Beiträge mit tag "Gesellschaft
Schmerzensgeld für Kindermörder Gäfgen – Die Schattenseiten des Rechtsstaates
1Ein alter Fall ist wieder in aller Munde…der Entführer und Kindsmörder Magnus Gäfgen hatte wegen der Androhung von Folter bei seinem Verhör den Staat auf Schadensersatz verklagt und den Prozess gewonnen. Zwar geht die Entschädigung zurück an die Staatskasse, für Aufruhr hat das Urteil aber dennoch gesorgt…die BILD hatte natürlich wieder die fetteste Schlagzeile und Grundtenor ist vielerorts, wie “so ein Schwein” auch noch Schmerzensgeld zugesprochen bekommen kann…
So ist das nunmal in einem Rechtsstaat….Recht gilt für alle…auch für Straftäter, denn aus der Zeit der Erklärung zum Vogelfreien sind wir lange hinaus…in der TAZ gibt es zur Debatte einen sehr guten Kommentar…wobei ich das ethische Dilemma nicht sehe…auch ein Mörder ist ein Mensch und hat die Rechte eines solchen…und da ist nix dran zu rütteln…auch wenn einige das “pervers” finden…hätten die Richter anders entschieden, hätten wir nun die Debatte, ob das Urteil nun Tür und Tor für Polizeifolter öffnet…alles in allem ein sehr undankbarer Job für die Richter…ich gebe der ZEIT recht, es wird zuviel Aufregung drum gemacht…
cd
Twitterer haben doch noch Manieren
0Ein schönes Beispiel dafür, dass manche Twitterer doch noch Manieren haben auf Gedankenmüll:
Ein Twitterer (Twitteraner?) hatte die Autorin im Suff offensichtlich übel beleidigt, aber am nächsten Tag Reue in Form eines Blumenstraußes nebst Sekt gezeigt…geht doch
(Ich wollte erst den Originaltitel “Die Fotze bedankt sich” schreiben, habe aber zu viel Sorge, dass mit dem Schlagwort “Fotze” noch mehr Lena Meyer-Landrut Fans auf meinem Blog landen…)
cd
Follow Friday für Blogs 6
2Es ist zwar nicht Freitag, aber ich habe so lange schon keine anderen Blogs mehr empfohlen, dass es nun Zeit wird, mal wieder Gruß und Anerkennung in die Blogosphäre zu schicken:
1. Frl. Krise interveniert …an der pädagogischen Borderline
Die Kollegin Fräulein Krise berichtet über den alltäglichen Wahnsinn an ihrer Schule – lese ich gerne und regelmäßig
Wer wie ich hobbyenthusiastisch fotografiert, wird im Fotografie-Blog von lens-flare.de einige sehr gute Tipps und Informationen finden.
Der Medizynicus bloggt über den Alltag als Arzt – für alle mit klinischem Background ein Muss, für alle anderen auch sehr empfehlenswert.
Wer wie ich Esoterik, Feng Shui und ähnlichen Kram für kompletten Bullshit hält, wird an Sheng Fui seine helle Freude haben!
So, für heute genug!
cd
Geballter Wahnsinn 14 – Top Einträge 2010
4EIn Rückblick auf das Jahr 2010 ergibt, dass es wie immer im Internet eigentlich nur um Sex geht – und um diese unsägliche Lena Meyer-Landshut. Die folgenden zehn Blogeinträge hatten dieses Jahr die meisten Hits:
1. Lena Meyer-Landrut nackt (6257)
2. Ursula von der Leyen nackt (3312)
3. Kategorie “Schule” (3112)
4. Lena Meyer-Landrut nackt – Sex sells (3058)
5. Böser Scherz auf Chatroulette (2761)
6. Lena Meyer-Landrut braucht mich! (2477)
7. Lena Meyer-Landrut kann kein Englisch (2360)
8. Kategorie “Psychologie” (2290)
9. Lena Meyer-Landrut – Germany can do better than that! (2115)
10. Amoklauf in der Waldorfschule (2060)
….wenigstens ein Artikel zum Amoklauf in der TOP10
cd
Qualitätscontent: Kritik der Allgemeinbildung Teil 2
6Habe offensichtlich doch etwas länger geschlafen, als in Teil 1 vermutet
Heute also der praxisbezogene Teil meiner Kritik der Allgemeinbildung:
Oh Mann, die Kontroverse habe ich geahnt…
Herr Rau pflichtet mir zum großen Teil bei, Maik Riecken hält sich dimplomatisch und Herr Larbig nennt es “Provokation”…schauen wir mal, ob die Diskussion fruchtbar wird…
3. Konsequenzen für Schule und Hochschule
- Auf das tatsächliche, nicht auf das Wunschziel schauen
Es sollte nun klargeworden sein, dass ich Verfechter der zielorientierten, sagen wir “marktorientierten” Bildung bin. Welche Konsequenzen hat dies nun für die Schule und die Hochschule?
