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Tim Kretschmer unschuldig? Kommentar zur Analyse der “Group UAW” Teil 2

Montag, 8. März 2010

Ok, weiter mit dem Kommentar.

Weitere Belege dafür, dass Tim Kretschmer nicht der Täter von Winnenden gewesen sein kann sind u.a. folgende:

2. Ein “schwarzer Kampfanzug /-uniform” sei “typisch für Spezialkräfte der Polizei, aber nicht für 17-jährige. (S.4)

Ja, genauso wie das wilde um-sich-Schießen, dennoch passiert es. Auf der einen Seite also ist für die Autoren sicher dass “niemand erzählen kann”, dass die Schüler nach dem ersten Schuss “ruhig sitzen geblieben” (S. 22), sondern “in Aufregung” bzw. “in Bewegung/Aufruhr” (S. 15) waren, gleichzeitig aber wird als sicher angenommen, dass die in dieser Aufregung wahrgenommene schwarze Kleidung eine “Kampfuniform” gewesen sein muss.

3. Igor Wolf – ist er nun glaubwürdig, oder nicht?

Auf der einen Seite wird “Fluchtwagenfahrer” Igor Wolf recht früh im Bericht als “Lügner” (S. 6) bezeichnet, seine Aussagen bezüglich der Fahrt seien “ausgesprochen unglaubwürdig” (S. 37), das Interview “wenig glaubwürdig” (s. 48) gleichzeitig wird aber seine Aussage, Kretschmer habe die Waffe in der rechten Hand gehalten zum zentralen Dreh- und Angelpunkt, wenn es um den “Beweis” geht, dass das letzte Video des Täters eine Fälschung sei. (z.B. S. 7)…

Leute, entweder eine Quelle ist unglaubwürdig und/oder steckt mit den Hintermännern unter einer Decke, dann heißt das aber auch, alle Aussagen sind nicht verwertbar, oder aber ich glaube dem Mann, dann sind aber auch alle Aussagen gleichwertig…nur das rauspicken, was die eigene Argumentation stützt, gilt nicht ;-)

3. Der Tatort wurde “nachbearbeitet”, die Position der Leiche im Video stimmt nicht mit den Markierungen überein

Ein Amokläufer, der kampfunfähig ist, ist keine Bedrohung mehr. Ist er verletzt, hat er das Recht auf medizinische Hilfe. Ein Laie darf den Tod eines Menschen nicht feststellen, der Täter ist erst dann tot, wenn ein Arzt dies offiziell bestätigt. Vorher müssen sämtliche indizierten Rettungsmaßnahmen durchexerziert werden. Dafür wird man Kretschmer auf den Rücken gelegt haben. Diese plausible Möglichkeit wird von den Autoren nicht in Betracht gezogen, würde aber erklären, warum die Umrisse um die Leiche nicht der Position des gefallenen Täters im Video entsprechen. Ob die Leiche “sehr weit” (S. 107) bewegt wurde, wird nicht mehr zu klären sein…
Ein Kopfschuss kann, muss aber nicht stark bluten, wenn die Kugel sofort tödlich wirkt und der Kreislauf schlagartig zum Erliegen kommt und wenn es gleichzeitig aufgrund von Kaliber und Laborierung nicht zu einer Zerlegung des Schädels kommt. In Fällen von 9mm Para kann es auch zu einer leichten Sickerblutung kommen, die wenig Spuren hinterläßt. (Bildbeispiel einer geringen Sickerblutung nach aufgesetztem(!) Schuss in die Schläfe – Vorsicht unschön!-)

Die neuen Markierungen müssen nicht notwendig Beweis einer “Nachbearbeitung” des Tatortes sein. Ein späterer Ortstermin der Untersuchungskommission ist wahrscheinlicher und wird vielleicht im noch zu erwartenden Bericht erwähnt werden.

Soviel erstmal als Teil 2

cd

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Tim Kretschmer unschuldig? Kommentar zur Analyse der “Group UAW”

Montag, 8. März 2010

Ich habe mich nun eine Weile mit dem in “Winnenden – Neue Verschwörungstheorie” erwähnten “Unschuldsbeweis” und dem Forum beschäftigt. Nun mein Kommentar dazu. Ich versuche, wissenschaftlich zu bleiben und Polemik zu unterdrücken.

