Beiträge mit tag "Evaluation
Immer den Tod des Lehrers mit einkalkulieren…
3Das hier wird die Schüler freuen:
Das Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund stellt einen “Werkzeugkasten” für diverse Bereiche wie Schulevaluation etc. zur Verfügung. Dieser alleine ist schon recht interessant.
Am schönsten finde ich den Realitätsbezug des Bereiches “Schulentwicklungsplanung”. Dort findet man am Ende neben Schülerzahlenentwicklungen und Schülerzuwachs auch die zwar veralteten, aber doch interessanten Sterbequoten.
Ich sehe die nächste Stochastikklausur schon vor mir: “Berechnen Sie, wie wahrscheinlich es ist, dass einer von uns beiden die Benotung dieser Klausur nicht erleben wird.”
cd
Die Lösung des PISA-Problems
2Ich habe den Stein der Weisen gefunden!
Nachdem Peer Steinbrück ja nun sein Konzept der Bad Bank offensichtlich realisieren dürfen wird, ist dies doch eigentlich ein Konzept, das man auch auf andere Bereiche ausdehnen kann…zum Beispiel auf das deutsche Bildungssystem.
Ich habe da folgende Idee:
Wir gründen in jedem Bundesland eine Bad Schule. Nach einer flächendeckenden Evaluation aller Kollegien werden dann alle Bad Lehrer dorthin abgeordnet. Derjenige mit dem schlechtesten Evaluationsergebnis wird automatisch Bad Schulleiter.
Die Frage des Curriculums entfällt, da das Land NRW bereits erfolgreich einen Bad Lehrplan erarbeitet hat. Auch die Raumfrage stellt sich nicht, da das Angebot an Bad Schulgebäuden recht reichhaltig ist.
Unterstützt wird der Bad Lehrplan dann durch Bad Lehrmaterial. Nach einer umfangreichen Bad Vergleichsarbeit werden diese Schulen dann mit Toxic Waste Schülern aufgefüllt. Als Versuchsort empfehle ich das Schulversucherfahrene Bad Sachsa – Schon haben wir die PISA-Krise überwunden, oder?
cd
Dude, you bent my tower – Part III
1Alright, sorry guys, I promised I’d write more in English and haven’t for about a year..but I couldn’t help but notice that more and more anglophone people seem to be interested in my rants about education in Germany…at least the logfiles say so…so finally, here is another part of the „Dude, you bent my tower!“ series:
Alright, I did mention the PISA-shock in the first and second installment.
I also mentioned that they chose politicians to do the job…and as it is the case just about anywhere in the wold, politicians are usually one’s worst choice when it comes to actually solving a problem..and Germany was no different…
After Germany had recovered from the initial blow of „hero to zero in ten easy lessons“, they came up with a whole lot of bright ideas to save the day…they wanted to dominate…and history tells us that whenever Germany tries to dominate, things get ugly very quickly…
To understand why Germany is completely lost when it comes to things other than designing cars, brewing a decent beer and designing nuclear weapons, you must know the key feature of the German people: They’re whiny and impatient…
Whatever happens, it’s -thanks to the marvellous BILD newspaper- always a complete catastrophe and sure to be the knell for all mankind…you thought Woody Allen was depressed? You haven’t seen a German shortly after the reception of bad news then….and the usual reaction is: We demand our truste(e)d politicians (hey Gerhard, how are you getting on with your Russian lessons?) to change the world…within a second or two…
So here’s what German politicians sold as a „solution“
1. They started discussing whether it still made sense that rules and regulations regarding education were state law, not federal law
The idea of having each individual state take care of its schools all by itself might seem a good idea in a country the size of the USA…you can cross Germany north to south or east to west within a couple of hours….so it might not be such a great idea here…still, the bottom line was that education shall remain a matter of state law…
Some of the states, such as Bavaria and my current homestate North Rhine Westfalia have centralized examinations for the finals and interim evaluations (google „Lernstandserhebung“ if you happen to understand German), while other states do not….in those states every single school has a different final examination leading to the „Abitur“…
But not only that…Bavaria and NRW might have introduced centralized examinations….but do they have the very same ones? NOOO….of course not…that would have made too much sense…so even with centralized examinations, Bavaria still has standards different from NRW or other states….completely ridiculing the reason for having a centralized exam in the first place: standardization! Mind you, to get from my home to Bavaria I’d have to hit the Autobahn and drive for a measly four hours….
