17.06.2006

Christian Droßmann – Vom Groschenroman zu den Killerspielen – Vorlesung an der Universität Duisburg-Essen am 12.12.2006

Elektronische Kommunikationsformen Jugendlicher – Vortrag für den Förderverein des Joseph Albers Gymnasium Bottrop am 27.05.2008

Workshop zum Thema “Selbstschädigung und Selbstverletzung”, Pädagogischer Tag Joseph Albers Gymnasium Bottrop, 19.02.2008 (Das Fallmaterial wurde aus Gründen des Identitätsschutzes entfernt). Die verwendeten Bilder sind mit der Adresse der Quelle versehen, soweit die Quelle bekannt war. Sollte eine Copyrightverletzung vorliegen, bitte ich um Hinweis, die ensprechenden Bilder werden dann sofort entfernt. ACHTUNG! Enthält Bilder von Verletzungen!

Workshop zum Thema Selbstschädigung und Selbstverletzung am Berufskolleg Gelsenkirchen am 10.09.2008

Textauszug – Christian Droßmann: Innenansichten einer Großstadthauptschule. Perspektiven aus dem Projekt “Krisenhafte Schülerbiographien”, erschienen in: Helsper, Werner/Schwarz, Thomas/Hillbrand, Christian: Schule und Bildung im Wandel. Anthologie historischer und aktueller Perspektiven, Wiesbaden (VS Verlag) 2009, S. 435-447

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Von Gesellen und Meistern

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Ist das schön! Man sieht sie nun endlich auch in freier Wildbahn! Die Bachelors! Und ich meine jetzt keinen MTV-Star mit “idiot haircut”, sondern die neue, aufstrebende Riege der Nachwuchswissenschaftler, die sich jetzt eines international anerkannten Abschlusses erfreuen dürfen. Gerade vor einigen Wochen hatte ich das Vergnügen, eine Vertreterin dieser seltenen neuen Spezies in ihrem natürlichen Habitat erleben zu dürfen. Eine B. Sc. der Psychologie. Die Farbe auf den Namensschild an ihrem Kittel war noch nicht ganz trocken…sie war auch ein wenig jünger als ich…so knapp zehn Jahre…aber es ist ja schön zu sehen, dass jungen Menschen im harten Alltag der Industrie für anerkannten Wahnsinn eine Chance gegeben wird…auch wenn es mich etwas ins Grübeln bringt…in der guten alten Zeit, als die Stadt Essen noch eine Universität Gesamthochschule hatte, kam auch die Forderung auf, wir müssten auch Bätschla und Maasta umstellen…haben wir dann auch gemacht….das Grundstudium des ehemaligen Diplomstudienganges wurde zum Bätschla…das Hauptstudium zum Maasta…hat ganze dreißig Minuten gedauert, mit Ctrl-F die Wörter in den Studienordnungen auszutauschen…und dann ging die frisch zwangsfusionierte geborene Universität Duisburg-Essen mit dem Segen des Diktators Gründungsrektors einer strahlenden Zukunft entgegen…zumindest die Teile, die nicht geschlossen werden…Opfer der neuen Lehramtsausbildung wurden unter anderem die Fachbereiche Erziehungswissenschaft(!) und das Zentrum für Hochschuldidaktik(!!)…

Meine Irritation rührt aus folgendem Umstand: Der Wisch, den ich für meine Unterlagen als Zusatzqualifikation erworben habe, bescheinigt mir die Fähigkeit zum Zwecke der akuten Krisenintervention solange therapeutisch tätig zu sein, bis ich den oder die Jugendliche(n) in die Hände eines approbierten Mediziners oder eines ausgebildeten klinischen Psychologen gebe…mehr darf ich nicht…und das auch nur unter Supervision…zum Beispiel von einem Bachelor der klinischen Psychologie, der für seinen Abschluss weniger Scheine braucht, als ich für Vordiplom und Zusatzquali…aber ich bin ja zum Glück nach der Übergabe von jeder Verantwortung entbunden…ich bin ja kein Arzt und kein Psychologe…;-)

cd

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Hier einige ältere Materialien zu diversen Themen. Letzte Aktualisierung: 12.04.2010