Es ist eigentlich sehr schade, dass die Argumentationslinie im Text derart aufklärerisch und reißerisch formuliert ist, denn das verwendete Material ist durchaus interessant und manches in der Form (wie z.B. das eigens angefertigte Bildmaterial) so noch nicht dagewesen. Der Text verliert einerseits durch seine Form, andererseits aber leider auch durch grobe methodische Fehler, die mich an der Beteiligung wissenschaftlich ausgebildeter Autoren zweifeln lassen.

Ich bleibe bei meiner Bezeichnung “Verschwörungstheorie”. Bereits das Forum verweist auf eine “Einführung in den Staatsterrorismus”. Dort werden unter Verweis auf Seiten wie “Operation Falsche Flagge” die gängigen Verschwörungstheorien zum 11. September, dem Bombenanschlag auf Bali 2002 usw. erwähnt. Insofern ist also die Verortung der Urheber und ihre Argumentationslinie bereits im Vorfeld klar und der Text überrascht deshalb auch nicht weiter. In Analogie zur Theorie mehrerer Täter im Fall Robert Steinhäuser versucht auch der Bericht der Group UAW zu belegen, dass Tim Kretschmer nicht Täter sein kann und nur “als Sündenbock missbraucht” (S. 2) wurde. Diese These selbst wird wie üblich nicht kritisch hinterfragt, sondern als gegeben angenommen. Belege oder nur Hinweise auf konkrete “Drahtzieher”, die über “den Staat”, “die Polizei”, “die Medien” und ähnlich diffuse Aussagen hinausgehen, fehlen völlig. Somit ist hier bereits für mich der Charakter einer Verschwörungstheorie erfüllt.

Argumentatives Problem ist hier, dass derart aufgebaute Theorien mit ebendieser Prämisse stehen und fallen. Glaubt man an die dunklen Hintermänner im Staate, so macht die Argumentation Sinn und der Fall Kretschmer ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Negiert man allerdings die Prämisse, bricht die Argumentation vollständig ein und hinter jeder Aussage bleibt ein “Mit welchem Ziel sollte jemand soetwas inszenieren?” stehen.

Neben diesem Kernproblem fallen mir weitere Dinge auf, die in der angekündigten neuen Version des Textes nach Erscheinen des offiziellen Abschlussberichtes, der für Ende März 2010 angekündigt ist, eventuell zu klären wären:

1. Wie Robert Steinhäuser in Erfurt ging auch Tim Kretschmer zügig und (meist) sehr treffsicher vor. Dies allein bewegt die Autoren zu der Aussage, es kann sich nicht um Tim Kretschmer, sondern nur um einen “ausgebildeten Profischützen” (S. 147) gehandelt haben. Als Gründe werden die angebliche schwierige Handhabbarkeit der Beretta 92FS, die einen “Rechtsdrall” habe und die Tatsache, dass Kretschmer “einmal” mit der Waffe trainiert habe als hinreichend angeführt.

Kommentar dazu: Dass die gute alte Beretta schwierig zu handhaben sei, wäre mir neu. Wäre sie tatsächlich auf relativ kurze Kampfentfernung wie die laut Bericht zu Testzwecken geschossenen 20 Meter derart ungenau, hätte sie die US-Armee niemals als Standardwaffe in großer Stückzahl bestellt. Die Verwendete Waffe war entweder nicht in Ordnung, oder auf eine andere Zielentfernung eingeschossen.
Die Definition von “Rechtsdrall” ist außerdem kompletter Blödsinn. Rechtsdrall bedeutet, dass die Züge im Lauf, die das Projektil nach dem Abfeuern um die Längsachse rotieren lassen (ihm den “Drall” geben) rechtsherum laufen. Das führt zwar tatsächlich zu einem (marginalen!) aus-dem-Ziel-Wandern in die entsprechende Richtung, was aber durch das Einschiessen der Waffe auf Standardentfernung durch entsprechende Einstellungen an der Visierung ausgeglichen wird. Schießt die Waffe ab Werk nicht fleck, ist die Visierung nicht ok. Schwierigkeiten bekommt ein Schütze, je flacher die Visierlinie ist. Die Beretta hat aber recht große Kimme und Korn, was leichte Ungenauigkeiten verzeiht.