So, get this: Germany has standards for just about anything. There’s a shitload of DIN-norms….hell..I mean, there probably is a DIN telling you how to pee the proper German way…if I bought an M4 nut in Hamburg and an M4 bolt in Munich, I would trust my life on the fact they’d fit each other perfectly….but if a child from Bremen is -for whatever reason- forced to move to Duesseldorf, it will most likely have to redo a grade because the syllabus is different…how sick is that?
2. They cut the 13th year
They looked at those countries who had surpassed us in the PISA-evaluation and finally considered the thirteenth year in school unneccessary…
I agree..from a practical point of view the knowledge gained in the final year is less than useless…it belongs to the „nice to know“ category, but not knowing these things would hurt no one…especially when we consider the fact that universities retrain all necessary skills to homogenize the students, since they -as mentioned before- all have different levels of knowledge…
So, guess what they did? They cut the 13th year and let the children be? NOOOO….of course not….they DID cut the 13th year, but kept the syllabus!
Result: Even the eleven-year-olds now have to stay in school from daybreak until late afternoon….they kept the syllabus and crammed it into the remaining 12 years…
Well…that’s how it is in other countries you might say…but wait…there’s more ingenuity involved!
Yes, other countries such as Belgium always had their kids stay for much longer than the usual six periods formerly common in Germany…but…they were PREPARED for this…because there is one more thing children need besides love, liberty and Ritalin…children need FOOD every once in a while!
So, guess what just about any school in Germany DOESN’T have? …a canteen!
Okay…cliffhanger,…stay tuned!
cd
Zeugnisse sind unmoralisch
1Es gibt Tage, da möchte man manchen Leuten mit dem Parteibuch den Schädel spalten:
Mir kommt da dermassen der Kaffee der letzten Jahre wieder hoch, dass ich doch mal wieder ungefragt meine Meinung äußere und zusehe, was Google damit macht.
Ob ich Frau Pieper-von Heiden als “NRW-Schulexpertin” bezeichnen würde, lasse ich mal dahingestellt, aber dass diese Dame tatsächlich (und die ist FDP!!!) die Vergabe von Noten auf Spickmich als “unmoralisch” bezeichnet ist Paradebeispiel für die Denkweise, die zur PISA-Katastrophe führt.
Soso…Schüler bewerten ist also völlig in Ordnung…aber wenn man seinen Unterricht plötzlich selbst bewertet sieht, rennt man ganz schnell zum Kadi…interessant…
Ein paar Gedanken dazu, nicht notwendigerweise zusammenhängend:
1. Zum Thema Beleidigung und Diffamierung durch Schüler habe ich schon lang und breit meine Meinung geäußert, das lasse ich mal aussen vor. Das ist nicht schön, gehört aber für mich zum Beruf dazu. “If you can’t stand the heat…”
2. Schüler sind das Expertenteam, keine Hochschulprofessoren oder Minister. Schüler machen den ganzen Tag nichts anderes als zu lernen. Das ist ihr Hauptberuf. Sie sind professionelle Lerner. Sie können am besten entscheiden, welcher Kollege seine Arbeit gut macht und wer nicht. Sie aufgrund ihres Alters zu diskreditieren, in der Richtung “die können das noch gar nicht einschätzen” ist ein Greifen nach Strohhalmen.
