Psychologie

Autisten und Berührung

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Ich habe ja bereits in meinem Artikel zu Asperger bzw. Autismus geschrieben, dass Menschen mit dieser Störung eventuell nicht angefasst werden wollen.
Ich selber hasse das auch, wenn Menschen das Verletzen des “personal space” als das “Aufbauen einer positiven Beziehung” missverstehen…ich meine vor allem die alt68er-Sozialarbeiter-lass-ma-drüber-reden-Du-Birkenstockträger-Müslipädagogen, die nicht kommunizieren können, ohne einem mindestens an den Arm zu fassen oder die Hand auf die Schulter zu legen…könnte ich jedesmal akut fremdschädigend werden…für mich ist das kein Beziehungsaufbau sondern Respektlosigkeit…schlechte Erziehung…einfach auf der “macht man nicht” Liste.

Dass man einen Autisten oder Asperger-Betroffenen damit im Extremfall in eine Dissoziation schießt, beschreibt eine Asperger-Betroffene sehr eindrucksvoll in ihrem Blog “Ich bin Autistin – Asperger-Syndrom bei Frauen“. Das Ärgerlichste: Es passierte auf einer Fachtagung zum Thema Asperger!

cd

Qualitätscontent: Grundlagenwerke zur Psychoanalyse

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So, da ich im Moment wieder eine Liste für Seminarliteratur zusammenstelle, heute mal wieder etwas ernstgemeinter Content, und zwar einige sehr empfehlenswerte Werke für Anfänger in der Pschoanalyse:

1. J. Laplanche / J.-B. Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1973

Für Anfänger in der Materie ein unverzichtbares Werk, das auch sehr günstig zu haben ist. Mit vielen Literaturverweisen erklärt “Der Laplanche-Pontalis” alle wichtigen Begriffe der Psychoanalyse von “Abarbeitungsmechanismen” bis “Zwangsneurose”.

2. Freud, Sigmund: Die Zerlegung der psychischen Persönlichkeit, aus “Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, Erstveröffentlichung London (Imago Publishing Co.) 1940, mittlerweile ist Freuds Gesamtwerk im Projekt Gutenberg kostenlos als Download oder gegen geringe Gebühr als CD-ROM erhältlich

In diesem Werk erklärt Freud sein Strukturmodell der menschlichen Psyche aus ICH, ES und Über-ICH

3. Kohut, Heinz: Narzißmus. Eine Theorie der psychoanalytischen Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1976
Kohut entwickelte die ICH-Psychologie Sigmund Freuds weiter, prägte den Begriff des “Selbst” und begründete darauf seine eigene Richtung der Selbstpsychologie inklusive einer Weiterentwicklung von Freuds Narzißmustheorie.

4. Kohut, Heinz: Die Heilung des Selbst, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 9. Aufl. 1981

In diesem Werk arbeitet Kohut seine Selbstpsychologie weiter aus und erklärt ihre Zusammenhänge.

5. Kernberg, Otto F.: Borderline-Störungen und pathologischer Narzißmus, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1983

Objekttheoretiker Otto F. Kernberg erklärt hier seine Weiterentwicklung der Narzißmustheorie und die Überarbeitung des Konzeptes der Borderline-Störung. Da Kernberg die letztere als Kontinuum sieht, verwendet er den Plural.

6. Kernberg, Otto F.: Objektbeziehungen und Praxis der Psychoanalyse, Klett-Cotta 6. Aufl. 1992

In diesem Werk breitet Kernberg seine Theorie der Objektbeziehungen nochmals etwas weiter aus und bezieht sie auf ihre praktische Umsetzung

7. Goffman, Erving: Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität, Frankfurt a.M. (Suhrkamp) 1975

Zwar war Goffman kein Psychoanalytiker, sondern Soziologe, doch zähle ich dieses Werk zu den unverzichtbaren Grundlagenwerken für die Psychoanalyse, da Goffman sich hier mit dem Begriff des Stigmas und dem Selbsterleben psychisch Kranker als “beschämende Andersartigkeit” auseinandersetzt.

