Ein Lehrer bloggt über: Amok – Schule – Bildung – Pädagogik – Psychologie – Gewalt
Pädagogik
ADHS und Ritalin 2
06. Jul
Im Verhaltensoriginell-Blog lese ich einen Eintrag, der mal wieder die ganze Bandbreite der Ritalin-Debatte zeigt. Offensichtlich hat sich der Wirkmechanismus von Methylphenidat immer noch nicht überall herumgesprochen, bzw. wird von RTL und Co. mit dem üblichen Sensationsjournalismus und seinen Horrorgeschichten überschrieben…
Stein des Anstoßes ist der Artikel “Studie: ADS/ADHS-Kinder sind mit Ritalin leistungsfähiger” beim Lehrerfreund. Der Lehrerfreund lässt sich leider in Bezug auf die aktuelle Studie zu der Wirksamkeit von Methylphenidat von Prof. Richard M. Scheffler von der University of California hinreißen. Er verfällt sofort in die Klischeeschiene, fordert unter Rückgriff auf Dr. Gumpert “alternative Heilmethoden” und unterstellt den eher Medikamente empfehlenden Scheffler natürlich sofort in die Ecke der Pharmalobby.
Das mit den alternativen Heilmethoden ist völliger Bullshit. Haben wir genuines AD(H)S, haben wir es mit einer hirnorganischen Störung zu tun, die zwar verhaltenstherapeutisch handhabbar gemacht werden kann, aber ohne Medikamente ziemlich fruchtlos bleibt. Der erste Kommentator des Beitrages schreibt direkt richtigerweise, dass Methylphenidat die Therapiefähigkeit erst einmal überhaupt herstellt. Natürlich bringt Ritalin nix, wenn die Diagnose nicht stimmt, aber das habe ich in einem anderen Artikel ja schon lang und breit erklärt…
Interessanter als die Artikel an sich sind aber die Kommentare. Eine Auswahl: Mehr >
Das Problem der empirischen Schulforschung
24. Jun
Ich lese gerade einen kurzen Artikel bei Herrn Rau, der sich auf ein Interview mit Dr. Martin Wellenreuther bezieht. Es geht um die empirische Überprüfung von Schultheorie und den “Feldtest” vor ihrer Umsetzung. Ich habe ja einige Jahre in der Schulforschung zugebracht und das Problem lässt sich eigentlich sehr knapp umreißen, wenn man im schulpädagogischen Gedankenexperiment mal so arbeitet, wie die richtigen exakten Wissenschaften:
1. Wir brauchen erstmal eine Forschungsfrage. Also z.B. “Was sind die Faktoren, die die Abbrecherquote einer Schülerpopulation beeinflussen?”
2. Dann geht man ins Feld. Man braucht natürlich eine breite Basis um möglichst alle Schulformen, Standortfaktoren usw. ins Modell zu bekommen – dafür bräuchte man mehr Feldforscher, als es in Deutschland gibt…einzige Lösung wäre, den Studenten das aufzuzwingen..als Pflichtseminar gewissermaßen. Die Beobachtung muss strukturiert und immer wieder auf bestimmte Dinge zentriert und auf die ersten Hypothesen hin ausgerichtet werden…allein der Prozess der Beobachtungsphase kann sich so über ein halbes Jahr hinziehen.
3. Hat man genug Daten, muss man das Zeug standardisieren und SPSS damit füttern (das richtige Modell nicht vergessen!). Dann bekommt man wenn man Glück hat irgendwo eine Korrellation. Dann stellt man eine These zur experimentalen Überprüfung auf. Z.B. “Wie beeinflusst die Sozialform die Lernleistung?”
4. Nun hat man die These und plant einen Versuchsaufbau. Da geht es schon los, denn wir müssten am Objekt experimentieren, also echte lebendige Schüler einer standardisierten Umgebung aussetzen, bei der wie die auf dem Papier korrellierenden Variablen gezielt beeinflussen können. Die nötige Schule zu finden, die das mitmacht und dann noch Eltern zu finden, die unterschreiben, dass wir an ihren Kindern herumexperimentieren dürfen sind recht schwer zu finden…eine Kontrollgruppe bekommt man noch am ehesten zusammen. Das ganze müsste natürlich auch wieder heterogenisiert werden, um signifikant zu sein…also möglichst viele verschiedene Schulen, Milleus etc. mit dem entsprechenden Personal- und Materialaufwand.
