Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Beiträge getaggt mit Fernsehen
Killerspielekiller gekillt
05. Jul
Tja, es sah so vielversprechend aus, das Programm, das Günther Jauch in Stern TV vorstellte…es sollte angeblich jede Form jugendgefährdender Spiele (Killerspiele und andere Dinge) auf einem Computer identifizieren und löschen können. Im Fernsehtest fand das Programm sogar 9 von 10 Spielen auf dem Testrechner….es wurde von diversen Zeitschriften hoch gelobt, der Praxistest aber sah recht böse für den Entwickler aus…das Programm sei anfällig für Manipulationen und leicht auszuhebeln, außerdem sei die Datenbank nicht umfangreich genug und würde viele Spiele gar nicht kennen und somit nicht identifizieren…die Seite des Herstellers ist mittlerweile offline und der Programmierer zu keinem Statement zu überreden…hmm….
Mehr dazu im FAZ-Blog: Der Nepp mit dem Killer-Spiel-Killer von Stern TV
cd
Wort des Jahres 2010: Hitlerventilieren
15. Jun
Herrlich, eine bessere Umschreibung kann man nicht liefern. Im Zuge der Diskussion um Kloses inneren Reichsparteitag formulierte in Stefan Niggemeiers Blog ein Gast es so:
War ja klar, dass halb Deutschland gleich wieder hitlerventiliert. Zum Glück sind wir bald ausgestorben.
Godwin’s Law ist Realität!
Als vertiefende Lektüre empfehle ich “Mehr Hitler!”
cd
Warum man nie live ins Internet schalten sollte
29. Apr
Das weiß jetzt N-TV. Fast allen ist es bekannt, dass chatroulette.com nur in geringem Maße der Kommunikation und in hohem Maße dem öffentlichen Zurschaustellen von mehr oder weniger signifikanten männlichen Geschlechtsteilen dient. Darum sollte man in einer Livesendung tunlichst niemals einfach mal reinzappen. Sonst steht man am nächsten Tag auf der Titelseite der Bild. Daronn.de bringt es auf den Punkt: “Chatroulette-Pimmel-Panne bei n-tv”
Da ist wohl jetzt ne Stelle frei…
cd
Prozess gegen Georg R. (Ansbach) findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt
26. Apr
Im Beck-Blog lese ich heute, dass der Prozess gegen Georg R., den Amokläufer von Ansbach, nun doch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird. Der Autor Prof. Dr. Henning Ernst Müller sieht dies Kritisch und beruft sich auf den Beitrag “Maulkorb für die Medien” auf Spiegel Online.
Ich verstehe die Aufregung nicht. Ich finde es eher angenehm, dass die Presse und das Fernsehen warten müssen, bis die Fakten auf dem Tisch liegen und nicht wieder wüste Enten geschmiedet werden, die im Prinzip aus aus dem Kontext gerissenen Satzteilen bestehen…was soll die Berichterstattung auch groß bringen? Er hat ja bereits gestanden und aufgrund der Persönlichkeitsstruktur, die man alleine durch den Modus Operandi mutmaßen kann, wette ich eine Flasche guten schottischen Singlemalt, dass er vermindert oder gar nicht schuldfähig gesprochen wird und anstatt im Gefängnis in der Psychiatrie landen wird, wo er ja ohnehin schon einsitzt…alles andere würde mich überraschen, da ich nicht glaube, dass irgendein Psychiater einem Jugendlichen, der seine Mitschüler mittels Brandflasche aus der Klasse treibt, um ihnen mit der Axt aufzulauern, volle geistige Gesundheit und somit Schuldfähigkeit attestieren wird…schauen wir mal…
cd
Der wahre Unterschied zwischen Deutschland und den USA
19. Apr
Was bekommt jemand in Deutschland, der komisch singt, der Leute bedroht, einen IQ knapp unter Wiener Schnitzel hat, seine Cousine mehrfach schwängert, Kokain nimmt und damit dealt und Freunde hat, die gerne Bars zerlegen? Außer einem Exklusivinterview bei RTL nur den Zorn der Politik und eine Audienz bei DeBulln™. Die Rede ist natürlich vom DSDS-Verlierer und bald Ex-Freund von Dieter Bohlen Menowin Fröhlich. Wo der Unterschied zu den USA besteht? Dort hätte er nur einen Plattenvertrag und Sex mit Mark Medlock bekommen…
cd
Killerspiele gegen Klitschko
22. Mrz
Die Debatte ist alt, die Argumente abgenutzt, trotzdem veranstalteten die Grünen letzte Woche eine Tagung zum Thema “Amoklauf und Computerspiele”.