Suchtprävention bei Jugendlichen und Jungen Erwachsenen. Vortrag beim Kreuzbund Essen am 17.06.2006

Christian Droßmann – Vom Groschenroman zu den Killerspielen – Vorlesung an der Universität Duisburg-Essen am 12.12.2006

Elektronische Kommunikationsformen Jugendlicher – Vortrag für den Förderverein des Joseph Albers Gymnasium Bottrop am 27.05.2008

Workshop zum Thema “Selbstschädigung und Selbstverletzung”, Pädagogischer Tag Joseph Albers Gymnasium Bottrop, 19.02.2008 (Das Fallmaterial wurde aus Gründen des Identitätsschutzes entfernt). Die verwendeten Bilder sind mit der Adresse der Quelle versehen, soweit die Quelle bekannt war. Sollte eine Copyrightverletzung vorliegen, bitte ich um Hinweis, die ensprechenden Bilder werden dann sofort entfernt. ACHTUNG! Enthält Bilder von Verletzungen!

Workshop zum Thema Selbstschädigung und Selbstverletzung am Berufskolleg Gelsenkirchen am 10.09.2008

Textauszug – Christian Droßmann: Innenansichten einer Großstadthauptschule. Perspektiven aus dem Projekt “Krisenhafte Schülerbiographien”, erschienen in: Helsper, Werner/Schwarz, Thomas/Hillbrand, Christian: Schule und Bildung im Wandel. Anthologie historischer und aktueller Perspektiven, Wiesbaden (VS Verlag) 2009, S. 435-447

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Junge Muslime als Vorbild für Integration

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Im Kontext der Debatte um Türkische Gymnasien in Deutschland will ich hier eine Aktion nicht unerwähnt lassen, auch wenn sie aus dem SchulSpiegel stammt…

Eine Gruppe liberaler junger Muslime geht in Schulen, um muslimische Kinder und Jugendliche dazu zu bewegen, starre Leitlinien ihrer Kultur kritisch zu hinterfragen, z.B. die Tatsache, dass nur wenigen muslimischen Mädchen erlaubt wird, an einer Klassenfahrt teilzunehmen oder mit einem Jungen ins Kino zu gehen:

SchulSpiegel: Junge Muslime. Echte Helden gegen falsche Ehre.

Das erscheint mir dialogfähiger und fruchtbarer als jede politische Debatte von oben…

cd

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Sonderausschuss “Konsequenzen aus dem Amoklauf von Winnenden” legt Abschlussbericht vor

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Vorab: Es handelt sich nicht um den Untersuchungsbericht der Tatumstände und des Tatherganges in Winnenden, sondern lediglich um die Empfehlungen zur Prävention weiterer Taten analog zum Bericht des Expertenkreis Amok.

Die Bereiche des Ausschusses deckten die folgenden Themen ab:

1. Gewaltprävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
2. Zugang zu Waffen
3. Gewaltdarstellung in Medien, u. a. in Computerspielen
4. Sicherheitsmaßnahmen an Schulen
5. Stärkung des Erziehungsauftrags der Eltern

Es seien “tief greifende Präventionsmaßnahmen” erforderlich, damit “Amokläufe weniger warscheinlich” werden.

Ausführlich in der Pressemitteilung des Landtages von Baden-Württemberg

cd

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Zum Jahrestag von Winnenden: Killerspiele, Panikmache, Verschwörungstheorien, Trittbrettfahrer

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Bald ist es soweit, die Tat von Tim Kretschmer in Winnenden jährt sich am 11. März. Schon geistern im Netz die üblichen Beiträge herum und das Thema ist wieder aktuell. In loser Folge einige Sachen, über die ich gestern und heute gestolpert bin:

1. Trittbrettfahrer des Suchbegriffs

Die Firma Golden Section Graphics erstellte damals eine Grafik zum Tathergang des Amoklaufes. Am 4. März schreibt sie in ihrem Blog:

“Wir hatten seinerzeit eine Infografik über den Hergang der Geschehnisse erstellt und bieten diese Grafik jetzt natürlich wieder zum Nachdruck an.”