5. Nehmen wir mal an, wir haben einen Milliardär gefunden, der unsere These schon immer mal erforscht sehen wollte und stattet uns mit einem ausreichenden Geldbetrag aus. Nehmen wir weiter an, wir haben genügend Schulen und Eltern, die ihre Kinder der Wissenschaft opfern wollen und genügend Studenten, die wieder ungefähr ein halbes Jahr ins experimentelle Feld gehen und erheben und auswerten, dann haben wir irgendwann die Faktoren isoliert, die einen Einfluss auf den Gegenstand der Untersuchung haben. So ist schon mindestens ein Jahr wenn nicht mehr ins Land gegangen.
6. Jetzt gehen wir ans Reißbrett und konstruieren ein Schulkonzept, das die relevanten Faktoren eliminieren oder zumindest deutlich reduzieren soll. Wir haben immer noch unseren Milliardär an Bord, der uns ein Ding wie die Glockseeschule hochzieht und uns das ganze schenkt. Damit haben wir die Schule für einen Schulversuch.
7. Jetzt brauchen wir wieder Personal, das komplett neu eingearbeitet werden muss, da die neuen Methoden ja experimentell sind. Das dauert wieder eine Weile..
8. Jetzt müssen wir Eltern finden, zu denen wir sagen können: “Hallo…möchten Sie Ihr Kind auf eine Experimentalschule mit völlig unerprobtem pädagogischem Konzept schicken, damit wir sehen können, was passiert? Könnte natürlich sein, dass Ihr Kind davon für immer versaut ist…aber wir brauchen empirische Daten” und diese Eltern willigen ein (zur Not machen wir das mit Heimkindern…) und wir bekommen die Klientel auch noch heterogenisiert…wie lange dauert dann dieser Schulversuch? Ungefähr 25 Jahre…
Warum so lange? Nun, die Schüler werden mit 6 eingeschult…dann beschulen wir sie bis Klasse 12 = 12 Jahre. Zweimal kann man sitzenbleiben (wenn man das Sitzenbleiben nicht aus dem Modell entfernt…), also sind nach maximal 15 Jahren alle Testschüler durch. Dann wissen wir aber nur, welche theoretische Lernleistung sie erbracht haben. Der Feldtest geht weiter. Die gehen nun alle in die Ausbildung oder an die Uni. Für einen ordentlichen Studiengang plus Partysemester veranschlagen wir also 10 Semester = 5 Jahre…für die, die in die Berufsausbildung gehen, sinds auch mindestens 3 Jahre. Kommen wir, wenn wir die Univariante nehmen schon auf 20 Jahre….die Absolventen müssen aber auch erstmal einen Job finden, dort eingearbeitet werden, etc…dafür geben wir nochmal 5 Jahre, bevor wir den Erfolg unserer Versuchsschule daran messen können, wie der berufliche Status der Schüler nach der ganzen Geschichte ist…ob sie also mehr verdienen, bessere Positionen haben als Schüler aus dem Regelsystem, ob sie gleich gut sind ,oder totale Versager..
Der Witz ist, nach diesen 25 Jahren stellen wir eventuell fest, dass unser Modell in der Praxis nichts taugt…und dann fangen wir wieder bei Schritt 1 an…die Menschen im Lande erwarten aber, dass wenn ihnen etwas nicht gefällt, die Politik das innerhalb von ein paar Wochen regelt, ansonsten wird sie abgewählt…und dann bricht man Pseudoreformen übers Knie und ignoriert sämtliche Wissenschaft…so viel zum Thema empirische Schulforschung…
cd
Wie man aus der Waldorfschule fliegt
21. Jun
“Steiner? Hat der nicht an der Ostfront das eiserne Kreuz bekommen?”
