Beiträge mit tag "Gott
Qualitätscontent: Momente, auf die einen kein Lehrbuch vorbereitet
12Ich weiss nicht, warum ich ausgerechnet jetzt darauf komme…ich bin aus mehreren Gründen im Moment schlaflos…das soll hier nichts zur Sache tun, aber mir fallen nun, wo ich hier im verdunkelten Wohnzimmer bei einem Glas Talisker sitze, zwei Situationen ein, die mir als Lehrer passiert sind, auf die einen keine Uni und kein Lehrbuch der Welt vorbereiten kann. Beide haben etwas mit persönlichem Kontakt zu tun. In der einen Geschichte ist es irritierend, in der zweiten auch, aber in der ersten eher negativ, in der zweiten positiv. Es sind beides Begegnungen, die ich in meiner Assistenzzeit an der Annan Academy in Schottland hatte. Ich war eigentlich Fremdsprachenassistent für Deutsch, habe aber auch, weil es mein zweites Fach ist, dort Philosophie unterrichtet:
Begegnung 1: Alle Deutschen hassen Juden
Es war in der Mittagspause. Ich hatte bereits gegessen und war dann in die Schulbibliothek gegangen, um etwas Material für die nächste Philosophiestunde zusammenzusuchen. Ich setze mich zu ein paar meiner Schüler an einen Tisch. Ein Junge fragt mich plötzlich: “Herr Droßmann, ich hoffe, Sie stört meine Frage nicht…aber…hassen sie Juden?
Ich bereitete mich innerlich auf eine kurze Lehrstunde über den Nationalsozialismus vor, als der Junge nachsetze: “Ich hasse sie auch…es sind alles Diebe!”
Der Junge muss so zwischen 13 und 14 Jahren alt gewesen sein…er erzählte mir, wie er mit einigen Freunden nachmittags Jagd auf jüdische Kinder im Dorf machten…er hatte wohl gehofft, in mir als “Kraut” einen Verbündeten getroffen zu haben…er erzählte, was sie so alles zusammen taten, um “es den Juden zu zeigen”, hob sein Hemd hoch und zeigte mir stolz den Abdruck eines Polizeiknüppels, den er von einer Aktion am Wochenende davongetragen hatte…er zeigte ihn mir als Trophäe und war sehr stolz darauf…
Ich war nur irritiert, weil ich auf diese Art des Umganges mit Antisemitismus nicht vorbereitet war…aber die anderen Schüler standen mir zur Seite und machten ihm schnell klar, dass er nicht länger erwünscht sei…es blieb eine lange Irritation in mir…eine wirklich bizarre Begegnung…aufgrund seines Alters habe ich letztlich nichts weiter unternommen…
Begegnung 2: Gleiche Geschichte, anderer Weg…
Es war in einer Philosophiestunde. Ich hatte eine Unterrichtsreihe zu einigen Grundfragen der Philosophie durchgeführt und an diesem Tag stand die provokative Frage “Gibt es einen Gott?” im Raum. Ich ging die einzelnen Grundüberzeugungen der diversen Weltreligionen kurz durch und behandelte auch kurz den Atheismus. Dann kam es zu der Frage, wie die Schüler des Kurses denn nun diese Frage vor de Hintergrund der vielen verschiedenen Meinungen sehen würden. Ein Mädchen aus der zweiten Reihe meldete sich….sie sagte, dass sie sehr fest an Gott glaube…dann begann sie zu erzählen…
Sie erzählte, wie ihr Vater starb…wie er an Gott glaubte und sicher war, dass er in den Himmel komme..und wieviel Halt der Glaube ihr in dieser Zeit gegeben hatte…und dass sie nun fest daran glauben würde, dass es einen Gott gäbe, einen Himmel, in dem es ihrem Vater wieder gut gehe und dass sie am Ende ihren Vater und alle anderen Menschen, die sie liebt, wiedersehen würde..