Schule muss in der heutigen Zeit umdenken. Der begriff “allgemeinbildende Schule” zielt noch auf den humanistischen Begriff der Allgemeinbildung, den ich wie in Teil 1 erwähnt für die heutige Zeit nicht mehr unterstütze. Insofern ist für mich der Begriff der allgemeinbildenden Schule glatt gelogen. Schule und Hochschule vergessen, dass jede Form der Ausbildung genau ein Ziel hat: die Edukanden in Lohn und Brot zu bringen. Sicherlich habe ich absolut nichts gegen eine etwas breitere Bildung, um die Fähigkeit zu vermitteln, über den Tellerrand zu sehen, wie es Maik Riecken in seinem Kommentar betonte, allerdings praktiziert man dies aktuell auf Kosten handlungspraktischen Wissens. Bestes Beispiel: Es ist egal, welchen Beruf die Schüler einmal ausüben werden – jeder wird in seinem Leben eine Steuererklärung abgeben müssen. Warum gehört dies also nicht fest zum Lehrplan einer allgemeinbildenden Schule? Jeder wird mit Geld umgehen müssen…warum enthält das Curriculum nicht zumindest grundlegende Kenntnisse des Finanzmarktes? Es gäbe noch mehr Beispiele und alle laufen darauf hinaus, dass wir später alle für recht banale Dinge wie eine Steuererklärung uns entweder selbst nachbilden müssen, oder wir dieses Wissen teuer einkaufen müssen…Auch den so als “Mädchenkram” verschrienen Hauswirtschaftsunterricht halte ich eigentlich für essenzielles Wissen, denn Kochen und gesunde Ernährung ist heutzutage in vielen Familien kein Thema mehr…
Philologische Breitenbildung gut und schön, aber sowohl Schule als auch Hochschule müssen sich endlich damit abfinden, dass sie für einen Markt ausbilden…den Arbeitsmarkt und dieser fragt nur nach praktisch anwendbarem Wissen und Handlungskompetenz…Breitenbildung ist toll und fällt positiv auf, aber zuerst zählen die Hardskills..und die bleiben besonders am Gymnasium sehr auf der Strecke…
Aus meiner Praxiserfahrung: Kernproblemdes aktuellen Bildungssystems: Alles wissen, statt alles können
In der Erwachsenenbildung stelle ich immer wieder fest, wie heftig doch Schule versagt, wenn es um die praktische Lebensvorbereitung geht. Übernehme ich einen neuen Kurs in irgendeinem Unternehmen oder einen Kunden zum Einzeltraining stelle ich fast immer folgende Mängel fest (und zwar auch bei Kunden mit akademischer Ausbildung):
- Kein Plan von deutscher Sprache und Grammatik. Resultat: Englischunterricht ist in den ersten Stunden bei mir Deutschunterricht, da ich kein englisches Plusquamperfekt vermitteln kann, wenn die Kunden das schon auf Deutsch nicht können…Futur I und II kennt auch keine Sau, Aktiv und Passiv etc. brauchen wir gar nicht erst anzusprechen…
- Keine Sprachkompetenz in der Fremdsprache trotz Leistungskurs: Die Kunden können mir eine Stunde einen Monolog über Shakespeare halten, können aber kein Bier bestellen. Gerade der gymnasiale Englischunterricht ist sehr theoretisch angelegt. Hat man endlich alle Zeiten und sonstige Grammatik durch, darf man die Sprache nicht mehr ausbilden, weil in der Oberstufe der ganze Landeskunde- und Literaturwissenschaftsunfug kommt. Die Absolventen können also alle Literaturepochen auswendig, können mit Daten und Fakten zu anglophonen Ländern sagen…nur eines können sie nicht: Auf Englisch kommunizieren, da Ausdruck und Grammatik ja nur einen Teil der Note ausmachen.