Dort die -überraschende- Erkenntnis: “Nicht alle Ego-Shooter-Spieler werden zum Amokläufer.”
Der Inhalt des Artikels auf See-Online ist banal. Interessant ist der erste Kommentar:
“Wie kann man ein Theater wegen ‘Killerspielen’ machen, aber gleichzeitig im Fernsehen zeigen, wie 2 Erwachsene sich verprügeln und am Ende noch einer den anderen KO schlägt [...]“
Starkes Argument, wie ich finde…
cd
Fernsehtip: Phoenix-Runde zu Winnenden
09. Mrz
Oje, das wird ein lustiger Spaß. Im Presseportal gibt es die Ankündigung zur Sendung PHOENIX RUNDE: “Ein Jahr nach Winnenden – Wird unsere Jugend immer brutaler?”, Mittwoch 10.03.2010, 22.15. Uhr auf Phoenix.
Reißerisch heißt es dort “Psychologen sind überzeugt: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter ‘Störungen des Sozialverhaltens’.
Mit von der Partie sind die Jugendrichterin Kirsten Heisig, der Streetworker und ehemaliges Gangmitglied (sehr werbewirksam) Fadi Saad, der Pädagoge Wolfgang Bergmann und der Kriminalpsychologe Uwe Füllgrabe.
Die Kostellation und die Fragestellung “Jugendliche und Gewalt – was können wir dagegen tun?” versprechen astreines Popcornkino…
cd
Pornos im Unterricht
05. Mrz
…als hätten wir an den Schulen im Moment keine anderen Probleme…
Gestern surfe ich kurz den Schulspiegel an, weil ich doch sauber recherchierten Qualitätsjournalismus so mag, da springt mich folgende Überschrift an:
Pornografie in der Schule. “Herr Müller, wie nennst du deine Frau beim Se-he-x?”
Offensichtlich ist wieder Flaute an der Bildungsnachrichtenfront, denn Kern des Artikels ist -wie desöfteren- der verzweifelte Pädagogenschrei nach Hilfestellung beim Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, die ja nun dank Youporn und Co ach so viele Pornos konsumieren würden…man müsse da doch eine Handhabe schaffen…
Eine Dame namens Karla Etschenberg, ihreszeichens Professorin für Pädagogik und ehemalige Biologielehrerin, schlägt vor, Pornos einfach in den Unterricht einzubauen und dort zu besprechen…und fordert im gleichen Atemzug, dass Lehramtsanwärter schon an der Uni “eine Selbsterfahrungsgruppe zum Umgang mit der eigenen Sexualität mitmachen.”