Ich war so vierundzwanzig Jahre alt…ich konnte diese Situation überhaupt nicht handlen…offensichtlich hatte ich bei meinen Schülern eine Atmosphäre geschaffen, in der derart intime Dinge ausgesprochen werden konnten…auf der einen Seite ein Kompliment an meine Menschenführung…auf der anderen Seite ein emotionaler worst-case, auf den ich nicht vorbereitet war…ich schwieg eine Weile…dann riss ich mich zusammen und erzählte als Kontrapunkt meine Geschichte…wie ich aufhörte, an einen Gott zu glauben, der meinte, meine Eltern töten zu müssen, als ich ein Kind war…vorbei mit akademischem Abstand…Menschlichkeit war gefragt…und ich machte unsere beiden Geschichten zum weiteren Gegenstand der Stunde zur Frage, was Menschen zur Religion führt oder von ihr weg…wir haben noch weit über das Klingeln hinaus diskutiert und keiner der Schüler dachte daran, aufzustehen….eigentlich eine ideale Unterrichtssituation..aber auch hier….bizarr..nicht vorherzusehen…und nichts, auf das man in der Ausbildung vorbereitet wird…
Mit die schönste Zeit meines Lebens war die Zeit in Schottland und neben vielen anderen Erlebnissen sind diese beiden Geschichten etwas, was mir beim Geschmack eines guten Singlemalts unweigerlich wieder ins Gedächtnis gerufen wird…
cd
Geballter Wahnsinn 7 – Von himmlischen Organisationspsychologen und vertikal orientierten Borderlinern
50Oha…ich habe ja schon die eine oder andere abstruse Theorie im Leben gehört und bin auch recht hartgesotten, was Esoteriker angeht…meine härteste Erfahrung bis jetzt war auf einer Tagung zur Borderline-Störung, bei der von Seiten der unvermeidlichen Müslifraktion (spirituelle Lebensberatung, Reiki und der ganze Unsinn) der übliche unwissenschaftliche Bullshit kam…dann stand melde sich ein (promovierter und habilitierter!) psychologischer Psychotherapeut und Analytiker zu Wort…ich dachte, nun geht es endlich zurück zu den Erwachsenen…aber nix…der Typ fing auf einmal an zu erzählen, was für tolle Erfahrungen er bei Borderlinern mit Hilfe der Reinkarnationstherpie (wtf?) gemacht hat…
Heute stolpere ich bei der Recherche für einen Artikel auf die Seite eines Herrn Ralf Maucher. Und der toppt die Nummer noch um einiges.
Auf die Seite gestoßen bin ich über einen Artikel zur Borderline-Störung, Borderline – eine grafische Präzisierung eines unscharfen Begriffs. Eine Grafik im Stile des Kontinuumsmodells von Otto F. Kernberg erwartend, habe ich mir den Artikel mal angeschaut. Als ich im Text dann aber von mehreren Matrizen und dem “vertikal gottverbundenen” Menschen las, wurde ich doch schnell skeptisch…der Artikel “Borderline und Metaebene” schlägt ungefähr in die gleiche Kerbe…welche Matrizen er meint, erklärt er auf seiner “Über mich” Seite…aha…ein Diplompsychologe, der durch “verschiedene Spirituelle Erfahrungen” der exakten Wissenschaft den Rücken gekehrt hat, um die Äthertheorie zu vertreten. Seiner Aussage nach ist er “Mensch, Weiser/Priester und Engel”, das erste auf Matrix 3, das zweite auf Matrix 4 und auf Matrix 5 eben ein Engel…aha…und darauf begründet er seine “Erleuchtungs-Psychologie” und erklärt eben unter anderem die Borderline-Störung als “Festhängen” auf der Matrix 3 (also im dreidimensionalen, nichtspirituellen Raum)…
Vollständig aufgehört mit dem Ernstnehmen habe ich dann beim Artikel “Schlangenmenschen – Schlangen in Menschen“, in dem er im Rückgriff auf eine Bibelstelle den Traum eines Klienten deutet, in dem dieser von einer Schlange gebissen wurde…identifizieren kann ich mich nur mit folgender Stelle:
Für den der nicht erleuchtet ist und der sich auch nicht für Einweihungswege interessiert, sind diese Fragen sicher viel zu spekulativ und er stellt sie sich auch nicht – er wird eher denen, die sie stellen, eine geistige Störung vermuten. Aber dazu hat er kein Recht – schließlich wird hier über einen Bereich spekuliert, der jenseits der Welt des Normalen ist und über den er nichts aussagen kann – also schweigen muß, wenn er sich nicht überschätzt.