Resultat ist ein riesengroßer volkswirtschaftlicher Schaden – die steuerfinanzierte Schule ist nicht in der Lage, ihre Schüler gemäß den Anforderungen des Arbeitsmarktes auszubilden und die Nachbildung bei Typen wie mir kostet eine Menge Geld…die Unternehmen geben dies an den Kunden weiter und dieser zahlt doppelt: Einmal über die Steuern und nochmal über den Produkt- oder Dienstleistungspreis.
Die universitäre Ausbildung ist ähnlich grottenschlecht. Ich muss die Sprache nicht beherrschen, um mich zu immatrikulieren…bestimmte Scheine sind nur für Magistranden (bzw. Bacheloranden) verprlichtend, für die Lehramtsstudenten nicht…die Seminare laufen auf Deutsch, weil ja eh nur Literatur und theoretische Grammatik unterrichtet wird, bis vor einer Weile konnte man die Staatsarbeit Anglistik auf Deutsch einreichen…Didaktik sind genau drei Scheine…etc..
Resultat: Schüler, die kein Englisch können werden zu Studenten, die kein Englisch können und die werden dann zu Lehrern, die kein Englisch können…
Das Unterrichten lernt man an der Universität ohnehin nicht, also ab ins Referendariat und wenn der Fachleiter entsprechend alt oder eine entsprechend hohle Fritte ist, lernt man auch dort nichts dazu…ein Staatsexamen kann man auch so gerade eben bestehen und bekommt bei einem Mangelfach wie Englisch trotzdem seine A13 mit Lebenszeitverbeamtung…und produziert ewig schlechten Unterricht, da man unkündbar ist und das Spielchen geht von vorne los…
Auch an der Uni muss man halt auch nur wissen, nicht können….exemplarisch alle Epochen runterrattern, die Phonetik theoretisch beherrschen (Lautschrift etc.), kann aber sprechen wie Westerwelle und Didaktik ist meist eine mündliche Zusatzprüfung..etwas, was sich erst in der ganz neuen Studienordnung geändert hat…
Und da stelle ich seit Einführung der Gebühren noch deutlich härtere Ansprüche, denn der volkswirtschaftliche Gesamtschaden ist hier noch höher: Nehme ich den Standardtarif für einen HiWi von knapp über 8 Euro/Stunde und gehe vom Idealfall des 19-Stunden-Vertrages aus, dann bezahlt dieser Student ein Sechstel seines Jahresbruttogehaltes für eine Ausbildung, die ihm in der Praxis wenig bis gar nichts bringt, da essenziell wichtige Kompetenzen für das Lehramt an der Hochschule nicht zum Lehrplan gehören und er nochmall zwei Jahre mit Hungerlohn draufsetzen muss, um einigermaßen auf Stand zu sein…danach bekommt er sofort ein Riesengehalt, das ihm als Frischling überhaupt nicht gerecht wird und der Steuerzahler, der sein Gehalt finanziert, bekommt im Gegenzug keine vernünftige Ausbildung für seine Kinder…super…darum hab ich das hingeworfen…ich sehe selbst nicht ein, tausende Euro in eine gute Ausbildung investiert zu haben, um dann die gleiche Kohle zu bekommen, wie der Trottel, der sich mit 4,0 gerade so durchs Examen gepfuscht hat…wir wissen alle wie das ist, wenn man eine Lerngruppe übernimmt, bei der einem als erstes die Frage “Wer hat DAS zu verantworten?” ist…es gibt natürlich SCHILFs, die sehr notwendig sind, aber wer macht sich die Mühe, da wirklich zuzuhören?
Menschliche Qualitäten werden übrigens gar nicht geprüft…wer alles weiss, was er wissen soll, bekommt sein Staatsexamen, auch wenn man ihn nie auf Schüler loslassen sollte…einen guten Lehrer zu haben ist Glückssache…denn die psychostrukturelle Eignung, mit Kindern und jugendlichen zu arbeiten, ist auch keine Immatrikulationsvoraussetzung..