Interessant ist hier auch, dass die Autoren zwar fast durch die Bank Medien- und Polizeiberichte (auch wenn sie selbst zugeben, die Originalakten nicht zugänglich gehabt zu haben, was aufgrund des immer noch laufenden Verfahrens auch nicht ohne weiteres möglich ist, es sei denn, man hätte tatsächlich einen “Offiziellen” im Boot…) verreißen, aber an argumentationstaktisch wichtigen Stellen wie hier, diesen blind glauben (müssen). Die Aussage des Vaters (ich vermute, darauf bezieht sich der Bericht), er habe Tim nur einmal auf den Schießstand mitgenommen und ihn nur einmal mit der Tatwaffe schießen lassen, kann -z.B. aus Furcht vor entsprechenden Medienreaktionen oder rechtlicher Konsequenzen- genauso gelogen gewesen sein. (EDIT: Das Protokoll des Schützenvereins belegt lediglich, dass Tim nur einmal AUF DIESEM Schießstand trainiert hat) Tim Kretschmer kann somit auch mehrfach mit der Waffe trainiert und sich den Ausgleich ihrer ballistischen Eigenheiten angeeignet haben. Generell hängt die Treffergenauigkeit auch deutlich vom “Talent”, also einer guten Hand-Auge-Koordination ab. Ich habe bei der Bundeswehr Leute gesehen, die mit den ersten Schüssen ihres Lebens mehrere Zehner geschossen haben, während andere erst nach 10 leeren Magazinen die Scheibe kratzten. Auch kompensiert man recht schnell eine Waffe, die nicht fleck schießt. Dazu reichen ein bis zwei Magazine, dann ist das “drin”. Beim Feuern auf große Ziele wie Menschen ist so eine Abweichung ohnehin unerheblich, da man die Trefferwirkung auch mit ungenauen Treffern erzielt und nicht einen winzigen Zehnerkreis erwischen muss…
Deswegen erfordert es auch keine “jahrelange Übung” (S. 21), um einen Menschen auch einhändig schießend und mit der “falschen” Hand zu treffen…Stichwort: “Deutschießen”

So, was essen und dann weiter…

cd

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Winnenden – neue Verschwörungstheorie

Montag, 8. März 2010

Gestern bekomme ich einen Kommentar zum Artikel “Zum Jahrestag von Winnenden: Killerspiele, Panikmache, Verschwörungstheorien, Trittbrettfahrer” von einer Dame, die sich nur “Himbeere” nennt.

Sie lädt mich dort auf ihre Homepage “Winnenden – ein Amoklauf?” und in ihr Forum “Winnenden/Wendlingen – ein Amoklauf?” ein.

Sie verweist auf einen 168-seitigen Bericht, der die Unschuld Tim Kretschmers bzw. die Unmöglichtkeit, dass er der Täter gewesen sein kann, beweisen soll. Dieser sei laut Homepage  “von einer Gruppe aus Personen u.a. auch Fachleuten aus dem Polizeiwesen und Juristen erarbeitet”, auf die leider im Bericht nur als kollektives “wir” bzw. als “Group UAW”, nicht aber namentlich eingegangen wird.

Auch findet sich dort ein Hinweis auf die Informationsveranstaltung am 30.03.2010 in Sulzbach.

Ich führe mir den Bericht nach den ersten Seiten nur mit großer Skepsis zu Gemüte, zieh es aber erstmal durch..

cd

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Israelischer Soldat verrät Militäroperation auf Facebook

Freitag, 5. März 2010

Hat nichts mit Pädagogik zu tun, ist aber so irre, dass es in die Rubrik “Wahnsinn” passt:

dnews.de berichtet, dass das israelische Militär eine Operation hat absagen müssen, weil einer der Soldaten diese in einer Statusmeldung in seinem Facebook-Profil erwähnte, er ginge am Mittwoch “Qatanna aufräumen”…wenn das keine Ente ist, ist es echt eine völlig irrsinnige Nummer…

DNews: Soldat kündigt Militäroperation auf Facebook an

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Sadomasochistische Enten – Suchanfrage

Freitag, 26. Februar 2010

Zwischendurch sind in den Statistiken immer mal wieder WTF?-Momente drin….

Heute z.B. schaue ich in die Liste der populärsten Suchanfragen, die zu meinem Blog führten und was sehe ich da auf Platz 19(!)?