Ja, ich gestehe…ich gehöre als klassisch ausgebildeter Wissenschaftler zu denen, die hier eine geistige Störung vermuten…oder Geschäftstüchtigkeit. Denn Herr Maucher verlinkt auf seiner Seite nicht nur auf seine “Mobilfunk macht krank” Seite, sondern auch noch auf einen Webshop, in dem er “Feinfeldformer” anpreist…das Stück zu (je nach verwendeten Materialien) entweder € 355,00, € 450,00, oder in der Premiumversion zu € 540,00…wobei er aber gleichzeitig klarstellt:
Wir machen keinerlei Aussagen zu einer Wirksamkeit und weisen darauf hin, daß die zur Herstellung führenden Überlegungen keine dreidimensional-wissenschaftlichen Entsprechungen haben.
Janeeisklaar…SCHWESTER! EINHUNDERT MILLIGRAMM HALOPERIDOL IN EINE NACL JAGEN UND DANN DRUCKINFUSION…FLASCHE ALLE ZEHN MINUTEN WECHSELN!
cd
246 Punkte – Stefan Raab ist der Casting-Gott
5Ok, ich habe geunkt, ich habe gelästert…nun ist Lena mit 264 tatsächlich Gewinnerin des Song Contest…hätte ich im Leben nie geglaubt..für mich haben die Rumänen den Laden gerockt…aber Raab hat tatsächlich mal wieder das Goldhändchen gehabt…und bewiesent, dass er als Manager besser ist als als Musiker…er selbst hatte ja damals nicht so viel Glück
Die Lehren, die ich daraus ziehe, sind:
1. Raab war schon immer um Längen geiler als Bohlen
2. Der SFOR und KFOR-Einsatz im Balkankrieg hat sich im Nachhinein doch ausgezahlt
3. Den Griechen wird kein Cent überwiesen…
4. England hatte mehr Weiblichkeit als wir
cd
Kinderlieder sind jugendgefährdend
3Die Killerspieldebatte ist offensichtlich nun out. Neues Ziel der Moralapostel sind nun traditionelle Kinderlieder, sagt zumindest der Tagesanzeiger. Problematisch seien vor allem Lieder wie dieses:
«Schlaf schön, mein Kleines
hoch oben im Baum,
der Wind schaukelt die Wiege
wie im süssesten Traum.
Wenn die Äste dann brechen,
stürzt die Wiege hinab,
und das Baby samt Wiege
landet im Grab.»Zugegeben, die deutsche Übersetzung ist wie so oft drastischer als das Original (der Schluss lautet dort «and down will come baby, cradle and all»). Aber in der Fernsehfamilie der Simpsons genügt schon der englische Text, um Baby Maggie in eine Horrorvision zu versetzen – an Schlaf ist danach nicht mehr zu denken.
Auch das gute alte “Fuchs, Du hast die Gans gestohlen” kommt genau so schlecht weg wie die Zeile “Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt…” im Wiegenlied von Johannes Brahms…
Aha…das Sommerloch rückt in gefährliche Nähe..
cd
Porn to be wild – Steve Jobs wants a clean iPad
2You might have heard the news already… Ryan Tate from Gawker Media wrote an email to Steve Jobs because he didn’t buy the iPad being a “revolution” as the commercials suggest because Apple is so restrictive about what kind of Apps and Data officialy makes it onto the iPad and iPhone.