- Weg mit den Redundanzen
Ärgerlich ist auch die Verschwendung der knappen (vor allem jetzt beim G8) Unterrichtszeit durch zu viele Redundanzen. In der Oberstufe endet man in jeder beliebigen Fremdsprache doch bei Literaturinterpretation. Das einmal in der Fremdsprache gemacht zu haben ist okay, aber dann gehört es abgehakt…ansonsten bleibt wie oben erwähnt keine Zeit, die Sprache wirklich vernünftig zu vermitteln und im Extremfall macht der Schüler den gleichen Kram in drei oder vier Sprachen (Deutsch mal mit eingerechnet), anstatt dass man einmal den ganzen Literaturkram als Block abhandelt und dann das Augenmerk auf Sprachkompetenz legt…
Die gleichen Redundanzen gibts auch bei den Inhalten…wie oft muss ich beispielsweise den Schülern über die Jahre hinweg den Nordirlandkonflikt antun..oder Australien…oder England…Afrika…etc…reicht das nicht, wenn man das einmal als Unterrichtsepoche erschöpfend macht und dann ist gut?
- Die Inhalte sind nur Mittel zum Zweck – Kompetenzentwicklung statt Abarbeitung des Kanons
Habe ich ein Seminar an der Uni stelle ich besonders bei den Erstsemestern fest, dass essenzielle Kompetenzen bei der Vorbereitung auf die “allgemeine Hochschulreife” offensichtlich nicht vorkommen. Die Studenten haben vorher 13 oder jetzt 12 Jahre eines gelernt: Sich möglichst schnell Faktenwissen reinzuhauen, egal ob man es braucht und es dann anhand eines durch die Fragestellung in der Klausur vorgegebenen Leitfandens wieder rauszuhauen (Stichwort “Wissensbulimie”…erst reinfressen, dann auf Kommando wieder rauskotzen..). Sie sind permanent am Händchen geführt worden, sodass sie im System Universität einen Kulturschock erleiden. Sie schreiben blind alles mit, was man erzählt, sie sind aber nicht in der Lage, Stellung zu Sachverhalten zu nehmen, wenn ich ihnen vorher nichts zum Auswendiglernen gegeben habe. Sie sind meist nicht in der Lage sich einen eigenen Lernplan zu machen, denn an der Universität kaue ich ihnen nichts mehr vor. Sie bekommen die Literaturliste, den Syllabus und dann ist gut. Der Duktus der ersten Arbeiten ist meist eine Katastrophe und von der Grammatik will ich gar nicht reden..schlecht wird mir immer dann, wenn ich bedenke, dass viele Lehramtsstudiengänge einen NC habe…die haben also alle nicht einfach nur ein Abitur…die haben alle einskommahaumichtot bekommen! Lässt man sie alleine und gibt ihnen die Arbeitsanweisungen nicht löffelchenweise, sind die meisten total verloren und wissen nicht, wo sie anfangen sollen…
Das Problem ist hier, dass die Schule immer noch eher kristallines Wissen vermittelt. Lernkompetenzen und vor allem eigenverantwortliches Lernen werden nicht gefördert…man muss zuhören, dann Fakten lernen und diese möglichst Inhaltsgetreu wiedergeben…bei manchen Kollegen sogar wortgetreu, sonst gibt es Punktabzug…die Facharbeit in der Oberstufe ist ein guter Anfang, aber letztlich sind für mich die Inhalte, die Schule vermittelt zweit- bis drittrangig. Es ist mir beispielsweise völlig egal ob sich meine Schüler einen Tag nach dem Abitur noch daran erinnern können, was Moralrelativismus ist oder wer Friedrich Schleiermacher war…wichtig ist, dass der Philosophieunterricht ihnen die Techniken des kritischen Hinterfragens, des Abstahierens und der wasserdichten Argumentation vermittelt hat…auch ist mir egal, ob meine Schüler Shakespeare gut finden oder nicht usw..sie sollen vor allem Englisch können und damit einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt haben…dann habe ich mein Ziel erreicht…
Das gleiche an der Universität…ich mache im Januar wieder ein Blockseminar Psychoanalyse…von mir gibt es da keine Jahreszahlen und den anderen Quatsch…die Studenten sollen die Methoden und Techniken hinterher anwenden..ob die dann noch wissen, wer sie entwickelt hat oder gar wann der Erfinder geboren wurde und wo ist mir völlig peng..später zählt auch nur die korrekte Diagnose – mehr nicht!