8. Mentzos, Stavros: Neurotische Konfliktverarbeitung. Einführung in die psychoanalytische Neurosenlehre unter Berücksichtigung neuer Perspektiven, Frankfurt (Fischer) 1984

An dieser Stelle ist Stavros Mentzos als weiterer großer Denker der Psychoanalyse einzuführen. Auch er entwickelte den Neurosenbegriff, den Narzissmusbegrif und andere Theorien Freuds weiter. In diesem Werk gibt er eine sehr gute Einführung zu neurotischen Mustern, die aber erst nach der Lektüre der vorherigen Werke gelesen werden sollte, da Mentzos teilweise seine eigene, weiterentwickelte Begrifflichkeit verwendet, die sich teilweise ein großes Stück von den ursprünglichen Begrifssbedeutungen der Freudianischen Psychoanalyse unterscheidet.

9. Mentzos, Stavros: Depression und Manie. Psychodynamik und Therapie affektiver Störungen, Göttingen (Vandenhoeck&Ruprecht) 4. Aufl. 2006

In diesem Werk arbeitet Mentzos seine Theorien weiter aus und benutzt das sehr anschauliche “Bankkontenmodell” und das Modell der “narzisstischen Homöostase”, welche beide durch ihre graphische Darstellung sehr einleuchtend sind.

Weiterführendes:

1. Adler, Alfred: Menschenkenntnis, Frankfurt a.M. (Fischer) 1966

Der “ehemalige Psychoanalytiker Alfred Adler”, wie Freud ihn nach dem Bruch mit ihm bezeichnete spaltete sich im Streit von Freuds Mittwochsgesellschaft ab und suchte einen eigenen Weg in die Psychoanalyse. In diesem Werk erklärt er sein Verständnis der Zusammenhänge der menschlichen Psyche.

2. Adler, Alfred: Neurosen. Fallgeaschichten, Frankfurt a.M. (Fischer) 1981

Wer sich in Adlers Theorien weiter hineinlesen möchte, findet hier ein leicht zu lesendes Werk, das einige seiner interessantesten Fälle vorstellt.

3. Schneider, Michael: Neurose und Klassenkampf. Materialistische Kritik und Versuch einer emanzipativen Neubegründung der Psychoanalyse, Reinbek (Rowohlt) 1973

Menschen, die sich fragen, warum die 68er-Bewegung und alt-68er die klassische Psychoanalyse als Kontrollmechanismus des Establishments ablehnen bis hassen, findet hier den historischen Abriss  der Hintergründe und den Versuch einer Versöhnung mit den marxistischen Idealen.

Für Streber:

Lacan, Jacques: Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion, in: Schriften Bd. I, Berlin (Quadriga) 4. Aufl. 1991

Der härteste Stoff, den die Psychoanalyse zu bieten hat: Jacques Lacan. Genial, aber selbst derartig narzisstisch, dass seine Texte durch seine geliebten Wortspielereien fast unlesbar sind, wenn man nicht über ein fundiertes Wissen psychoanalytischer Zusammenhänge verfügt. Absoluter Irrsinn für Menschen, die kein Leben haben. Wem das nicht reicht und über die nötigen Französischkenntnisse verfügt (der fürchterliche Schreibstil ist der Grund, warum sein Werk bis heute nicht vollständig übersetzt ist): Le “je” n’est pas le “moi”. Viel Spaß beim Grübeln

Die Liste ist als Einführung gedacht, darum tauchen Jung, Anna Freud, Mitscherlich, Horney etc. nicht auf…die wird der geneigte Leser sich dann selbst erschließen..

cd

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Geballter Wahnsinn 7 – Von himmlischen Organisationspsychologen und vertikal orientierten Borderlinern

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Oha…ich habe ja schon die eine oder andere abstruse Theorie im Leben gehört und bin auch recht hartgesotten, was Esoteriker angeht…meine härteste Erfahrung bis jetzt war auf einer Tagung zur Borderline-Störung, bei der von Seiten der unvermeidlichen Müslifraktion (spirituelle Lebensberatung, Reiki und der ganze Unsinn) der übliche unwissenschaftliche Bullshit kam…dann stand melde sich ein (promovierter und habilitierter!) psychologischer Psychotherapeut und Analytiker zu Wort…ich dachte, nun geht es endlich zurück zu den Erwachsenen…aber nix…der Typ fing auf einmal an zu erzählen, was für tolle Erfahrungen er bei Borderlinern mit Hilfe der Reinkarnationstherpie (wtf?) gemacht hat…