The master himself bothered to reply.
Tate’s message:
If Dylan was 20 today, how would he feel about your company?
Would he think the iPad had the faintest thing to do with “revolution”?
Revolutions are about freedom.
(for the kids: He’s talking about Bob Dylan)
And Steve Jobs said:
Yep, freedom from programs that steal your private data. Freedom from programs that trash your battery. Freedom from porn. Yep, Freedom. The times they are a changin’, and some traditional PC folks feel like their world is slipping away. It is.
Riiight..so my future freedom is what Apple wants it to be?
I am one of those “traditional PC folks” although I switched to Mac quite a while ago. Mac and PC are incomparable to me since they are not only different systems, they are completely different concepts. While I liked messing around with different hardware, experimental drivers, experimental operating systems etc. when I was young, nowadays I prefer the all-in-one concept the Mac has always offered. No hassle, no crashes…and I don’t care about the limited portfolio of hardware because as a businessman I need my spreadsheeds, my word processor, a database and email…that’s it…no fancy graphics, no ATI Radium with a cooling block the size of a small car…BUT that’s where it ends for me…
I don’t mind Apple being restrictive regarding the code of applications…that’s one of the reasons their stuff works so well (most of the time)…but content? That’s a different story…
Porn is dirty and masturbation makes you go blind, but let’s face it, guys! Had we had a thing like the iPad to hide under our blanket at night to whack off to some porn movie rather than to the female underwear part of a mail-order-catalogue – we would have used it! When we grew older and were suddenly at legal age for getting and consuming porn and alcohol, these things got old very quickly…we got wasted a couple of times…watched a few porn movies and all of a sudden we had grown up and had actual women to whack off to (or with…) and getting wasted became a sign of immaturity…but none of us ended up like the anti-pornography-movement thought we would.
The arguments people bring forth against the internet are the same arguments they used for XXX-channels on satellite TV, and before that they said the same about porn DVDs, and before that they said the same about porn VCR-tapes, and before that they said the same about porn-cinemas and magazines, let alone graphic novels (both of sexual and non-sexual subject)..and all the generations which were said to be doomed by the downfall of moral values have grown up to become normal adults…
I as a teacher say, porn is part of growing up…for boys more than for girls, but it is integral…while now as a school teacher I of course must object to any pornographic imagery, I also know that doing “something bad” is a vital part of a treasure chest of memories…the first cigarette you secretly smoked in the bushes and thought your parents wouldn’t notice because you chewed gum afterwards…the first beer…no one thought it tasted good, but no one wanted to admit that…and the first porn movie someone’s older brother had gotten and given us to watch…then we felt like real men…and none of us became a drug addict (for a longer period of time I mean..
) or a porn star…
Dear Mr. Jobs,
I love the stuff your company makes, but please keep in mind a company of your influence has a moral imperative when it comes to protect children and adolescents, but as soon as you’re dealing with adult customers it’s their business what kind of material they choose to enjoy on their iPad or iPhone…and it’s the customers’ responsibility not to let such material fall into the hands of minors…if an adult wants to whack off to some internet porn on a device made by Apple, it’s part of his freedom to do as he pleases..
Let me put it this way: As I understand, unlike here in speeder’s heaven (aka. Germany) there is a nationwide speed limit in the USA. While it would be no problem to install a device that limits the top speed of a car to 75 miles per hour, would you buy a Ferrari or a Porsche or a Mercedes Benz with such a device installed? Or would you refuse to buy a car with such a limiter? You know there is a speed limit…still, you want to “choose” not to exceed it, rather than being forced to obey by technical means…give it a thought, Mr. Jobs…
cd
Daniel Cohn-Bendit soll der neue Mixa werden…
6Oha, jetzt wo Mixa zurückgetreten ist und sich im Strafverfolgungsverfahren befindet, geht den Zeitungen plötzlich der Stoff für Skandalmeldungen zu Kindesmissbrauch aus…also wird in den Archiven gebuddelt und geschaut, was man nun noch so alles an “Enthüllungen” präsentieren kann. Die beliebte Historikerin Eva Herman hat sich als neues Ziel den ewig-68er, Odenwaldschüler und Grüne-Politiker Daniel Cohn-Bendit ausgesucht. Sie schreibt im Kopp-Verlag: Fassungslosigkeit. Warum Walter Mixa gehen musste und Daniel Cohn-Bendit immer noch da ist. Infowars hat den Artikel nebst Video übernommen.