Und das ist eine Denke, die mir an der Schule sehr und an der Universität noch viel mehr fehlt…
- Weg mit dem (Schul-)Karrierehindernis “Pflichtfächer”
Es sollte allen halbwegs pädagogisch gebildeten Menschen klar sein, dass alle Schüler bestimmte Neigungen haben, was die Fächer angeht…das aktuelle Schulsystem, das die einstige Reform der gymnasialen Oberstufe wieder zurückgefahren und einen bis zum Abitur verbindlichen Fächerkanon eingeführt hat, wird dem aber nicht gerecht und verhindert so für mich vielversprechende Karrieren. Wenn ein Schüler großes Potenzial in den Naturwissenschaften hat, ist das zu fördern…ihn aber aufgrund schlechter Leistungen in Musik, Kunst oder Politik sitzenzulassen, halte ich für ein Trauerspiel. Auf der einen Seite wird nach individueller Betreuung geschrien, auf der anderen Seite durch Zentralprüfungen, Vergleichsarbeiten und landesweite Curricula noch mehr gleichgeschaltet. Wir konnten damals noch frei wählen..eine Naturwissenschaft, eine Sprache, eine Gesellschaftswissenschaft und das vierte Fach völlig frei…hätte ich Mathematik nicht abwählen können, ich hätte kein Abitur bekommen…aber ich habe den damals noch sehr geringen Zwang, z.B. zu musischen Fächern als Schüler schon nicht verstanden.
- Ist Auswendiglernen nun völlig unsinnig?
Da mache ich dann im Teil 3 weiter..es ist ein wenig Gefasel, aber ich habe den Fehler gemacht, abzusetzen und an einem anderen Tag weiterzuschreiben…das wird bei mir meistens nix
Erstmal einen guten Rutsch Euch allen!
cd
Qualitätscontent: Kritik der Allgemeinbildung Teil 1
13Zu diesem Eintrag bringt mich eine kurze Diskussion mit dem Kollegen Larbig auf Twitter. Er twitterte heute Mittag: “Welche #Gedichte sollte jeder (also auch Schüler) auswendig können? – Zauberlehrling, Erlkönig, Lied von der Glocke, An die Nachgeborenen? …” . Das provozierte mich als Verfechter der pragmatisch-zielgerichteten Bildung natürlich zu der Rückfrage, wozu man das den überhaupt solle…in diesem Eintrag möchte ich nun Position beziehen und bin gespannt auf Herrn Larbigs Blogeintrag.
1. Wozu brauchen wir “Allgemeinbildung” ?
Kurze Antwort: Wir “brauchen” sie überhaupt nicht, wenn es um lebenspraktische Dinge geht.
Lange Antwort: Was im üblichen Sprachgebrauch als “Allgemeinbildung” bezeichnet wird sehe ich als Relikt einer humanistischen Periode, die längst vorbei ist, an der sich aber das aktuelle System der höheren Bildung festklammert, wie der Ertrinkende an ein Stück Treibholz. Sie ist mehr Mittel zur Ständedifferenzierung und zur Konstituierung abstrakter und konkreter sozialer Gruppen und Klassen als alles andere. In bestimmten Kreisen hat man bestimmte Dinge einfach zu wissen und zu kennen. Der Knackpunkt ist aber für mich, dass dieses Wissen, sei es nun über Literatur, über Kunst, Geschichte etc, nur noch ebendiesem Ständezusammenhalt dient. Polemisch gesagt: Damit ich auch auf die nächste Cocktailparty bei Professor Doktor Haumichtot und seiner Gattin eingeladen werde und im Lions Club, im Rotary, einem Fachbereich in der Schule oder Hochschule oder in einer sonstigen pseudoelitären Gruppe Anerkennung finde. Einen praktischen Nutzen dieser Bildung kann keine dieser Gruppen nennen und hinterfragt man dies, bekommt man entweder “Das gehört sich so!” oder ähnliche zirkulär stabile Argumente oder man wird schlichtweg als “dumm” tituliert und ausgeschlossen…das Opfer konstituiert nach Girard eben die Gruppe. Auch nach Mead beispielsweise ist diese Abgrenzung notwendig, da die Selbstdefinition entscheidend auf von der Abgrenzung zum Anderen beruht. Aber ein realer Sinn abseits der Gruppenkonstituierung? Für mich: Fehlanzeige! Und damit ist für mich auch der Begriff der Allgemeinbildung sinnentleert.