Heute stolpere ich bei der Recherche für einen Artikel auf die Seite eines Herrn Ralf Maucher. Und der toppt die Nummer noch um einiges.
Auf die Seite gestoßen bin ich über einen Artikel zur Borderline-Störung, Borderline – eine grafische Präzisierung eines unscharfen Begriffs. Eine Grafik im Stile des Kontinuumsmodells von Otto F. Kernberg erwartend, habe ich mir den Artikel mal angeschaut. Als ich im Text dann aber von mehreren Matrizen und dem “vertikal gottverbundenen” Menschen las, wurde ich doch schnell skeptisch…der Artikel “Borderline und Metaebene” schlägt ungefähr in die gleiche Kerbe…welche Matrizen er meint, erklärt er auf seiner “Über mich” Seite…aha…ein Diplompsychologe, der durch “verschiedene Spirituelle Erfahrungen” der exakten Wissenschaft den Rücken gekehrt hat, um die Äthertheorie zu vertreten. Seiner Aussage nach ist er “Mensch, Weiser/Priester und Engel”, das erste auf Matrix 3, das zweite auf Matrix 4 und auf Matrix 5 eben ein Engel…aha…und darauf begründet er seine “Erleuchtungs-Psychologie” und erklärt eben unter anderem die Borderline-Störung als “Festhängen” auf der Matrix 3 (also im dreidimensionalen, nichtspirituellen Raum)…

Vollständig aufgehört mit dem Ernstnehmen habe ich dann beim Artikel “Schlangenmenschen – Schlangen in Menschen“, in dem er im Rückgriff auf eine Bibelstelle den Traum eines Klienten deutet, in dem dieser von einer Schlange gebissen wurde…identifizieren kann ich mich nur mit folgender Stelle:

Für den der nicht erleuchtet ist und der sich auch nicht für Einweihungswege interessiert, sind diese Fragen sicher viel zu spekulativ und er stellt sie sich auch nicht – er wird eher denen, die sie stellen, eine geistige Störung vermuten. Aber dazu hat er kein Recht – schließlich wird hier über einen Bereich spekuliert, der jenseits der Welt des Normalen ist und über den er nichts aussagen kann – also schweigen muß, wenn er sich nicht überschätzt.

Ja, ich gestehe…ich gehöre als klassisch ausgebildeter Wissenschaftler zu denen, die hier eine geistige Störung vermuten…oder Geschäftstüchtigkeit. Denn Herr Maucher verlinkt auf seiner Seite nicht nur auf seine “Mobilfunk macht krank” Seite, sondern auch noch auf einen Webshop, in dem er “Feinfeldformer” anpreist…das Stück zu (je nach verwendeten Materialien) entweder € 355,00, € 450,00, oder in der Premiumversion zu € 540,00…wobei er aber gleichzeitig klarstellt:

Wir machen keinerlei Aussagen zu einer Wirksamkeit und weisen darauf hin, daß die zur Herstellung führenden Überlegungen keine dreidimensional-wissenschaftlichen Entsprechungen haben.

Janeeisklaar…SCHWESTER! EINHUNDERT MILLIGRAMM HALOPERIDOL IN EINE NACL JAGEN UND DANN DRUCKINFUSION…FLASCHE ALLE ZEHN MINUTEN WECHSELN!

cd

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Auf allen Vieren durch die Anamnese

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In Doctors Blog stoße ich gerade auf ein höchst interessantes Angebot des New England Journal of Medicine: Stalking the Diagnosis
Dort kann man (auf Englisch) ein Spiel gegen virtuelle, aber menschliche Kollegen spielen. Die “Interactive Medical Cases”. Es wird ein Patient vorgestellt und man muss entsprechend handeln und Behandlungen anordnen. Wer also immer schonmal Dr. Hous spielen wollte, ohne dabei seine Station signifikant zu entvölkern, der kann sich hier austoben. Allgemeinmedizin ist zwar nicht mein Feld, aber ich werde versuchen, mit dem Karzinom der Patientin so lange über seine Mutter zu reden, bis es freiwillig suizidiert…

cd

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Darth Vader hat Borderline

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Die schlimmsten Dinge auf der Welt passieren, wenn Wissenschaftler zu viel Zeit haben. Diese Aktion finde ich aber ziemlich stylish: Wie Nerdcore heute schreibt, hat Jeremy Hsu von LiveScience sich Krieg der Sterne noch einmal etwas genauer angesehen und eine Diagnose von Anakin Skywalker bzw. Darth Vader erstellt. Der Lord der dunklen Seite der Macht erfüllt die Diagnosekriterien für die Borderline-Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV…;-)