Geschäftstüchtig die Jungs…

2. Verschwörungstheorien und die üblichen Verdächtigen

Am 3. März erscheint bei Europnews ein Artikel unter dem Titel “Rätsel Winnenden: Fragen werden nicht beantwortet.”

In Bezugnahme auf ein Flugblatt einer Bürgerinitiative zur Aufklärung der Tat von Winnenden werden dort analog zum Fall Erfurt mehr oder weniger unsinnige, verschwörungstheoriehafte Fragen aufgeworfen. Eric T. Langer ist natürlich auch wieder mit von der Partie.

U.a. wird behauptet, es gebe keine Beweise dafür, dass die Waffe von Tim Kretschmers Vater tatsächlich die Tatwaffe gewesen sei. Auch habe niemand Kretschmer als Täter identifiziert. Sicher? Dazu z.B. das Interview mit Igor Wolf, der von Kretschmer für die Flucht mit seinem Auto entführt wurde.

Noch hanebüchener ist folgende Frage:
2. Warum wird darüber hinweg geschwiegen, dass die Polizei den/die Täter nicht verfolgte oder beschoss, weder in der ARS noch in Wendlingen, als Igor Wolf als “Kidnapping-Opfer” auf einen Streifenwagen zu rannte?

Sicher…klar…es ist absolut konform mit den Dienstanweisungen der Polizei, bei vermeitlichem Täterkontakt Cobra11-mäßig loszuballern…

Leute, wartet doch den offiziellen Bericht ab…dann wirds auch die geforderten Obduktionsberichte geben…

3. Killerspiele sind an allem Schuld

Auch dieses Argument wird wieder aufgewärmt…
Stigma Videospiele zitiert am 3. März Innenminister Heribert Rech von der CDU:
“Killerspiele halte ich für abartig und gefährlich. Da sollten wir mit einem Verbot Ernst machen.”

4. Panikmache von engagierten Experten

Als letztes Fundstück das Winnenden-Blog von Dipl. Psych. Dr. Horst Siewert. Dieser ist für mich zu einer Spezies zuzurechnen, die ich ganz gerne als “Berufsaufgeregte” bezeichne. In diesem Fall ist wohl auch etwas Schlüsselwortopportunismus im Spiel.

Das dramatische Bild im Header kündigt groß “Erfahrungen, Folgen und wissenschaftliche Aussagen zum Thema Amok” an…der erste Eintrag vom 23. März 2009 kündigt groß das neue Blog an, Winnenden sei ja nur “30 Minuten” weg und Bilder würden folgen…dann nichts mehr.
Erst am 4. März 2010 dann -pünktlich um am Jahrestag von Google indexiert und auffindbar zu sein- wieder ein Eintrag mit dem Titel “Amokprognosen”. Der Ton entspricht wenig der versprochenen Wissenschaftlichkeit und stellt eher die übliche Panikmache auf Spiegel- und STERN-Niveau dar.

Siewert behauptet -ohne jegliche Belege-: “die Anzahl der Fälle wächst kontinuierlich und gewaltbereite Jugendliche nehmen die in Deutschland weitgehend ungeschützten und offenen Schulen ins Visier.”

Es folgt Lamento, wie viele Schüler Amokphantasien haben und in Behandlung seien, sie brächten “Messer und Macheten in Tötungsabsichten mit” und “Nach den vorliegenden Hochrechnungen können wir davon ausgehen, dass es eine hohe Dunkelziffer von jungen Menschen gibt, die mit dem Gedanken an Amok spielen.” Und wo liegen diese Hochrechnungen bitte vor?

Auweh…nach diesen hochwissenschaftlichen Erkenntnissen gehe ich ab Montag nur noch mit Stahlhelm und Schutzweste unterrichten…

Grandios, freuen wir uns auf mehr lustige Nachrichten in Bälde…

cd

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Wird Deutschland immer psychotischer?

