Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Beiträge getaggt mit Abitur
Liebe Abiturientia 2010
13. Jun
Es ist wieder soweit. Deutschland sucht den Superlerner!
Für alle, die rausgewählt werden: Keine Sorge, wir sehen uns wieder…in einer Maßnahme der ARGE für Schulversager!
Für alle, die bestehen: Keine Sorge, wir sehen uns wieder…in einer Maßnahme der ARGE für arbeitslose Akademiker!
cd
Weg mit dem Bildungsföderalismus
04. Apr
Ich habe gerade einen Artikel im Satiremagazin DER SPIEGEL gelesen, der sich mit den Ergebnissen einer Umfrage zur Bildungspolitik in Deutschland befasst.
Die Ergebnisse freuen mich einerseits, andererseits sind die Forderungen der Eltern mal wieder jenseits des Machbaren, wobei das keinem Kollegen neu sein dürfte…da mein Job die ganze Bandbreite von Regelschule über Universität bis zur Erwachsenenbildung umspannt, will ich doch auch mal meinen Senf dazugeben.
61 Prozent der Befragten wollen, dass Bildungspolitik Sache des Bundes wird. Endlich! Die Länder würden zwar vom segensreichen Wettbewerb um das “beste Schulsystem” schwärmen, realiter ist das aber ganz großer Mist, denn der wird auf den Schultern der Schüler und der Lehrkräfte ausgetragen…
Was nützt mir hier ein Zentralabitur in NRW, wenn das nicht deckungsgleich mit dem in Bayern ist und Abiturienten, die zum Studium das Bundesland wechseln wollen, vor hohen Barrieren stehen. In der Realität sieht das dann so aus, dass ich an der Uni sowieso wieder bei Adam und Eva anfange, um die unterschiedlich ausgebildeten Erstsemester aus diversen Bundesländern auf einen gemeinsamen Stand zu bringen…und dafür der ganze Aufwand mit Vergleichsarbeiten usw.? Ich denke nein…Umziehen wird auch zur Tortur…bekommt ein Elternteil einen Job in einem anderen Bundesland, können die Kinder fast sicher sein, ein Schuljahr wiederholen zu müssen…in der Oberstufe siehts noch düsterer aus, wenn die in Land A gewählten Leistungskurse in Land B so nicht stattfinden oder gar nicht Teil des Fächerkanons sind (z.B. Unterrichtsfach Psychologie oder Pädagogik). Das ist teilweise innerhalb eines Bundeslandes schon ein Problem oder manchmal sogar innerhalb der gleichen Stadt…zwischen den Ländern jedoch eine Katastrophe…
G8? Kein Kommentar…völlig unsinnig, wenn nicht auch gleich der Lehrplan zusammengestutzt wird..überfordert in der aktuellen Form Schüler, Lehrer und Eltern…taugt die Schule nix, taugt die Schule nix…egal ob auf 13 Jahre gestreckt oder auf 12 komprimiert..
Zusammenlegung von Real- und Hauptschule? Sicher…wenn man glaubt, das Problem zu lösen, indem man den Namen der Institution tilgt…Problem ist die Klientel, nicht die Schulform…und die wird weiter bestehen bleiben…ich verweise an dieser Stelle nochmal auf unsere Ergebnisse…
Kleinere Klassen? Mehr Lehrer? Sicherlich…würde Sinn machen…es ist ja nicht so, als wäre Deutschland hoffnungslos überschuldet….
Lehrerberuf als “zweite oder dritte Wahl”? Um Gottes Willen…der Lehrerberuf ist für die meisten Studierenden natürlich die erste Wahl, um ein gescheitertes Diplom in ein Staatsexamen zu überführen…Nur ein Zyniker würde behaupten, die Studiengebühren hätten dazu geführt, dass jeder Idiot für Lehramt immatrikulieren kann und auch zur Erhaltung der Quote jeder Idiot ein Staatsexamen bekommt…Eignungstests? Fehlanzeige…das sind die Schweizer besser…
aber was rege ich mich auf.. .;-)=
cd
Englisch in der Grundschule sinnlos
22. Jan
Gestern erschien im Schulspiegel ein Artikel über die Erfolge des Englischunterrichtes an Grundschulen mit dem Titel „Effekt gleich null“.
Heiner Böttger von der katholischen Universität Eichstätt hat im letzten Jahr an bayrischen Realschulen und Gymnasium geforscht und herausgefunden, dass 95 Prozent der Lehrer am Ende der fünften Klasse keinen Unterschied mehr zwischen den Schülern mit anglistischer Früherziehung und denen ohne diese bemerkten.