LiveScience: The Psychology of Darth Vader Revealed

cd

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Psychologie: Autismus und Asperger

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Durch einen call for bloggers auf der special-needs Webseite www.able2able.com habe ich vor kurzem einen englischen Artikel zum Thema “Autismus und Asperger” veröffentlicht. Für die, die des Englischen nicht mächtig sind, heute die deutsche Übersetzung:

Weil ich seit längerer Zeit keinen ernsthaften Artikel mehr verfasst habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und einen solchen aus der psychologischen Perspektive, statt aus der Sicht eines Elternteils oder eines Betroffenen verfassen. Meine Ratschläge an Eltern, die vor kurzem die Diagnose für ihr Kind bekommen haben:

1. Vor allem: Stellen Sie sicher, dass die Diagnose wasserdicht ist! Trauen Sie keinen Vermutungen oder dem Bauchgefühl eines Allgemeinmediziners (das ist keine Abneigung gegen Generalisten, sondern lediglich das Credo, dass jede Diagnose von einem Spezialisten verifiziert werden sollte). Wie für jede andere Störung definiert das “Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Revision IV (DSM-IV)” der American Psychiatric Association zusammen mit der “International Classification of Diseases, Revision 10 (ICD-10)” genaue Diagnosekriterien für Autismus und Asperger und es gibt eine Reihe standardisierter Tests, die von qualifizierten Psychiatern (am besten ein Kinderpsychiater), klinischen Psychologen und (psychologischen) Psychotherapeuten, zusammen mit neurologischen Diagnoseverfahren durchgeführt werden können, um die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Störung zu ermitteln. Die Dauer des Tests hängt vom individuellen Fall ab. Größere Kliniken bieten zur Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Mutter-Kind-Zimmer oder Eltern-Kind-Zimmer an, sodass ein oder beide Elternteile während der Dauer des Aufenthaltes ständig bei ihrem Kind sein können.

2. Die Diagnose ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Wenn die Diagnose von einem Experten bestätigt ist, müssten Sie über die Art der Störung (Autismus, Asperger) und das Ausmaß der Störung (z.B. auf der Autismus-Skala) sowie Therapiemöglichkeiten, die dazu dienen, die Fähigkeiten Ihres Kindes zu verbessen, aufgeklärt worden sein. Suchen Sie nicht nach “Normalität”, die es ohnehin niemals gibt, sondern streben Sie nach individueller Verbesserung, nach den individuellen Fähigkeiten ihres Kindes. Und behalten Sie im Hinterkopf, dass die Entwicklung eines Kindes sehr schwer vorauszusagen ist. Während in den meisten Fällen von Asperger ein hoher Grad an Funktionalität bezogen auf soziale Interaktion, Lernen und Erziehung, Berufsausbildung, Arbeitsleben etc. erreicht werden kann, werden schwerere Fälle aus dem Autismus-Spektrum ihr Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen sein. So zynisch wie es auch klingt – Sie werden nicht ewig leben! Ziel sollte also nicht sein, so lange wie möglich für Ihr Kind da zu sein, sondern ihm von Anfang an zu helfen, ein innerhalb der Grenzen der Störung autonomes Leben zu führen.