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Es ist schon öfter darauf verwiesen worden, darum nur kurz:

Die Jungen Medien Hamburg haben heute folgenden Artikel veröffentlicht: Immer mehr Selbstmorde und Amokläufe in Deutschland

Der recht knappe Artikel sammelt im Grunde nur ein paar Links über Amok und Suizide zusammen. Lustig ist, dass zwar erst reißerisch betitelt wird, ein paar Zeilen später aber sagen sie, es gäbe keine konkreten statistischen Daten aus Deutschland und bieten stattdessen welche aus Frankreich und einen Link zu einer Pro7-Doku an..;-)
Nuja, hauptsache Leser mit der Titelzeile ködern…
Der Verweis auf die Suizidrate in der Depression nach 1918 ist zwar löblich, aber sicher nicht völlig auf heute übertragbar…dass im Zuge der Wirtschaftskrise die Suizidrate hochgehen wird ist keine Erkenntnis, für die man viel Psychologie studiert haben muss.
Komplettiert wird das ganze mit einem Verweis auf einen älteren Artikel der JMH zum Thema “Medien und Amok”, bezogen auf Emsdetten.

Lichtblick ist der Verweis auf den einzigen halbwegs wissenschaftlichen Text, den ich hier auch nochmal verlinken möchte:

Deutsches Ärzteblatt (31.03.2006): Psychische und Verhaltensstörungen – Die Epidemie des 21. Jahrhunderts?

Zwar würde ich analog zur Kriminalitätsstatistik nicht unbedingt behaupten, dass sich die Fälle häufen…es kann ja auch sein, dass die Kranken nun mehr auffallen ;)

cd

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Warum Schulpsychologen nicht gegen Amoklauf helfen

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Ok, die Tat am Carolinum in Ansbach ist nun einen Tag her, schon kommen die Patentrezepte. Bereits im Kontext von Erfurt, Winnenden etc. wurde der Ruf nach mehr Schulpsychologen und Sozialarbeitern an Schulen immer lauter.
Der STERN titelt heute beispielsweise “Polizeigewerkschaft zum Amoklauf: Deutschlands Schulen sind nicht sicher!” und finanznachrichten.de berichtet unter Berufung auf die Rheinische Post gar, die NRW Schulministerin Barbara Sommer wolle “nach Amoklauf 1000 neue Schulpsychologen”.

In den Jahren in der Schulforschung habe ich dazu recht einschläigige Erfahrungen gemacht und halte bis heute die Annahme, Schulpsychologen und Sozialarbeiter an Schulen könnten Amokläufe verhindern, für nicht haltbar. Gleichzeitig denke ich auch, wird eine flächendeckende Ausstattung aus finanziellen Gründen nie passieren.
Warum funktioniert das ganze nicht? Ein paar Erfahrungen dazu:

1. Schulpsychologen und Sozialarbeiter, die direkt vor Ort ein Büro haben sind automatisch mit dem System Schule assoziiert. Generell schuloppositionelle Schüler werden diese nicht freiwillig, sondern nur unter Zwang aufsuchen. Psychologen und Sozialarbeiter können zwar schweigen, aber nicht zu jedem Sachverhalt. In strafrechtlich relevanten Dingen müssen sie die Schulleitung informieren, die dann entscheidet, ob die Sache an die Polizei geht. Das ist den Schülern bekannt, also werden sie die in diesem Kontext wirklich interessanten Dinge nicht erzählen, selbst die Fünftklässler haben den Bogen der Desinformation recht gut raus und wissen auch um ihre Strafunmündigkeit.