Grundproblem ist hier meiner Meinung nach die Art und Weise des Unterrichts, die mangelnde Standardisierung und die übliche länderweise Eigenbrödlerei im Bildungsbereich…der Effekt ist der, den eine Duisburger Lehrerin im genannten Artikel auch beschreibt: Man muss am Anfang der 5. Klasse wieder von vorne anfangen, um die Gruppe zu homogenisieren.
Der Artikel endet mit den Worten „Möglichst viel Anwendung in einem realen Kontext wäre zum Beispiel gegeben, wenn auch Fächer wie Kunst oder Erdkunde auf Englisch unterrichtet würden. Doch dafür brauchte es zunächst eine bessere Fremdsprachenausbildung – für Lehrer.“
Da finden wir dann auch des Pudels Kern…ich kann hier nur für das Land NRW sprechen, aber ich beobachte in meiner Arbeit folgendes:
Englisch für die Primarstufe wird erst unlängst ausgebildet…entsprechend experimentell waren die Studienordnungen und hanebüchen die Voraussetzungen (z.B. mussten zu meiner Zeit der erste ordenliche Jahrgang Primaten in der Anglistik die für uns Sekundarstufler verpflichtenden Grundlagenseminare nicht belegen (Einführung in die Linguistik, die Literaturwissenschaft etc.)…stellten in den Seminaren dann entsprechend dämliche Fragen und waren letztlich in allem Hinterher…im zweiten Anlauf wurden dann verbindliche Sprachkurse eingeführt
Nun bedeutet dies aber, dass diese Studenten nicht bis zum ersten Schuljahr mit Bedarf an Englischunterricht fertig sein werden. Was tut man hierzulande also? Man qualifiziert bereits examinierte GrundschullehrerInnen nach. Und auch hier gibt es keinerlei Standards…einzig und allein Voraussetzung ist der berühmte C1-Schein, also der Nachweis an Englischkenntnissen auf dem Niveau C1 des Europäischen Referenzrahmens für Sprachkompetenz. Wie bekommt man diesen? Über die freundliche Universität nebenan oder über einen der diversen hierzulande operierenden Bildungsträger bzw. eine Sprachschule. Und dort liegt der Hase im Pfeffer, denn deren Kriterien sind ebenfalls nicht standardisiert, sondern liegen einzig und allein im Ermessen des Trägers…die Praxis zeigt, dass das berühmte Logo der CERTQUA einem nur sagt, ob man bei einem Träger seinen Bildungsgutschein loswird, aber beileibe nicht, ob der Laden was taugt
Die traurige Realität sieht so aus, dass es sich bei Schulen um öffenliche Auftraggeber handelt…und was bedeutet es, wenn ein Unternehmen eine öffentliche Ausschreibung gewinnt? Es war der billigste Anbieter…
Eine vollständige und echte Qualifikation an einer Hochschule dauert sehr lange…2-3 Semester…das will niemand auf sich nehmen und niemand bezahlen…also wird der Weg des geringsten Widerstandes genommen – die Heilsversprechungen privater Anbieter.
Ich bin für unterschiedliche Unternehmen tätig und habe auch länger an einer Universität gelehrt…zu meinen Aufgaben gehört sporadisch auch mal ebendiese C1-Qualifikation für GrundschullehrerInnen…und die Qualitätsunterschiede sind katastrophal…einige Anbieter haben echte Standards – die eben auch etwas kosten und deren Kurse entsprechend lange dauern – andere prügeln das C1-Wissen in Mittvierziger, die seit ihrem Abitur kein Wort Englisch mehr sprechen musste in einem Tempo rein, das zwanzigjährige Studenten an den Rand des Zusammenbruchs bringen würde mit dem Fazit : Die Teilnehmer waren vorher scheisse, die Teilnehmer sind hinterher scheisse, aber nun zertifiziert und besser bezahlt…und sowohl phonetisch wie grammatisch derart grottenschlecht, dass die Kinder einen Mist mitbekommen, den ich in der Sek. I fast nicht mehr korrigieren kann…aber den Staat interessiert ja nur der C1- Schein
Auch hier gilt also wieder mein Credo: Wer die PISA-Schmach ausmerzen will, muss die Lehrerausbildung umkrempeln, nicht die Schule…also muss ganz oben angesetzt werden, nicht ganz unten, denn: Schlechte Unis produzieren schlechte Lehrer, die schlechte Schüler produzieren…
cd
Abi im Alleingang bestanden
26. Aug
Die Schüler aus Freiburg, die ihr Abitur im Alleingang ohne Schule machen wollten, haben es tatsächlich geschafft.