Realiter fördern Sendungen wie “Wer wird Millionär” das Bild, dass man es zu etwas bringen kann, wenn man möglichst viel unnützes Wissen ansammelt jedoch ist uns allen bekannt, dass in der lebensweltlichen Realität Können vor Wissen geht. Es wird erwartet, dass man die Kenntnisse und das Wissen hat, einen bestimmten Beruf auszuüben, um die vom Arbeitgeber gewollte Leistung zu erbringen und dafür bezahlt zu werden…nur ganz wenige Berufsgruppen sind nicht dieser Realität unterworfen, sind damit aber oft sehr zirkulär. Das trifft für mich beispielsweise sehr für ein Philosophiestudium zu. Will man nicht später einen Beruf ergreifen, dessen Voraussetzung nur “Hauptsache irgendwas studiert” ist, bleibt einem durch die extreme Unproduktivität und Realitätsferne des Studiengegenstandes nur noch der Weg in das Lehramt oder eine akademische Karriere, um dort dann eine weitere Generation Philosophen auszubilden, die ihrerseits ebenfalls nicht anders kann, als Fachfremd zu arbeiten, oder den Kreis zu schließen…auch das ist Wissen zum reinen Selbstzweck…(bevor Berufsphilosophen nun “stimmt doch gar nicht” schreien: Philosophie war mein zweites Hauptfach).
Kurz gesagt: Wir brauchen die Allgemeinbildung nicht, wenn wir nicht Teil einer Gruppe sein wollen oder müssen, die diese als Teil der eigenen Definition nimmt, um sich von “Ungebildeten” abzugrenzen…die Gruppe aber, die sich gegen sie stellt und höhere Bildung als sinnloses dummes Zeug sieht und dies zu einem Teil der ihrigen Selbstdefinition macht, lebt auch und ich denke, sie lebt nicht schlechter. Denn praktisch anwendbar ist sie, nimmt man einige Grundlagen der Naturwissenschaften mal als Sonderfall, nunmal nicht.
2. Muss man Gedichte oder Literatur kennen oder gar auswendig können?
Zur Verortung muss ich mich als Ignorant outen. Ich habe nie viel mit Literatur anfangen können…ich habe nie gerne Geschichten oder gar Romane gelesen und habe in der Schule eisern selbst im Deutsch-LK immer den Sachtext in der Klausur bearbeitet. Wenn ich ein Buch in die Hand genommen habe, war es ein naturwissenschaftliches. Mein erstes Buch, das ich als Kind gelesen habe, war ein Medizinbuch und dann kamen andere Naturwissenschaften. Wenn es nicht naturwissenschaftlich ist, ist es historisch oder sonstwie ein Tatsachenbericht…mit fiktionalen Charakteren kann ich nichts anfangen und auch die Literaturwissenschaftsseminare an der Uni waren eine Qual, weil die Arbeitsweise der Geisteswissenschaftler für mich so gar nicht mit meinem Arbeitsanspruch und meinem Wissenschaftsverständnis vereinbar ist. Anstatt wild am Werk eines zeitgenössischen Autors herumzuinterpretieren, würde ich ihn bei einer Frage die mich wirklich bewegt, ihn einfach anrufen oder ihm schreiben und auf seine Antwort warten. (Das habe ich als Erst- oder Zweitsemester sogar einmal getan und das Transkript des Telefonates als Arbeit eingereicht…der Prof grüsst mich bis heute nicht mehr, weil er meinte, ich wolle ihn verarschen…kurios…) Auch geriet ich mit einem anderen Liwi-Prof in Streit über Hemingway’s “Cat in the rain”, weil ich beileibe nicht verstehen kann, warum die Tatsache, dass der Mann falsch herum auf dem Bett liegt, unbedingt auf seine Ablehnung gegenüber seiner Frau schliessen lassen muss…vielleicht war auch einfach das Licht besser…oder er fand es bequem oder weiss der Geier was…- Leute, die nicht experimentieren und Kontrollgruppen bilden, sind mir suspekt und deduktive Schlüsse finde ich unnütz…erst die Induktion kann auf die Zukunft schließen und Prognosen ermöglichen…
Daher auch das Psychologiestudium, das Befassen mit klinischer Psychiatrie usw. das mit meinem mechanistischen Menschenbild eher vereinbar ist. In der Philosophie habe ich mich an die formale Logik gehalten, da ich z.B. die Ethik immer als unwissenschaftliches Geschwafel, weil nur konsequentialistisch begründet und somit formallogisch unhaltbar, gesehen habe. Ich halte auch den Menschen für nichts Besonderes…eine Spezies unter vielen…die Betonung beim “animal rationale” liegt für mich auf “animal” und ich würde unsere Spezies ohnehin nach vielfacher empirischer Beobachtung eher als “animal rationale capax” bezeichnen, ein Tier, das theoretisch fähig zur Ratio wäre…aber genug der Misanthropie…aber der kurze Prolog ist wichtig, um meine Argumentationslinie nachvollziehen zu können.