Stein des Anstoßes ist die Zeit der sogenannten “Kinderladenbewegung“, ein Begriff, der meiner Generation und den noch Jüngeren nur noch bedingt etwas sagen dürfte. Kern der Erziehung in den Kinderläden war, neben einer antiautoritären Ausrichtung, auch der Grundsatz, dass kindliche Sexualität nicht zu unterdrücken sei. Es sind in den Protokollen der damaligen Zeit etliche sexuelle Kontakte zwischen Erziehern und Kindern dokumentiert. Cohn-Bendit selbst beschrieb diese Ereignisse in seinem Buch “Der große Basar“, was bereits 2001 von der “Schweizer Zeit” im Artikel “Der Kinderschänder” aufgegriffen wurde. Cohn-Bendit hat in seiner Zeit mit den Grünen mehrfach Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die “gewaltfreie Sexualität” zwischen Minderjährigen und Erwachsenen straffrei stellen soll. (vgl. z.B. Artikelreihe “Sexuelle Gewalt an Kindern: Politisch akzeptierte Wirklichkeit?“, ebenfalls von Eva Herman).
Was für die heutige Generation unvorstellbar klingt, war damals ein revolutionär neuer Ansatz der Erziehung als Kontrast zum Konservativismus und der Autorität Erwachsener. Transparenter wird die Debatte, wenn man sich folgende Positionen zu Gemüte führt:
1. Lloyd deMause: “Hört Ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit”, Frankfurt 1977 (Original New York 1974) und
2. Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit, München/Wien 1975 (Original Paris 1960)
Zwei gegensätzliche Positionen zum Begriff der Kindheit. Während Ariès die Ansicht vertritt, die künstliche “Erfindung” von Kinheit hat das ursprünglich glückliche (wenn auch von viel Unfall, Krankheit und Tod begleitete), von Kontakten mit “Verschiedenen Klassen- und Altersstufen” geprägte Leben der Kinder zu einem unglücklichen, von Strafe (“Rute und Karzer”) und durch Erwachsene fremdbestimmten Leben gemacht, vertritt deMause die Ansicht, die Erfindung der Kinheit sei ein Segen, der zum beschützend-lenkenden Verhältnis der Erwachsenen zu Kindern führte, weg von der Kindstötung in Antike und Mittelalter.