3. Lernen Sie, auf der digitalen, statt der analogen Ebene zu kommunizieren. Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Kommunikation ist eine Differenzierung des Psychologen Paul Watzlawick. Die digitale Kommunikation einer Aussage bezeichnet die Sachebene der Nachricht, während die analoge Kommunikation den Kontext, sowie Mimik, Tonfall und Körpersprache umfasst, also die Nachricht “zwischen den Zeilen”. Jede gesprochene Aussage kann man als sogenannten Sprechakt interpretieren, der sich in seiner Bedeutung vom semantisch Gesagten unterscheiden, oder ihm sogar entgegengesetzt sein kann. Sie können beispielsweise eine Person direkt bitten, das Fenster zu schließen oder die Heizung höher zu drehen, oder aber Sie sagen nur “Mir ist kalt!” Auf der digitalen Ebene ist diese Aussage eine reine Zustandsbeschreibung, während sie auf der analogen Ebene als Aufforderung, diesen Zustand zu ändern verstanden wird. Andere Sprechakte haben überhaupt keine digitale Bedeutung, sondern dienen rein als soziale Geste. Sie sagen beispielsweise als Gruß “Guten Morgen” oder “Guten Tag”, auch wenn es Sie überhaupt nicht interessiert, wie der Morgen oder der Tag des Anderen ist. Es ist ein reines soziales Ritual ohne echte Inhaltsebene.
Ein häufiges Symptom bei Autismus und Asperger ist der sogenannte “Literalismus”. Dieser beschreibt Schwierigkeiten oder totale Unfähigkeit, auf der analogen Ebene kommunizieren zu können und somit die Unfähigkeit, Sprechakte, die ihre Bedeutung durch soziokulturellen Kontext bekommen, zu verstehen. Ein Mensch mit Autismus oder Asperger wird eine Aussage fast immer wörtlich nehmen, somit zielt ein großer Teil der Therapie auf das Vermitteln der tieferen Bedeutung bestimmter Aussagen, um die sozialen Kompetenzen des Patienten zu verbessern. Das gleiche gilt für Körpersprache und Mimik. Autisten und Asperger-Patienten haben teils große Schwierigkeiten, Gesichtsausdrücke zu deuten und ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet werden immer begrenzt bleiben. Während Menschen ohne Autismus oder Asperger diese Dinge im Sozialisationsprozess durch mimetische Prozesse verinnerlicht haben, müssen Kinder mit Autismus oder Asperger Dinge, die für uns “normal” oder “sozial akzeptables Verhalten” sind, durch Erklärung erlernen. Dieses Symptom ist eines der schwierigeren, da Defizite auf der analogen Ebene oft als “Unerzogenheit”, Unhöflichkeit oder gar als Feindseligkeit interpretiert werden, vor allem von Kindern. Daher:

4. Behalten Sie die Beherrschung! Wenn Ihr Kind unerwünschte Reaktionen zeigt, liegt dies meist daran, dass es Ihre Nachricht nicht verstanden hat. Nicht auf ein “guten Morgen” zu reagieren ist keine Unhöflichkeit oder Feindseligkeit – das Kind mit Autismus oder Asperger versteht schlichtweg nicht, warum es auf eine bloße Zustandsbeschreibung, wie Sie Ihren Morgen finden, reagieren soll. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind auf nonverbale Signale oder Gesichtsausdrücke entsprechend reagiert. Sagen Sie lieber “das macht mich ärgerlich”, anstatt nur ein verärgertes Gesicht aufzusetzen. Stellen Sie direkt formulierte Fragen (“Wie geht es Dir?” statt “guten Morgen”). Verwenden Sie keinen Sarkasmus, keine Ironie und keinen Zynismus. Diese Stilmittel stellen ein autistisches oder Asperger-Kind vor eine unlösbare Aufgabe. Verstehen Sie Kommunikationsverweigerung nicht als Ablehnung! Je nach Schweregrad der Störung möchte Ihr Kind vielleicht überhaupt nicht mit ihnen kommunizieren, möchte von Ihnen nicht berührt werden oder möchte nicht einmal, dass Sie in seiner Nähe sind. Akzeptieren Sie das ohne sich abgelehnt zu fühlen. Einem autistischen Kind ist die analoge Bedeutung einer solchen Geste schlichtweg nicht bewusst.

5. Nichts erzwingen! Eine verbreitete Therapiemethode für autistische Kinder war früher die Festhaltetherapie nach Dr. Jirina Prekop. Die Grundidee hinter der “haltenden Umarmung” war, dass man Kinder an physischen Kontakt gewöhnen konnte, hielt man sie so lange (gezwungen!) fest, bis sie aufhörten, sich zu wehren. Diese Methode wird heutzutage (außer von einigen Hardlinern der Prekop’schen Lehre) nicht mehr angewendet, da sich das Verständnis des Autismus grundlegend verändert hat. Die aktuellen Modelle gehen davon aus, dass diese Form der Therapie den Kindern mitnichten beibringt, physischen Kontakt zu “mögen”, sondern nur, ihn zu ertragen und wird deshalb als unethisch betrachtet. In Deutschland hat es bereits einige erfolgreiche Klagen gegen Erzieher und Therapeuten gegeben, die diese Methode noch anwenden. Es gibt Patienten, die physischen Kontakt nach einer Weile tolerieren, während andere dies niemals erlauben. Es gibt keine wirkliche Methode, dies zu ändern und die Toleranz variiert von Fall zu Fall.
Akzeptieren Sie, dass Autisten und Asperger-Patienten in einem hohen Maße in ihrer eigenen Welt leben. Es gibt keine Möglichkeit, sie dort heraus zu zerren. Die einzige Möglichkeit ist, ihr Vertauen soweit zu gewinnen, dass sie zulassen, Sie in ihre zu lassen. Und es ist ihre Entscheidung, welchen Stellenwert Sie in ihrer Welt haben. Wie ich bereits sagte: Nehmen Sie dies nicht als Affront oder Ablehnung- das ist die Art, wie ein Autist seine Welt interpretiert.