cd
EDIT: Sorry, ich muss da was verwechselt haben…Steiner war ja der, der erst Pornos gedreht hat und dann Volksschauspieler wurde…
Kampfpiloten mit Raucherlunge
08. Jun
Aha, die Jugend ist also doch nicht so fertig, wie die ältere Generation es ihr immer vorwirft. Ein Forscher der Universität Essex hat nun herausgefunden, dass jugendliche Gamer zwar die Fitness eines 60-jährigen Rauchers haben, dafür haben sie Reflexe, die einen Kampfpiloten den Helm ziehen lassen…der Preis des Spezialismus
Pressetext Austria: Gamer haben Finesslevel von 60-jährigem Raucher
cd
Psychologie: Autismus und Asperger
05. Jun
Durch einen call for bloggers auf der special-needs Webseite www.able2able.com habe ich vor kurzem einen englischen Artikel zum Thema “Autismus und Asperger” veröffentlicht. Für die, die des Englischen nicht mächtig sind, heute die deutsche Übersetzung:
Weil ich seit längerer Zeit keinen ernsthaften Artikel mehr verfasst habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und einen solchen aus der psychologischen Perspektive, statt aus der Sicht eines Elternteils oder eines Betroffenen verfassen. Meine Ratschläge an Eltern, die vor kurzem die Diagnose für ihr Kind bekommen haben:
1. Vor allem: Stellen Sie sicher, dass die Diagnose wasserdicht ist! Trauen Sie keinen Vermutungen oder dem Bauchgefühl eines Allgemeinmediziners (das ist keine Abneigung gegen Generalisten, sondern lediglich das Credo, dass jede Diagnose von einem Spezialisten verifiziert werden sollte). Wie für jede andere Störung definiert das “Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Revision IV (DSM-IV)” der American Psychiatric Association zusammen mit der “International Classification of Diseases, Revision 10 (ICD-10)” genaue Diagnosekriterien für Autismus und Asperger und es gibt eine Reihe standardisierter Tests, die von qualifizierten Psychiatern (am besten ein Kinderpsychiater), klinischen Psychologen und (psychologischen) Psychotherapeuten, zusammen mit neurologischen Diagnoseverfahren durchgeführt werden können, um die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Störung zu ermitteln. Die Dauer des Tests hängt vom individuellen Fall ab. Größere Kliniken bieten zur Diagnostik in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Mutter-Kind-Zimmer oder Eltern-Kind-Zimmer an, sodass ein oder beide Elternteile während der Dauer des Aufenthaltes ständig bei ihrem Kind sein können.
2. Die Diagnose ist nicht das Ende, sondern der Anfang. Wenn die Diagnose von einem Experten bestätigt ist, müssten Sie über die Art der Störung (Autismus, Asperger) und das Ausmaß der Störung (z.B. auf der Autismus-Skala) sowie Therapiemöglichkeiten, die dazu dienen, die Fähigkeiten Ihres Kindes zu verbessen, aufgeklärt worden sein. Suchen Sie nicht nach “Normalität”, die es ohnehin niemals gibt, sondern streben Sie nach individueller Verbesserung, nach den individuellen Fähigkeiten ihres Kindes. Und behalten Sie im Hinterkopf, dass die Entwicklung eines Kindes sehr schwer vorauszusagen ist. Während in den meisten Fällen von Asperger ein hoher Grad an Funktionalität bezogen auf soziale Interaktion, Lernen und Erziehung, Berufsausbildung, Arbeitsleben etc. erreicht werden kann, werden schwerere Fälle aus dem Autismus-Spektrum ihr Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen sein. So zynisch wie es auch klingt – Sie werden nicht ewig leben! Ziel sollte also nicht sein, so lange wie möglich für Ihr Kind da zu sein, sondern ihm von Anfang an zu helfen, ein innerhalb der Grenzen der Störung autonomes Leben zu führen.