Das bestätigt meine Theorie, dass die effektivste Form des Wissenserwerbs hierzulande jede Form außer der Schule ist
cd
Geschlechterkampf
26. Aug
Soso…nachdem alles daran gesetzt wurde, die Benachteiligten Mädchen mehr zu fördern, damit sie mit den Jungen aufschließen können, schreibt nun der Schulspiegel, dass sich das Blatt gewendet habe. Siehe dazu: „Triumph der Schmetterlinge“.
Dort heißt es:
„Dabei sind die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Schule mittlerweile ein großes Problem. Jungen schneiden in fast allen Bereichen schlechter ab. 47 Prozent der Mädchen gehen auf ein Gymnasium, bei den Jungen sind es nur 41 Prozent. Fast ein Drittel der Mädchen macht Abitur oder Fachabitur, aber nur ein knappes Viertel der Jungen. Die sind im Schnitt eine Note schlechter als die Mädchen. Es gibt deutlich mehr Jungen, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss schaffen. Männliche Schüler werden deutlich häufiger an eine Sonderschule überwiesen.“
Naja…nehmen wir einfach die einschlägige Literatur und tauschen die Begriffe „Jungen“ und „Mädchen“ gegeneinander aus und dann klappt das schon mit der Jungenförderung…
cd
Mehr Spaß mit dem Zentralabitur
24. Jun
Der Spaß geht weiter. Kaum ist die Wiederholungsklausur geschrieben, kursieren schon wieder die ersten Gerüchte, es habe auch diesmal ein Sicherheitsleck gegeben. Spiegel Online ist an vorderster Front dabei.
Gibts im nächsten PISA-Test auch eine Kategorie für Verwaltungsintelligenz?
cd
Wir sind Meister!
08. Jun
Hach ja, wenn einem gar nichts mehr einfällt…
Offensichtlich ist die Gewaltdebatte nicht mehr interessant und das bekannte deutsche Satiremagazin „Der Spiegel“ und andere greifen wieder nach Strohhalmen, um das Sommerloch zu stopfen.
Der neue Bildungsbericht ist noch gar nicht wirklich gedruckt, da kommt uns die grandiose Erkenntnis, dass man sich mit einem mehr oder minder erfolgreichen Hauptschulabschluss in diesem Land eigentlich entweder nur direkt suizidieren oder weiterbilden kann und selbst mit Weiterbildung ist man mit diesem Abschluss ziemlich am das Rektum umgebenden Gewebe, wie der SchulSpiegel berichtet. Ach..mein Gott..das hätte ich ja gar nicht gedacht…das kommt ja alles so überraschend…
Das ist doch nun wirklich nichts neues, dass Deutschland den ersten Platz der Herkunftsoffensive belegt…Akademiker bekommen zwar auch Kinder, die zu dumm zum Kacken sind, aber die bekommen dann ihr Abitur erklagt oder ersponsort oder Mami schläft direkt mit dem Schulleiter…anders kann ich mir meine Erstsemester, die ja den ach so gepriesenen höchsten Bildungsabschluss Deutschlands erworben haben nicht erklären (siehe auch „Stilblüten“).
Zu diesem Problem siehe auch einen etwas älteren Artikel mit dem Titel „Das Studium ist dem Genitiv sein Tod“.
Natürlich ist das hier so…wie soll es auch anders sein, wenn von den höheren Schulformen statt Pädagogik und Bildung eine Entsorgungspolitik zugunsten der Quoten stattfindet…
Leute, findet Euch damit ab! Wenn die Medien jahrelang alles daran setzen, eine bestimmte Schulform derart flächendeckend zu diskreditieren, dass auch wirklich kein einziges gutes Haar mehr an ihr gelassen wird, dann wundert Euch nicht, wenn deren Schüler dann irgendwann nicht mal mehr bei McDonald’s bedienen oder Theologie studieren dürfen…die Geister, die man gerufen hat halt..da bringt es nun auch nichts mehr, nun einen auf betroffen zu machen, weil man das ja alles so gar nicht gewusst hat…
cd
