6. Es wird sich nicht “rauswachsen”. Bestimmte Persönlichkeitsstörungen haben, wie beispielsweise einige Formen der Borderline-Persönlichkeitsstörungen, die Tendenz, mit zunehmendem Alter “auszubrennen”. Dies trifft aber nicht auf Störungen aus dem Autismus-Spektrum und Asperger zu. Es gibt Raum für Verbesserungen, aber abhängig vom Schweregrad der Störung werden bestimmte Symptome mehr oder weniger so bleiben wie sie sind. “Hochfunktionale” Autisten und Asperger-Patienten können zu einem hohen Grad erlernen, sich in die Gesellschaft einzufügen, aber auch dies ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt keine regelrechte “Heilung”, da Autismus und Asperger Störungen sind, keine “Krankheiten”.

7. Halten Sie sich fern von klinischer Literatur und der Wikipedia! Einer der häuftigsten Effekte, die wir bei Laien beobachtet haben, wenn sie mit klinischer Literatur und anderen mehr oder weniger zuverlässigen Quellen konfrontiert werden, ist, dass Laien durchaus die statistische Information aus diesen Quellen zusammen mit den Prognosen verstehen können, aber haben (aus Mangel an klinischer Erfahrung) keine Referenz, wie wahrscheinlich die Dinge eintreten werden, über die sie gelesen haben. Normalerweise führt klinische Literatur ohne einschlägige Vorbildung eher zu mehr Unsicherheit als Sicherheit. Statistische Daten, die Sie nicht vollständig interpretieren können, werden Ihnen ehrer Angst machen, als Ihnen zu helfen. Wenn Sie Fragen zu Ihrem Kind haben, stellen Sie sie einem Fachmann, der diese dann anhand der individuellen Struktur Ihres Kindes beantworten wird. Ich werde Ihnen hier keine Zahlen oder Tabellen an die Hand geben, denn in der klinischen Realität hat alles eine Wahrscheinlichkeit von 50% – es trifft entweder zu, oder eben nicht. Prozentzahlen über die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind Symptom X oder Y entwickeln wird werden Ihnen nicht helfen, denn entweder hat Ihr Kind Symptom X oder Y, oder nicht…
Eine andere “Nebenwirkung” klinischer Literatur, die auch bei Studenten und oft bei ausgewachsenen Klinikern zu beobachten ist, ist das Problem der Projektion. Wenn Sie von Symptom X lesen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dieses Symptom auch an Ihrem Kind entdecken werden – nicht weil es wirklich da ist, sondern weil das Lesen Ihre Aufmerksamkeit auf dieses Detail gelenkt hat…der alte Spruch lautet da: Wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…
Die bessere Herangehensweise ist: Beobachten Sie und wenn Sie etwas “komisch” finden, DANN fragen Sie nach…lernen Sie keine Seiten aus dem ICD oder DSM auswendig…Sie werden doch nur Gespenster sehen…

Ok, so viel im Moment zu diesem Thema..ich hoffe, einige Dinge sind hilfreich.

cd

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Fanpost – Zu Sinn und Funktion der Verschwörungstheorie

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Zwischenzeitlich gerät man auch an gemäßigte Vertreter der Verschwörungstheorie. Ich hatte heute einen Mailwechsel mit einem etwas prominenteren Mann der Szene, der mir das Veröffentlichen genehmigte, solange anonym bleiben darf. Dem komme ich hier nach, weil ich in meiner Antwort recht knapp mein Verhältnis zu Verschwörungstheorien zusammenfasse…
Wer differenziert fragt, bekommt eine differenzierte Antwort: (weiterlesen …)

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Daniel Cohn-Bendit soll der neue Mixa werden…

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Oha, jetzt wo Mixa zurückgetreten ist und sich im Strafverfolgungsverfahren befindet, geht den Zeitungen plötzlich der Stoff für Skandalmeldungen zu Kindesmissbrauch aus…also wird in den Archiven gebuddelt und geschaut, was man nun noch so alles an “Enthüllungen” präsentieren kann. Die beliebte Historikerin Eva Herman hat sich als neues Ziel den ewig-68er, Odenwaldschüler und Grüne-Politiker Daniel Cohn-Bendit ausgesucht. Sie schreibt im Kopp-Verlag: Fassungslosigkeit. Warum Walter Mixa gehen musste und Daniel Cohn-Bendit immer noch da ist. Infowars hat den Artikel nebst Video übernommen.