Is klar…ich melde mich sofort freiwillig für die Leitung eines solchen Seminars…ich erinnere mich noch sehr gut an die doch noch recht kindlichen Strukturen der Erstsemester, als ich noch Tutor war…vor meinem geistigen Auge habe ich nun ungefähr dreißig wild kichernde bis vor Scham im Boden versinkende Erstis sitzen, nachdem ich den Oberstreber in der ersten Reihe gefragt habe: “Und? Woran denken Sie so wenn Sie sich abends alleine einen keulen? Als Theologiestudent haben Sie doch sicher keine Freundin…”
Ganz großes Kino…
Und überhaupt der Begriff “Selbsterfahrungsgruppe”…mir graut noch bei der Erinnerung an die Gutmenschenzwangsveranstaltung bei einer nicht unerheblich gestörten, wabergewandtragenden Professorin mit langen grauen Haaren, die unwiderruflich in den 68er hängengeblieben war…auf einem Trip vermutlich…sie zeigte fröhlich Baby- und Kinderfotos von sich selbst auf dem Beamer im Hörsaal und war sich dann für die Erklärung des Familienmodells nach Timothy Leary für keine Grenzverletzung zu schade…(“Schreiben Sie bitte nun die Namen ihrer Familienmitglieder und Verwandten auf ein Blatt Papier…dann nehmen Sie sich bitte einige Geldstücke aus Ihrer Börse, um damit einen kleinen Kreis um die Menschen zu ziehen, zu denen Sie ein schlechtes Verhältnis haben und einen großen Kreis um die, zu denen Sie ein gutes Verhältnis haben…”). Wären ihre Masturbationsphantasien noch Gegenstand der Selbsterfahrung gewesen…welch schrecklicher Gedanke…
Ganz ehrlich? Was für ein hanebüchener Blödsinn…der Umgang mit der eigenen Sexualität ist primär in der Erziehung begründet…wer damit locker umgeht, der meistert auch jeden Spruch, jede eindringliche Frage seiner Schüler und jede pubertäre Poserei…und wer mit 20 durch ein eher konservativ-vermeidendes Elternhaus Sexualität noch völlig verklemmt gegenübersteht, den rettet auch kein Seminar und keine Selbsterfahrung..höchstens die, die man auf Wohnheimfeten macht…
Und die pornosüchtigen Jugendlichen?
Sie werden es überleben…das ist das übliche Zeter-und-Mordio-Geschreie, das schon seit Einführung der Groschenromane im letzten Jahrhundert betrieben wird…die Groschenromane haben die Gesellschaft nicht zugrundegerichtet, das Kino nicht, die Comichefte nicht, das Fernsehen nicht, der Videorecorder nicht, der DVD-Player nicht, die Mobiltelefonflatrates nicht und die aktuelle Generation wird auch nicht an Youporn zugrundegehen…da bin ich mir völlig sicher…
Jede Generation hat ihre Medien und wer mit ihnen aufwächst, entwickelt seine eigene Form von Medienkompetenz im Zuge der Benutzung…
Ganz ehrlich…ich vermute in vielen Fällen bloßen Neid…die Jugendlichen haben es so viel leichter, an gute Pornographie zu kommen…
Wir hatten damals zuerst nur den Unterwäscheteil des Otto- oder Neckermann-Kataloges, den man sich abends heimlich ins Bett genommen hat, später dann kamen RTL und Sat.1 mit Hugo-Egon Balder, Tutti Frutti und den Liebesgrüßen aus der Lederhose…Schimanski wurde fast abgesetzt, weil er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen “Scheiße!” schrie usw.
Und? Hat es uns zugrundegerichtet, wie z.B. Neil Postman es damals postulierte? Sind wir alle sexualgestörte Psychopathen geworden?
Schlimmer…die meisten meines Freundeskreises von damals sind genau wie ich nun Lehrer…
cd
Party am Gazastreifen
30. Jan
Tobias Schlegl berichtete es vor kurzem bei Extra 3:
Der Gazastreifen ist für junge Israelis beliebtes Ausflugsziel, um den Krieg mal „nicht nur im Fernsehen“ mitzuverfolgen. Man trifft sich in Gruppen, um die einschlagenden Raketen mit dem Fernglas besser sehen zu können…Frau und Kind sind auch dabei…Spaß für die ganze Familie…naja, zumindest solange, bis einem eine Kazam vor den Füßen einschlägt…
Schauen wir mal, wann es die ersten Pauschalangebote bei uns gibt….
Der Ausschnitt hier:
Extra 3 – Ausflug zum Gaza-Krieg
cd
Feindbild Haribo
25. Jun
Soso, die Grünen haben also den Stein der Weisen gegen die Fettleibigkeit unserer Kinder gefunden:
Sie beantragen, dass vor 20 Uhr im Fernsehen keine Werbung mehr für Süßigkeiten gemacht werden darf…
und das soll dagegen helfen, dass Eltern ihren Kindern als Schulfrühstück allerlei Schokoriegel mitgeben, um sie nach der Schule dann direkt zur amerikanischen Systemgastronomie zu fahren?
…skurril…
cd















