Die Irrungen und Wirrungen um Tim Kretschmer und Winnenden reissen nicht ab.
Heute veröffentlicht Spiegel Online einen Artikel mit dem Titel “Tim K. kaufte mit Vater gemeinsam Munition.”

Dem Bericht zufolge hat Kretschmer erst selbst versucht, 9mm Munition in einem Waffengeschäft zu kaufen, wurde aber abgewiesen. Er soll dann gemeinsam mit dem Vater 1000 Schuss erworben und bezahlt haben, da die Munition ein Geburtstagsgeschenk für seinen Vater sei. Kretschmer habe “seit Jahren” niemandem in der Familie mehr ein Geschenk gemacht…
Schade, dass die Akten immer noch nicht öffentlich zugängig sind.

Weiter zitiert Spiegel Online einen Artikel seines Printmagazins, in dem der Gutachter Reinmar du Bois Parallelen zwischen dem Tathergang in Winnenden und dem Spiel Far Cry 2 sieht. Der erste Teil des Amoklaufes sei Counter Strike, die Verfolgungsjagd und Schiesserei mit der Polizei Far Cry 2. Für die Selbsttötung vermutet er, Kretschmer sei “wieder in der Realität angekommen”. Das Gutachten würde ich gerne mal en detail lesen…Natürlich wird wieder deutlich erwähnt, dass er das Spiel als Minderjähriger nicht hätte spielen dürfen, er habe es zu Weihnachten von seiner Mutter erhalten.
Auch sagt der Artikel, die Ärzte der behandelnden Jugendpsychiatrie hätten die Eltern gemahnt, dafür zu Sorgen, dass Kretschmer den Konsum von Filmen und Spielen, die “für seine emotionale Reife nicht geeignet” seien, reduziere.

Bis dahin also die übliche und voraussehbare Argumentation.

Wo der Spiegel wieder recherchiert hat, weiss ich nicht..aber einige Sachen sind auffallend:

1. Die Far Cry 2 Sache ist alt, auf Negative Gamer gab es bereits am 15. März einen Kommentar zu einem Artikel der Times, in dem genau dieser Bezug bereits hergestellt wurde. (Englisch) Der Artikel, auf den Bezug genommen wird, ist vermutlich dieser hier: Times Online: Mass killer ‘rejected’ by girl at party Von den Qullen steht im Artikel nichts.

2. Sowohl die Times in diesem Artikel, wie auch die BILD am 23. Juli berichten, auf seinem Computer seinen etliche BDSM-Bilder (sadomasochistische Darstellungen) gefunden worden. “davon mehr als 120 Bondage-Fotos, die nackte, gefesselte Frauen zeigen” (BILD); “including 120 photographs of female bondage.” (THE TIMES)


Der Spiegel schreibt aber: “Es handelte sich dabei wohl um sadomasochistische Fotos, auf denen nackte Männer von Frauen gefesselt und dominiert wurden. Tim K. habe stark unter diesen Phantasien gelitten.” und bezieht sich an der Stelle auf einen früheren Artikel: Psychiater bescheinigt Tim K. masochistische Störung
Kretschmer habe “stark unter diesen Phantasien gelitten”.

Hmm…also analytisch gesehen wäre es schon interessant zu wissen, wer denn nun wen auf den Bildern gefesselt hat ;-)

Also…die üblichen medialen Hexenjagden, ohne offiziellen Untersuchungsbericht wirds auch so bleiben, denke ich…

cd

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