Stein des Anstoßes ist die Zeit der sogenannten “Kinderladenbewegung“, ein Begriff, der meiner Generation und den noch Jüngeren nur noch bedingt etwas sagen dürfte. Kern der Erziehung in den Kinderläden war, neben einer antiautoritären Ausrichtung, auch der Grundsatz, dass kindliche Sexualität nicht zu unterdrücken sei. Es sind in den Protokollen der damaligen Zeit etliche sexuelle Kontakte zwischen Erziehern und Kindern dokumentiert. Cohn-Bendit selbst beschrieb diese Ereignisse in seinem Buch “Der große Basar“, was bereits 2001 von der “Schweizer Zeit” im Artikel “Der Kinderschänder” aufgegriffen wurde. Cohn-Bendit hat in seiner Zeit mit den Grünen mehrfach Gesetzesentwürfe ausgearbeitet, die “gewaltfreie Sexualität” zwischen Minderjährigen und Erwachsenen straffrei stellen soll. (vgl. z.B. Artikelreihe “Sexuelle Gewalt an Kindern: Politisch akzeptierte Wirklichkeit?“, ebenfalls von Eva Herman).

Was für die heutige Generation unvorstellbar klingt, war damals ein revolutionär neuer Ansatz der Erziehung als Kontrast zum Konservativismus und der Autorität Erwachsener. Transparenter wird die Debatte, wenn man sich folgende Positionen zu Gemüte führt:

1. Lloyd deMause: “Hört Ihr die Kinder weinen. Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit”, Frankfurt 1977 (Original New York 1974) und
2. Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit, München/Wien 1975 (Original Paris 1960)

Zwei gegensätzliche Positionen zum Begriff der Kindheit. Während Ariès die Ansicht vertritt, die künstliche “Erfindung” von Kinheit hat das ursprünglich glückliche (wenn auch von viel Unfall, Krankheit und Tod begleitete), von Kontakten mit “Verschiedenen Klassen- und Altersstufen” geprägte  Leben der Kinder zu einem unglücklichen, von Strafe (“Rute und Karzer”) und durch Erwachsene fremdbestimmten Leben gemacht, vertritt deMause die Ansicht, die Erfindung der Kinheit sei ein Segen, der zum beschützend-lenkenden Verhältnis der Erwachsenen zu Kindern führte, weg von der Kindstötung in Antike und Mittelalter.

Tiefer will ich da gar nicht hineingehen, sondern empfehle nur diese beiden Bücher als Grundlagenliteratur der Debatte. Der Bezug zum Thema aber ist, dass der Blick auf Entwicklung mit der unterliegenden Theorie steht und fällt. Da die 68er fast alle Formen der Autorität verneinten, war daraus eine der logisch notwendigen Konsequenzen, auch bei der sexuellen Entwicklung nicht autoritär einzugreifen. Als Einführung in die 68er: Rudolf Sievers (Hrsg.): 1968. Eine Enzyklopädie, Frankfurt a.M. 2004

Mein persönlicher Senf dazu ist: Das wird immer ein schwieriges Thema bleiben…zwar sollte heute klar sein, dass man den Kindern nicht die Masturbation mit “davon wirst du blind” oder “Gott wird dich strafen” und damit das Entdecken eigener Sexualität sauer machen sollte, aber im interpersonellen Verhältnis zwischen Erzieher und Edukand sind die Grenzen bisweilen fließend…meine Philosophie ist da, lächelnd aber nicht strafend oder tabuisierend abzulehnen, auch bei pubertären “Übergriffen” und Flirtversuchen von Schülerinnen (was aber mit steigendem Alter ohnehin nachlässt…ich glaube, ich verliere langsam mein Mojo…), die jedem Lehrer und jeder Lehrerin im Laufe der Karriere immer mal begegnen werden…versucht man aber, der Sache theoretisch fundiert habhaft zu werden, so wird man immer eine mehr oder weniger breite Ambiguität feststellen, die von mangelnder Neutralität gegenüber dem Thema begleitet ist…ungefähr so, wie das Frauenbild und das Familienkonzept unter Hitler…
Liebe Frau Herman: Wer sich so derbe mit dieser Form von Ambiguität (und um die müssen Sie gewusst haben…) in die Nesseln setzt und den Interviewern ins lange gesehene offene Messer läuft und sich auf eine “neue Interpretationsweise” beruft und sich als falsch verstandenes Opfer der Medien darstellt, sollte sich bei anderen, die es zu ähnlich kritisch behafteten Sachverhalten Ihnen gleich tun, nicht so weit aus dem Fenster lehnen…das wirkt schief und wie journalistischer Opportunismus, weil das Thema ja gerade Leser verspricht…eine eher schwache Nummer…