3. Lernen Sie, auf der digitalen, statt der analogen Ebene zu kommunizieren. Der Unterschied zwischen analoger und digitaler Kommunikation ist eine Differenzierung des Psychologen Paul Watzlawick. Die digitale Kommunikation einer Aussage bezeichnet die Sachebene der Nachricht, während die analoge Kommunikation den Kontext, sowie Mimik, Tonfall und Körpersprache umfasst, also die Nachricht “zwischen den Zeilen”. Jede gesprochene Aussage kann man als sogenannten Sprechakt interpretieren, der sich in seiner Bedeutung vom semantisch Gesagten unterscheiden, oder ihm sogar entgegengesetzt sein kann. Sie können beispielsweise eine Person direkt bitten, das Fenster zu schließen oder die Heizung höher zu drehen, oder aber Sie sagen nur “Mir ist kalt!” Auf der digitalen Ebene ist diese Aussage eine reine Zustandsbeschreibung, während sie auf der analogen Ebene als Aufforderung, diesen Zustand zu ändern verstanden wird. Andere Sprechakte haben überhaupt keine digitale Bedeutung, sondern dienen rein als soziale Geste. Sie sagen beispielsweise als Gruß “Guten Morgen” oder “Guten Tag”, auch wenn es Sie überhaupt nicht interessiert, wie der Morgen oder der Tag des Anderen ist. Es ist ein reines soziales Ritual ohne echte Inhaltsebene.
Ein häufiges Symptom bei Autismus und Asperger ist der sogenannte “Literalismus”. Dieser beschreibt Schwierigkeiten oder totale Unfähigkeit, auf der analogen Ebene kommunizieren zu können und somit die Unfähigkeit, Sprechakte, die ihre Bedeutung durch soziokulturellen Kontext bekommen, zu verstehen. Ein Mensch mit Autismus oder Asperger wird eine Aussage fast immer wörtlich nehmen, somit zielt ein großer Teil der Therapie auf das Vermitteln der tieferen Bedeutung bestimmter Aussagen, um die sozialen Kompetenzen des Patienten zu verbessern. Das gleiche gilt für Körpersprache und Mimik. Autisten und Asperger-Patienten haben teils große Schwierigkeiten, Gesichtsausdrücke zu deuten und ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet werden immer begrenzt bleiben. Während Menschen ohne Autismus oder Asperger diese Dinge im Sozialisationsprozess durch mimetische Prozesse verinnerlicht haben, müssen Kinder mit Autismus oder Asperger Dinge, die für uns “normal” oder “sozial akzeptables Verhalten” sind, durch Erklärung erlernen. Dieses Symptom ist eines der schwierigeren, da Defizite auf der analogen Ebene oft als “Unerzogenheit”, Unhöflichkeit oder gar als Feindseligkeit interpretiert werden, vor allem von Kindern. Daher:
4. Behalten Sie die Beherrschung! Wenn Ihr Kind unerwünschte Reaktionen zeigt, liegt dies meist daran, dass es Ihre Nachricht nicht verstanden hat. Nicht auf ein “guten Morgen” zu reagieren ist keine Unhöflichkeit oder Feindseligkeit – das Kind mit Autismus oder Asperger versteht schlichtweg nicht, warum es auf eine bloße Zustandsbeschreibung, wie Sie Ihren Morgen finden, reagieren soll. Erwarten Sie nicht, dass Ihr Kind auf nonverbale Signale oder Gesichtsausdrücke entsprechend reagiert. Sagen Sie lieber “das macht mich ärgerlich”, anstatt nur ein verärgertes Gesicht aufzusetzen. Stellen Sie direkt formulierte Fragen (“Wie geht es Dir?” statt “guten Morgen”). Verwenden Sie keinen Sarkasmus, keine Ironie und keinen Zynismus. Diese Stilmittel stellen ein autistisches oder Asperger-Kind vor eine unlösbare Aufgabe. Verstehen Sie Kommunikationsverweigerung nicht als Ablehnung! Je nach Schweregrad der Störung möchte Ihr Kind vielleicht überhaupt nicht mit ihnen kommunizieren, möchte von Ihnen nicht berührt werden oder möchte nicht einmal, dass Sie in seiner Nähe sind. Akzeptieren Sie das ohne sich abgelehnt zu fühlen. Einem autistischen Kind ist die analoge Bedeutung einer solchen Geste schlichtweg nicht bewusst.