Die normalerweise zu erwartende Antwort, die von klassisch (aus-)gebildeten Lehrern, insbesondere Germanisten (Wink an Herrn Larbig…) kommt, ist der obenstehenden Problematik geschuldet. Auf meine Frage, welchen praktischen Sinn und Nutzen denn das Auswendiglernen eines Gedichtes nun habe antwortete Larbig: “Wenn es nur um das Funktionieren von Menschen in ök. Zusammenhängen geht: Keinen. Wenn Kunst und Kultur zum Wesen des Menschen gehört, eine sehr große.” – eine sehr unbefriedigende Antwort für mich…
Die Philosophen haben ihren Vernunftbegriff als Rettungsschirm. Wann immer ihre Argumentation zu absurd wird, um sie noch unterstützen zu können (Kant und vor allem Rawls mit seinem unsäglichen Urzustand), sagen sie schnell, dass ein “vernünftiger Mensch” ihre Ansicht natürlich teilen müsse, bzw. ihre Argumente sich ja “bereits aus der Vernunft erschliessen” – die Philosophenvariante von “Wenn Ihr das nicht versteht, seid Ihr zu doof und ich bin der Größte!”
Philologen Argumentieren immer mit dem Kulturbegriff und definieren den entweder schwammig oder definieren die von ihnen proklamierte Bildungsform als Teil derer…ein Zirkelschluss zu ihrer Selbstlegitimation, der aber an einer Sache hakt: Was ist denn nun die Definition von “Mensch” oder “Mensch sein” ?
Was ist mit Menschen, die aufgrund der Umstände ihrer lebensweltlichen Realität keinen Zugang zur Hochkultur und zur Kunst haben…vielleicht nicht mal um derer Existenz wissen…fallen diese dann aus unsererem hochkulturell-intellektuell geprägten Menschenbild heraus und sind somit nicht mehr Teil der Definition? Oder -schlimmer- beginnen wir, sie zu bedauern, weil die armen Hinterwäldler ja weder Mozart noch Kant noch Mondrian kennen? Oder grenzen wir uns einfach im verhärteten Ständedenken wie beispielsweise hier im arbeiterklassenlastigen Ruhrgebiet scharf und absichtlich gegen die “ungebildeten” ab und machen sie zu weniger werten Menschen, genau wie die “Malocher” die weitere (Hoch-)Schulbildung als sinnlos erachten und “Intellektueller” zum Schimpfwort wird? Blicken wir dann psychologisierend-mitleidig auf sie herab und sagen, sie müssten sich auf diese Weise selbst stabilisieren, indem sie das für sie nicht erreichbare Ziel in Wunschverwerfung entwerten? Oder sollten wir nicht eher anerkennen, dass es nunmal Neigungssache ist, ob man Kunst und Kultur “braucht” oder eben nicht?