2. Dieser Umstand führt dazu, dass man letztendlich als Strafinstanz endet. Ich habe an einer Schule die Supervisionsgruppe eines Betreuungsteams geleitet und in dem Rahmen versucht, ein Counsellingkonzept zu etablieren, dessen Grundsatz die Freiwilligkeit seitens der Schüler ist.
Am ersten Tag des Versuchs, ich bin noch gar nicht in meinem Büro, höre ich bereits über die Schulsprechanlage (die in allen Klassenräumen zu hören war!) nur, wie die Schulleitung einen Schüler namentlich ausruft und ihm befiehlt, sofort in mein Büro zu gehen….so viel zum Thema Freiwilligkeit…
Der örtliche Sozialarbeiter war nur die halbe Woche vor Ort, eine volle Stelle wäre nicht finanziert worden…somit war ich sofort die Anlaufstelle für alle zu sanktionierenden Schüler…Privatgespräche? Vertrauensaufbau? Nix…ich war sofort der “zweite Sozialprediger”…nach zwei Monaten gab ich den Versuch auf…vor Ort ist ein echtes Vertrauensverhältnis nicht zu etablieren…das Kollegium war ohnehin skeptisch, statt eines Sozialarbeiters sollte lieber noch eine weitere Lehrkraft angestellt werden und ich als “Anwalt der Schüler” sei ohnehin überflüssig…nunja…
Unnötig zu erwähnen, dass Schulen oberhalb der Hauptschule größtenteils statt Prä- oder Intervention die deutlich einfachere Entsorgungspolitik fahren…”Sowas kann man über die Note regeln.”…

3. “Amokläufer” sind tendenziell sehr lange unauffällig…Steinhäuser, Kretschmer, Georg R. – sie alle werden als ruhig und mehr oder weniger isoliert beschrieben. Solche Schüler fallen im Regelbetrieb nicht auf…zu den Sozialarbeitern und ins Schulleiterbüro werden die geschickt, die durch Stören, Gewalt und andere “laute” Dinge auffällig werden…an Schulen mit einem höheren Anteil so auffälliger Schüler, gerade in den von uns beobachteten “sozialen Brennpunkten” sind Lehrer und Sozialarbeiter froh, wenn ein Schüler einfach nur ruhig ist. In einer Unterrichtsstunde von 45 Minuten, in der man über die Hälfte der Zeit mit dem Disziplinieren der Schüler beschäftigt ist, ist dies auch nicht zu leisten…ich kenne ja beide Seiten..
Isoliert sich ein Schüler, ist das halt so…hauptsache er macht keinen Ärger und kommt halbwegs regelmäßig zum Unterricht, schreibt seine Arbeiten und bekommt irgendwann seinen Abschluss…vertrauen sich diese Schüler nicht freiwillig einem Sozialarbeiter oder Schulpsychologen an, kennt man sie oft nicht einmal…es sitzen ja noch über 30 andere in der Klasse..

4. Eltern sind nahezu grundsätzlich für auffälliges Verhalten ihrer Kinder völlig blind…die Kinder waren ja schliesslich “schon immer so” und auch den Eltern ist ein Kind, das kaum redet und lieber still in seinem Zimmer ist, eigentlich ganz recht, vor allem, wenn beide berufstätig sind…spricht man die Eltern auf soetwas an, hört man nur, man habe “keine Ahnung” oder “wir kennen unseren Sohn besser als sie” oder “Reden Sie uns nicht in unsere Erziehung rein…”..faktisch ist es eigentlich so, dass man die Eltern, die man eigentlich nicht sehen will, permanent bei sich sitzen hat und man sich nur wünscht, sie würden das Mädchen oder den Jungen mit ihren Leistungsansprüchen mal fünf Minuten in Ruhe lassen…und die Eltern, die man dringend zu einem Gespräch bittet, kommen entweder nicht oder zeigen ebendieses Verhalten…der schönste Satz in dieser Zeit: “Hätte die Schule nur solche Schüler wie unsere Tochter, dann hätte die Schule keine Probleme.”
Solange die Eltern immer am besten wissen, was gut für ihr Kind ist, ist man da chancenlos…baut man Druck auf, ist man sowieso böse und die Eltern unterstützen das Kind noch in seiner schuloppositionellen Haltung…
Greift man dann an den Eltern vorbei ein, sollte man auf richtig festem Boden stehen…der vermutete Drogenkonsum eines Jungen, der ständig träge und lustlos war, stellte sich erst nach dem Gespräch über Drogentests als Symptom eines Herzfehlers heraus…ups…war ein Heidenspass…
Danach überlegt man sich zweimal, ob man sich nochmals derart in die Nesseln setzen möchte.