5. Nichts erzwingen! Eine verbreitete Therapiemethode für autistische Kinder war früher die Festhaltetherapie nach Dr. Jirina Prekop. Die Grundidee hinter der “haltenden Umarmung” war, dass man Kinder an physischen Kontakt gewöhnen konnte, hielt man sie so lange (gezwungen!) fest, bis sie aufhörten, sich zu wehren. Diese Methode wird heutzutage (außer von einigen Hardlinern der Prekop’schen Lehre) nicht mehr angewendet, da sich das Verständnis des Autismus grundlegend verändert hat. Die aktuellen Modelle gehen davon aus, dass diese Form der Therapie den Kindern mitnichten beibringt, physischen Kontakt zu “mögen”, sondern nur, ihn zu ertragen und wird deshalb als unethisch betrachtet. In Deutschland hat es bereits einige erfolgreiche Klagen gegen Erzieher und Therapeuten gegeben, die diese Methode noch anwenden. Es gibt Patienten, die physischen Kontakt nach einer Weile tolerieren, während andere dies niemals erlauben. Es gibt keine wirkliche Methode, dies zu ändern und die Toleranz variiert von Fall zu Fall.
Akzeptieren Sie, dass Autisten und Asperger-Patienten in einem hohen Maße in ihrer eigenen Welt leben. Es gibt keine Möglichkeit, sie dort heraus zu zerren. Die einzige Möglichkeit ist, ihr Vertauen soweit zu gewinnen, dass sie zulassen, Sie in ihre zu lassen. Und es ist ihre Entscheidung, welchen Stellenwert Sie in ihrer Welt haben. Wie ich bereits sagte: Nehmen Sie dies nicht als Affront oder Ablehnung- das ist die Art, wie ein Autist seine Welt interpretiert.
6. Es wird sich nicht “rauswachsen”. Bestimmte Persönlichkeitsstörungen haben, wie beispielsweise einige Formen der Borderline-Persönlichkeitsstörungen, die Tendenz, mit zunehmendem Alter “auszubrennen”. Dies trifft aber nicht auf Störungen aus dem Autismus-Spektrum und Asperger zu. Es gibt Raum für Verbesserungen, aber abhängig vom Schweregrad der Störung werden bestimmte Symptome mehr oder weniger so bleiben wie sie sind. “Hochfunktionale” Autisten und Asperger-Patienten können zu einem hohen Grad erlernen, sich in die Gesellschaft einzufügen, aber auch dies ist von Fall zu Fall verschieden. Es gibt keine regelrechte “Heilung”, da Autismus und Asperger Störungen sind, keine “Krankheiten”.
7. Halten Sie sich fern von klinischer Literatur und der Wikipedia! Einer der häuftigsten Effekte, die wir bei Laien beobachtet haben, wenn sie mit klinischer Literatur und anderen mehr oder weniger zuverlässigen Quellen konfrontiert werden, ist, dass Laien durchaus die statistische Information aus diesen Quellen zusammen mit den Prognosen verstehen können, aber haben (aus Mangel an klinischer Erfahrung) keine Referenz, wie wahrscheinlich die Dinge eintreten werden, über die sie gelesen haben. Normalerweise führt klinische Literatur ohne einschlägige Vorbildung eher zu mehr Unsicherheit als Sicherheit. Statistische Daten, die Sie nicht vollständig interpretieren können, werden Ihnen ehrer Angst machen, als Ihnen zu helfen. Wenn Sie Fragen zu Ihrem Kind haben, stellen Sie sie einem Fachmann, der diese dann anhand der individuellen Struktur Ihres Kindes beantworten wird. Ich werde Ihnen hier keine Zahlen oder Tabellen an die Hand geben, denn in der klinischen Realität hat alles eine Wahrscheinlichkeit von 50% – es trifft entweder zu, oder eben nicht. Prozentzahlen über die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind Symptom X oder Y entwickeln wird werden Ihnen nicht helfen, denn entweder hat Ihr Kind Symptom X oder Y, oder nicht…
Eine andere “Nebenwirkung” klinischer Literatur, die auch bei Studenten und oft bei ausgewachsenen Klinikern zu beobachten ist, ist das Problem der Projektion. Wenn Sie von Symptom X lesen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dieses Symptom auch an Ihrem Kind entdecken werden – nicht weil es wirklich da ist, sondern weil das Lesen Ihre Aufmerksamkeit auf dieses Detail gelenkt hat…der alte Spruch lautet da: Wer nur einen Hammer als Werkzeug hat, für den sieht jedes Problem wie ein Nagel aus…
Die bessere Herangehensweise ist: Beobachten Sie und wenn Sie etwas “komisch” finden, DANN fragen Sie nach…lernen Sie keine Seiten aus dem ICD oder DSM auswendig…Sie werden doch nur Gespenster sehen…
Ok, so viel im Moment zu diesem Thema..ich hoffe, einige Dinge sind hilfreich.