cd

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An die Studierenden aus dem Gewaltseminar der Folkwang-Universität

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Liebe Studierende,

da ich wie alle braven Promovenden um diese Uhrzeit noch mit Trinken Arbeiten beschäftigt bin, bitte ich Sie als Studierende einer Kunsthochschule zur nächsten Seminarsitzung folgende Kernfragen der 68er-Revolution, ohne die ein tieferes Verständnis der Psychopathologie des jugendlichen Amoktäters nicht möglich ist, selbständig bis zum nächsten Donnerstag zu erarbeiten:

1. Wer war Syd Barrett?

2. Welchen Bezug hat David Gilmour zu den Thesen von Timothy Leary?

3. Wer ist Floyd und warum ist er rosa?

Eine mündliche Ausarbeitung ist ausreichend…

cd

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Revolutionäre Behandlungsmethode bei AD(H)S: Erziehung statt Ritalin

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Oha! Wenn man einiges an Forschungsgeldern raushaut, bekommt man auch revolutionär neue Ergebnisse…so geschehen in Nottingham, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet.

Eine Gruppe von AD(H)S Kindern mussten bei einem simplen Computerspielen beim Erscheinen eines grünen Aliens auf dem Bildschirm auf einen Knopf drücken, bei einem schwarzen Alien nicht. Die Kontrollgruppe bekam Ritalin, bei der Experimentalgruppe wurde auf das Medikament verzichtet, im Erziehungsstil aber Erfolge sofort und konsequent belohnt, Fehler sofort und konsequent sanktioniert. Resultat: Die Experimentalgruppe schnitt im Ergebnis fast so gut die die Kontrollgruppe ab…das EEG lieferte die Bestätigung, dass die Kinder der Experimentalgruppe ähnlich erhöhte Aufmerksamkeit zeigen, wie die Kinder auf Ritalin.

Interessant finde ich, dass dies als so bahnbrechende Neuerung gefeatured wird…dass Kinder näher an Pawlow als an Freud sind, sollte hinlänglich bekannt sein. Im Unterricht macht man das in den untersten Klassen jeden Tag. Dann vergrößert man die Intervalle, um eigenmotiviertes Lernen zu trainieren. In der Didaktik ist das als “intermittierendes Modell” bekannt und der Grund, warum man in der 5 so viele und in der 13 kaum noch Arbeiten schreibt. Ich bleibe bei der These, die ich letztens beschrieben habe: Lasst Eure Kinder von einem Neurologen oder Kinderpsychiater untersuchen…
Gut, wir haben nun erwiesen, dass das Belohnungssystem bei AD(H)S-Kindern funktioniert…aber die klassische Konditionierung der Kinder findet da ihre Grenzen, wo sie die Schule, eben durch besagtes intermittierendes Modell, sie überholt und ich immer mehr zum operanten Konditionieren übergehen muss…spätestens dann wird bei echtem AD(H)S wohl doch Ritalin fällig sein…ich halte aus dem Bauch heraus die Methode sogar für schlechter, da im Rahmen Schule die Bedingung, dass gute Leistung sofort belohnt wird, aufgrund der Schülerzahl fatisch nicht hinzubekommen ist…gewöhnen sich die Kinder durch diese Erziehungsform daran, gibts spätestens in den höheren Klassen ein Problem, wenn ich den Schüler X heute mal nicht so würdigen kann, wie er es gerne hätte…naja, schauen wir mal…ich hätte gerne noch eine zweite Experimentalgruppe, die Haldol statt Ritalin bekommt…rein interessehalber…

cd

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