Pseudonyme im Internet – Zum Lästern in den Keller gehen?
Nachdem die erste Welle des Entsetzens über die Datenschutzpolitik von Facebook langsam wieder abebbt, macht nun ein neuer Aufreger die Runde, der sowohl kommerzielle Plattformen wie auch private Blogs betrifft. Einige Medien gehen dazu über, Kommentare nur noch mit Klarnamen versehen zuzulassen (New York Times: News Sites Rethink Anonymous Online Comments).
Zur Facebook-Geschichte habe ich nicht viel zu sagen. Ich fahre weiter meine Philosophie, dass ich etwas, von dem ich nicht will, dass es bekannt wird, gar nicht erst ins Netz stelle…alle User, die ihre privaten Daten nun im ganzen Internet verteilt finden, haben sie schließlich selber dort eingegeben…nun kann man entweder seinen Account löschen und beten, dass die Daten in 10 Jahren nur noch schwer in den Archiven zu finden sind, oder die Sache einfach ignorieren. Selber schuld, hört auf zu jammern…Google ist nicht die Heilsarmee…
Mit den Pseudonymen sehe ich das etwas anders. Ich kann nachvollziehen, dass viele Seitenbetreiber die Schnauze voll von Trollen haben, die sich hinter ihren Pseudonymen verstecken. Zwar kann man als Admin die Kommentare immer wieder löschen bzw. gar nicht erst freigeben, aber ab einer gewissen Anzahl ist das nicht mehr ohne unverhältnismäßigen Aufwand machbar. Das gleiche denke ich auch vielfach über Blogger, die dick auftragen und Gott und der Welt ans Bein pinkeln, aber mangels Impressum und Realnamen unantastbar für Kritik bleiben. Was soll der Blödsinn? Ich haue hier auch recht ordentlich auf die Kacke, habe aber einen Impressum mit meinem vollen Namen und auch keine kaschierte Domain. Die Emailadresse ist auch klar einsehbar und ich moderiere auch keine negativen Kommentare weg. Ich stehe zu meiner Meinung mit meinem Namen und bin für alle greifbar, die das kritisieren wollen. Wenn ich hier über geschändete Kinder oder abgestürzte Polen Witze mache, darf ich hinterher nicht heulen, wenn ich Gegenwind bekomme, genauso wie ich keinem Schüler böse sein kann, dem es missfällt, wenn ich morgens im Kurs wortlos “Leaving on a Jetplane” auf dem Schul-Ghettoblaster anmache…die meisten haben es sofort als Schweigeminute für Kaczinski erkannt…und lehne ich mich hier so weit aus dem Fenster, dass ich rausfalle und auf die Schnauze fliege, muss ich das anerkennen und darf dann nicht beleidigt Kommentare löschen…
Die Kultur des Sich-hinter-Pseudonymen-Versteckens muss endlich aufhören…zwar verstehe ich, dass Pseudonyme zur Erschaffung einer fiktiven Person, die realiter aus mehreren Personen besteht, zweckmäßig sein können oder einem künstlerischen Zweck dienen. Letztlich bleibt nach meinem Verständnis aber der Blogger für sich V.i.S.d.P. und auch seine Kommentare, die er anderswo loslässt sollten meiner Meinung nach einer Person eindeutig zuordbar sein…andere unter falschem Namen und am besten noch mit Anonymizer-Proxy beleidigen und sich dann verziehen…Kindergarten…brauchen wir nicht. Leute, steht zu Eurer Meinung oder spart Euch, sie anderen kundzutun…
Christian Droßmann
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