Tiefer will ich da gar nicht hineingehen, sondern empfehle nur diese beiden Bücher als Grundlagenliteratur der Debatte. Der Bezug zum Thema aber ist, dass der Blick auf Entwicklung mit der unterliegenden Theorie steht und fällt. Da die 68er fast alle Formen der Autorität verneinten, war daraus eine der logisch notwendigen Konsequenzen, auch bei der sexuellen Entwicklung nicht autoritär einzugreifen. Als Einführung in die 68er: Rudolf Sievers (Hrsg.): 1968. Eine Enzyklopädie, Frankfurt a.M. 2004
Mein persönlicher Senf dazu ist: Das wird immer ein schwieriges Thema bleiben…zwar sollte heute klar sein, dass man den Kindern nicht die Masturbation mit “davon wirst du blind” oder “Gott wird dich strafen” und damit das Entdecken eigener Sexualität sauer machen sollte, aber im interpersonellen Verhältnis zwischen Erzieher und Edukand sind die Grenzen bisweilen fließend…meine Philosophie ist da, lächelnd aber nicht strafend oder tabuisierend abzulehnen, auch bei pubertären “Übergriffen” und Flirtversuchen von Schülerinnen (was aber mit steigendem Alter ohnehin nachlässt…ich glaube, ich verliere langsam mein Mojo…), die jedem Lehrer und jeder Lehrerin im Laufe der Karriere immer mal begegnen werden…versucht man aber, der Sache theoretisch fundiert habhaft zu werden, so wird man immer eine mehr oder weniger breite Ambiguität feststellen, die von mangelnder Neutralität gegenüber dem Thema begleitet ist…ungefähr so, wie das Frauenbild und das Familienkonzept unter Hitler…
Liebe Frau Herman: Wer sich so derbe mit dieser Form von Ambiguität (und um die müssen Sie gewusst haben…) in die Nesseln setzt und den Interviewern ins lange gesehene offene Messer läuft und sich auf eine “neue Interpretationsweise” beruft und sich als falsch verstandenes Opfer der Medien darstellt, sollte sich bei anderen, die es zu ähnlich kritisch behafteten Sachverhalten Ihnen gleich tun, nicht so weit aus dem Fenster lehnen…das wirkt schief und wie journalistischer Opportunismus, weil das Thema ja gerade Leser verspricht…eine eher schwache Nummer…
cd
Die Pharmaindustrie – Von Lobbyismus und Drittmitteln
1Es scheint mir, dass das Sommerloch dieses Jahr recht früh dran ist. Das Deutsche Ärzteblatt veröffentlichte im April eine Studie, die zu dem Ergebnis kam, dass von der Pharmaindustrie finanzierte Studien für das eigene Produkt positiver ausfallen, als neutrale Untersuchungen. Die Firmen hätten “die Evidenz verbogen, bis sie für das Marketing tauglich war“. Ach wirklich…mein Gott, wer hätte das gedacht…das Thema wurde natürlich von der FAZ aufgegriffen und von diversen Blogs. z.B. bei “Stationäre Aufnahme” oder bei “LobbyControl“. Lustig wird es bei letzterem bei den Kommentaren. Der erste Kommentar sagt direkt: “Behandlung mit Psychopharmaka führt in die Arbeitsunfähigkeit und in den Misserfolg, trotzdem werden diese Medikamente auch gegen den Willen von Betroffenen weiterhin verabreicht.” Hat zwar mit dem Thema nichts zu tun, aber Hauptsache wieder Stimmung gegen die bösen Psychopharmaka machen…dass dies angeblich so wenig Gehör finde, liegt für mich weniger an einer großen Pharmaverschwörung als mehr an der Tatsache, dass das Thema einerseits einfach so was von durch ist, andererseits an der üblichen Naivität, andere Medikamente wären harmloser…auch Naturheilmittel können einen durch eine Bleivergiftung killen, da muss man kein bleihaltiges Antidepressivum genommen haben… (weiterlesen …)
Wolf Schneider: “Die meisten Blogs sind Geschwätz”
8Der Rhetorikgott Wolf Schneider wird 85 und kommt noch immer ohne Computer aus. Seine Frau lese aber diverse Blogs und drucke ihm viel davon aus. Er hält aber drei Viertel von dem, was in Blogs veröffentlicht wird, für “trauriges Geschwätz“. Er habe “Mitleid mit denen, die sich mitteilen wollen und so gar keine Ahnung haben, wie man das macht.”
Dem muss ich energisch widersprechen…man muss das gehaltlose Gelaber der Blogsphäre vom hochwertigen und größenwahnsinnigen Qualitätsunsinn, wie ich ihn produziere, abgrenzen!
cd
Madonna darf keine Marke sein
5Der Markenschutzes des Begriffes “Madonna” ist offensichtlich aufgrund seiner religiösen Konnotation sittenwiedrig…aha…aber Karel Gott darf weiter Platten verkaufen…
cd














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