5. Je höher das Ansehen einer Schule, desto geringer die Bereitschaft, einen Sozialarbeiter oder Schulpsychologen anzustellen. Es ist schlichtweg falsch, dass das nicht ginge..man verliert halt nur eine Lehrerstelle dafür oder hat einen Kollegen mit Zusatzqualifikation, dem man für die schulpsychologische Arbeit Stunden anrechnen muss, die dieser nicht im Unterricht steht..
Je elitärer jedoch das Gymnasium, umso mehr heißt es “das brauchen wir hier nicht”…die Angst ist zu groß, dass man durch die Anwesenheit eines Sozialarbeiters nach aussen hin zeigt, man würde auch einen brauchen. Über das Ansehen von Sozialpädagogen in höheren Gesellschaftsschichten (sorry, das heisst ja jetzt “Milieu”..oder doch “Kaste” ?) muss ich mich denke ich nicht auslassen…und wirklich auffällige Schüler schmeisst man von der Schule…Problem gelöst..

6. Alles was ausserhalb des Unterrichts passiert, fällt auch nur in den wenigsten Fällen auf…wird ein Schüler auf dem Schulweg und/oder in der Freizeit gemobbt, verprügelt, abgezogen, ausgegrenzt etc. merkt man als Lehrer davon nichts in einer Masse von mehreren hundert Schülern…vertrauen diese Kinder aus Scham oder Angst sich weder Eltern noch Lehrern an, haben auch diese keine Chance…Sozialarbeiter helfen dagegen nicht, da die fraglichen Schüler wie oben erwähnt, deren Einflussbereich sehr genau kennen..erst wenn Verletzungen auftreten, wird reagiert, aber meist auch wieder abgewiegelt…

Das nur als kurzer Abriss…was also als Fazit bleibt ist:

1. Ist Schule negativ konnotiert, sind es auch ihre Angestellten…nicht reparieren, wenn es den Schülern schon schlecht geht, sondern an einer Aufwertung des Bildes von Schule arbeiten..mein Appell bleibt: Behandelt Eure Schüler so, dass sie Euch nicht erschiessen wollen…
Gerade an Gymnasien existiert in den Köpfen von Lehrern und Eltern ein nicht mehr zeitgemäßes Bild der absoluten Autorität, die aber an keiner Stelle durch Vorbildfunktion legitimiert wird..
An der Abgrenzung der Schichten untereinander wird aber keine Politik der Welt etwas ändern können…

2. Bessere Ausbildung für die Primarstufe…heutige GrundschullehrerInnen besitzen wenig bis gar keine diagnostische und andere psychologische Kompetenz, sind schon an der Uni bei Professoren und Studierenden als “Kindergärtnerinnen” unbeliebt, handlungspraktische Dinge werden nicht gelehrt, denn “dann können wir hier ja gleich eine PH draus machen” usw…aber nur in dieser Altersklasse ist noch pädagogisch und therapeutisch gegenzulenken…im Altersbereich der Sekundarstufen sind pathologische Muster bereits so eingefahren, dass von Prävention keine Rede mehr sein kann…
Die Bilanz unserer Studie war: Die Muster sind eingebrannt…mit viel Mühe und intensiver Betreuung kann kurzfristig Besserung erzielt werden, lässt man die Schüler dann jedoch wieder von der Leine, verfallen sie innerhalb kürzester Zeit wieder in die alten Strukturen…nichts ist so angenehm wie das Bekannte…die nötige Intensivbetreuung über lange Zeit ist nicht finanzier- und realisierbar..

Das ersmal mein Gedankenstrom dazu…mehr vielleicht später..

cd

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Zweijähriger ist Kettenraucher

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Eine Dame, die sich „Lady Undertaker“ nennt und eines der grammatisch wie inhaltlich bizarrsten Blogs der Erde unterhält („Blog von Leichenbestatterin“ schreibt in einem Eintrag über einen zweijährigen Jungen aus China, dessen Vater ihm Zigaretten als Medizin gegen seine Leistenbruchschmerzen gab und der nun eine Schachtel am Tag raucht...

Eine Quellenangabe gibt es nicht…ob die Story stimmt, habe ich noch nicht überprüft…aber das gesamte Blog ist..interessant…

cd

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