Diejenigen, die aufgrund mangelnder Dizzerenzierungsfähigkeit zwischen Person und Funktion als Fachlehrer (…was übrigens bis zu einer gewissen Altersstufe entwicklungspsychologisch völlig normal ist) mich nicht mögen, weil ich eben Englisch-/Mathe-/Deutsch-/BELIEBIGESANDERESFACHlehrer bin, muss ich als professioneller Pädagoge herausfiltern. Der Rest ist als ernsthafte Kritik an meiner Arbeit von meiner Zielklientel zu sehen. Punkt!
3. Ich könnte ausrasten, wenn ich sehe, wie schlecht die Qualitätskontrolle im öffentlichen Bildungssystem ist.
Dass uns der Beamtenstatus von Lehrern das “Scheisse fällt nach oben”-Problem einbrockt, ist hinreichend bekannt und soll hier nicht mehr breitgetreten werden. Didaktische Rohrkrepierer, die ich unmöglich in den Unterricht schicken kann, kann ich, einmal verbeamtet (aus verschiedenen Gründen abseits von Kompetenzen…) nur noch wegloben und wegbefördern und somit einem anderen Kollegium aufs Auge drücken.
In meiner Praktikantenzeit in Schottland habe ich erlebt, dass unangekündigte Unterrichtsevaluation völlig normal ist. Da kommt halt jemand vom Council, nimmt sich einen “classroom monitoring” Bogen vom Stapel im Sekretariat, klopft an eine der Türen, geht rein und macht eine unangekündigte Lehrprobe. Das stört niemanden, denn das ist dort gängige Praxis. Wer nichts kann, bekommt Ärger. Wer bei der zweiten Lehrprobe nichts kann, braucht am nächsten Tag nicht mehr zu erscheinen.
An meiner Universität ist Evaluation ebenfalls normal. Am Ende des Semesters teile ich Evaluationsbögen aus, die der anonymisierten Erfassung der Seminarqualität dienen. Ich bekomme dann eine Woche später die Ergebnisse per Email.
Unter anderem wird evaluiert, ob man sich vorbereitet hat oder eher ein Freund der Türschwellendidaktik ist.
Ist das Ergebnis schlecht, hat sich das mit dem Lehrauftrag erledigt.
Ich bin unter anderem für einen großen deutschen Bildungsträger tätig. Auch dort kann jederzeit jemand in meinen Unterricht kommen. Da nennt man in der freien Wirtschaft “interne Revision”. Ist mein Unterricht schlecht, kann ich mir meine Papiere holen.
Ich habe vor zwei Tagen einen Oberstufenkurs an einem Gymnasium übernommen, in dem eine Reihe von Schülern freiwillig nach dem normalen Unterricht drei weitere Stunden Englischunterricht nimmt, da eine Referendarin im BDU ein ganzes Halbjahr in der 10. Klasse (der Leser vergebe mir die Formulierung, eine andere fällt mir nicht ein) von vorne bis hinten nur Scheisse gebaut hat und diese Schüler in der 11 nun massive Defizite gegenüber ihren Mitschülern haben. Die Kollegin, die diese Schüler nun übernommen hat und ich werden uns nun sämtliche Körperöffnungen aufreissen, um das wieder geradezubiegen.
…möchte mich noch jemand nach dem Grund für die PISA-Ergebnisse Fragen?
Dass in Mangelfächern absolute Vollhonks eingestellt werden, nur um den Betrieb aufrechtzuerhalten, ausgebildet an Universitäten, die für ein Anglistikstudium zwar ein Latinum, aber keine englischen Sprachkenntnisse verlangen und dann die gleiche Kohle erhalten, wie jemand, der hart und schwer und mit hohem finanziellen Aufwand daran gearbeitet hat, um sein Englisch auf Muttersprachlerniveau zu bekommen, erwähne ich nur nebenbei.
Fazit: Keine Qualitätskontrolle – keine Qualität.
So, nun gehts mir besser…
cd














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