“ente bdsm bilder”

Ääähh…ok…Zeit für eine SEO-Session…

cd

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Abmahn-Anwalt von Gravenreuth tot – Selbstmord

Dienstag, 23. Februar 2010

Der Heise-Ticker schreibt es: Rechtsanwalt von Gravenreuth tot

Eine Nachricht, die einerseits nachdenklich, andererseits in alten Mailbox-Hasen wie mir ein komisches Gefühl von “na endlich” hinterlässt…ein Spannungsfeld zwischen “geschieht ihm Recht” und der Tatsache, dass auch von Gravenreuth ein Mensch war…

Insider der früheren Mailbox-Szene kennen ihn durch vielerlei Aktionen, z.B. unter falschem Namen in Computerzeritschriften und Mailboxnetzen Software “zum Tausch” (=Raubkopieren) anzubieten und jeden, der darauf einging, kostenpflichtig abzumahnen.

Einmal montierten Mailboxaktivisten das Schild seiner Kanzlei ab und ließen es dann als Wanderpokal für die schönste Aktion gegen die Kanzlei von Gravenreuth herumgehen.

Eventuell nicht vollständig neutrale Details findet man z.B. in seinem Wikipedia-Eintrag.

Für diverse weitere Abmahnaktionen und Untreue drohten ihm zuletzt Haft ohne Bewährung und der Lizenzentzug, was auch als Suizidgrund vermutet wird.

Die Hass-Ikone der Mailboxnetze…nun lasst ihn in Ruhe…

cd

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Jürgen Habermas twittert nicht!

Montag, 1. Februar 2010

Ups…diesmal hab ich auch ne Ente verbreitet…ich hatte ja vor kurzem geschrieben, dass Jürgen Habermas twittert…ich sollte mehr auf mein Bauchgefühl hören und nicht auf große Blogs ;-)

Die Zeit schreibt es heute:

Jürgen Habermas twittert (nicht) « Kulturkampf.

Ok, dafür zwei Wochen lang keine bissigen Kommentare über schlecht recherchierte Artikel…

cd

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Flugzeugabsturz live bei Twitter – Der Mann hat Nerven!

Sonntag, 31. Januar 2010

OK, der Mann stand entweder unter massivem Schock oder hat Eier wie Wassermelonen. Mike Wilson war Teil einer mittleren Flugzeugkatastrophe in Denver, seine Maschine schlitterte von der Landebahn und ging in Flammen auf…der Durchschnittsmensch würde nun, sofern er das Unglück überlebt hat, seine Zeit mit Schreien, Weinen und Weglaufen verbringen..nicht so dieser Mann..er checkt, ob sein Handy noch funktioniert und fängt an zu twittern: (Seite auf Englisch)

Live Tweeting a Plane Crash [PIC].

Krasser Typ..

cd

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Kolumne: Lehrer sein ist lustig.

Donnerstag, 28. Januar 2010

Gerade sehe ich auf XING in den neuesten Nachrichten eine kleine Eigenwerbung…es geht um einen Herrn namens André Kesper, seineszeichens eigentlich CEO einer schweizer Textschmiede für Marketing, der sich parallel dazu als Lehrer für “Stellvertretungen, Teilpensen, Deutschunterricht und für Unterricht an Sonderschulen” buchen lässt…

Er hat ein neues Blog eröffnet: Lehrer sein ist lustig..

Dort berichtet er über seine Erfahrungen an der Schule…der erste Blogeintrag ist mir direkt sympathisch: “Ich bin Primarlehrer und habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen. Schliesslich habe ich noch einen zweiten Job, und zwar einen richtigen. Lehrer bin ich eigentlich nur nebenbei…”

Ob er den selbstsicheren Untertitel “Die neue Kult-Kolumne aus dem Lehrermilieu” halten wird, wird man sehen…auf jeden Fall Gruß an den Kollegen…

cd

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Theorie gegen Praxis im PaedBlog

Sonntag, 24. Januar 2010

Silvio Ströver verweist in einem Posting in seinem Paedblog auf die Problematik der Kollision zwischen Theorie und Praixis im Studium der Erziehungswissenschaft ein. Die Debatte stammt zwar von 1999, könnte aber wesentlich schärfer noch auf die aktuelle Form des Studiums bezogen werden.

Ich hatte in einem kurzen Diskurs mit ihm die Thematik ebenfalls aufgegriffen..schade, dass die angekündigte Reaktion ebenfalls bis heute ausgeblieben ist…

cd

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