Dieser intellektuelle Klassenkampf treibt seine seltsamsten Blüten, wenn es um die Zurschaustellung der Dominanz vermeintlicher geistiger Überlegenheit gegenüber dem Pöbel geht. Mein Lieblingsbeispiel dazu: Die Kulturhauptstadt Ruhrgebiet, ganz voran das berühmte Weltkulturerbe Zollverein. Soziologisch interpretiere ich die Umfunktionierung zur Kulturstätte – so sehr ich sie auch mag – als Schlag ins Gesicht niederer Schichten…worüber keiner spricht ist die Tatsache, dass die ehemaligen Kumpel, die auf Zollverein eingefahren sind, von der Rente, die sich sich in Knochenarbeit schwer erkämpft haben, den Kaffee und das Essen im Casino nicht leisten können…das vielgerühmte Ruhrmuseum ist kalt durchdesignt, steril und hat nichts mehr von der angenehmen Dachbodensammlungatmosphäre zum Anfassen des alten Ruhrlandmuseums. Die Exponate sind nur für Menschen interessant, die sich auf einer abstrakten Ebene für das Ruhrgebiet und das Leben dort interessieren…die Museumsdidaktik hätte man sich besser vom Bochumer Bergbaumuseum abgeschaut oder die Leute gleich ganz dort hingeschickt, denn vom eigentlichen Kern des Ortes, dem Bergbau, ist nichts zu sehen…eine Bastion der Hochkultur, die wie ein Bollwerk der Intellektualität und Hochkultur gegen den Pöbel wirkt und mit den Menschen, die unmittelbar um das Gelände herum in einem lange von Bildungs- und Integrationspolitik vergessenen Stadtteil leben, nur noch in homöopathischer Dosis zu tun hat..als wolle man nun auch noch in “ihren” Stadtteil eindringen um sie “zwangszubilden” anstatt zu erkennen, dass der Kulturbegriff individuell ist und nicht von der privilegierten Schicht aufgedrängt werden kann…
Die Zirkularität der Argumentation ist auch hier der Knackpunkt: Man braucht Kunst und Hochkultur erst dann (oder besser: meint, sie zu brauchen) wenn man ihr einmal ausgesetzt war und sie gefruchtet hat, was beileibe nicht bei allen Rezipienten der Fall ist. Allen anderen kann nichts fehlen, was sie nicht kennen…
Lebenspraktisch gedacht: Mein Automechaniker kann auch Kant für ein Lutschbonbon halten..er muss Ahnung von Autos haben und die Inspektion gründlich machen…wenn er in seiner Freizeit die Relativitätstheorie nachrechnet oder eine neue Bibelübersetzung schreibt, ist das toll, aber Interesse habe bei ihm als Mechaniker nur an seinen technischen Fähigkeiten..und besitzt er die, erfüllt er seinen Zweck für die Gesellschaft, die eben neben Malern und Poeten auch Automechaniker, Anstreicher und Maurer braucht…und ganz ehrlich…selbst als Lehrer bin ich nie wieder in die Bedrouille gekommen, etwas Gehaltvolles zu Thomas Manns Buddenbrooks, der fin-de-siécle-Lyrik, dem Expressionismus oder dem Dreißigjährigen Krieg sagen zu müssen…auch das ist nur ein Beruf und solange ich Ahnung von Englisch, Philosophie und Didaktik habe, bleibe ich mit allem anderen unbehelligt und bekomme mein Geld…
Summasumarum: Niemand muss Gedichte oder Literatur auswendiglernen…wenn er es von sich aus möchte, soll ihm das gerne vergönnt sein, aber ich verneine unter obenstehender Argumentation absolut die Notwendigkeit dessen…
3. Konsequenzen für Schule und Hochschule
- kommt, wenn ich ausgeschlafen habe
-
cd
Was Mediziner wirklich bewegt
1…das sieht man in der aktuellen Ausgabe der Ärztezeitung. Der Krake, der uns die WM gekostet hat, ist nun endlich verendet, wird aber leider nicht zu einem leckeren Imbiss verarbeitet, sondern soll ein Denkmal bekommen…
Na wenn de Weisskittel sonst keine Sorgen haben…
cd
Stuttgart 21 – Twitteraner haben die Lösung
1Grandiose Idee von @BigArne: Erkunden, ob #s21 #Endlager geeignet ist. Unangenehmes mit Nutzlosem verknüpfen ;o)) #Asse2 #Konrad #Gorleben
cd
Die Raucher-Stasi kommt!
1Wer uns Raucher immer noch hasst wie die Pest, obwohl wir doch nur auf eigene Kosten die Rentenkasse entlasten, der kann sich nun in Zukunft, zumindest in der Stadt Köln als Kneipen-Blockwart betätigen und Raucher, die gegen ein Rauchverbot verstoßen bzw. Wirte, die das Rauchen trotz Verbot dulden, online beim Ordnungsamt melden…na denn mal gute Jagd!
BasicThinking: Rauchmelder 2.0 – Stadt Köln stiftet Bürger zum Online-Raucher-Denunzieren an
cd
Muslime Männer brauchen keine Haushaltshilfe
3…behauptet zumindest die Gothaer Versicherung, so Fefe’s Blog. Diese hat einem schwer verunglückten Rentner muslimischen Glaubens die Zahlung verweigert, da nach ihrer Auffassung muslimische Männer im Haushalt sowieso nichts tun und damit durch den Unfall keine veränderte Situation eingetreten ist. Sie berufen sich bei ihrer Argumentation auf den Koran…
Janeeeisklar..
cd















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