cd
Super Mario ist ein Killerspiel
19. Mai
Das Wahrzeichen von Nintendo, der italienische Klemptner Super Mario ist in Wahrheit ein kaltblütiger Killer. Super Mario ist der wahre Grund für den Amoklauf in Ansbach. Das Spiel ist noch gefährlicher als Tetris. Hier der Beweis:
Mario ist jugendgefährdend!
EDIT 23.05.10: Ach so, Mario Kart ist übrigens genau so jugendgefährdend!
cd
Léon der Profi jetzt auch für Kinder
18. Mai
In den USA sind die “Golden Books” hinlänglich als klassiche Kinderbücher bekannt. Es handlelt sich um kindgerechte Bilderbücher mit ein wenig Text, der die Handlung erklärt. Der amerikanische Künstler John Cooley bringt demnächst eine Version für Erwachsene heraus, mit Szenen aus bekannten Actionfilmen. z.B. Léon der Profi:
Oder auch The Big Lebowski:
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Wir züchten uns einen Amokläufer
17. Mai
Crashkurs Pädagogik für Anfänger
16. Mai
Einige Tage nachdem ich bezüglich der Welle, die um Daniel Cohn-Bendit im Moment gemacht wird, etwas zum Thema Kindheitsbild und der Debatte zwischen Ariès und deMause geschrieben hatte, fiel mir ein, dass ich dazu ja noch Powerpoints auf der Platte haben müsste. So war es auch. Wen es interessiert: Die Folien der Vorlesung “Grundlagen der Kindheits- und Jugendforschung” aus dem Wintersemester 2005/2006 in komprimierter Form, die damals als Klausurrepetitorium gedacht war:
Pädagogik für Kurzentschlossene: Von der Kindstötung zum Hot Jazz in 90 Minuten
cd
Peng! Du bist tot! – Zur Didaktisierung von Amokläufen
07. Mai
Viele standen vor dem Problem, anderen ist es noch erspart geblieben, aber ich bezweifele, dass Ansbach wirklich das letzte Ereignis in Bezug auf Schulamok war, somit werden sich auch künftig Kollegen der Herausforderung der Nachbereitung stellen müssen. In der Oberstufe kann ich soetwas sachlich machen, aber gerade in den Klassen 5 bis 7 löst ein solches Ereignis eine große Angst aus, es könnte demnächst auch an ihrer Schule geschossen werden. Da der schulpsychologische Dienst generell überlastet ist und außer einer kurzen Motivationsrede nicht viel tut, bleibt die Betreuung der Schüler also an uns Lehrern hängen. Eine Methode, die ich bereits erfolgreich angewendet habe, ist die Didaktisierung mittels theaterpädagogischer Methoden. Mit der amerikanischen Schauspielerin und Regisseurin Julie Stearns (Folkwang Universität der Künste, Universität Duisburg-Essen u.a.) habe ich schon die abstrusesten Projekte realisiert. Wenn sie mich nicht gerade im saukalten Duisburger Hauptbahnhof einen alternden 68er mimen lässt, oder einen Frauen verprügelnden Irren mit Hang zur Performancekunst, arbeitet sie gerne mit Schülern an theaterpädagogischen Projekten. Ein Projekt, das ich durch sie kennengelernt habe, ist das freie Theaterstück “Bang Bang You’re Dead” von William Mastrosimone. Mehr >

















