Kreuzzug in Berlin
02/02/09 16:30 Abgelegt unter:
Schule
Ich verfolge schon seit längerer Zeit
amüsiert den neuen Kreuzzug in Berlin.
Für alle, an denen das Thema vorbeigegangen ist:
Berlin hat im Zuge seiner Schulreform angesichts schwindender Schülerzahlen im Fach Religion, welches in Berlin immer ein freiwilliges, nicht versetzungsrelevantes Fach war, einen flächendeckend verpflichtenden Ethikunterricht zur moralischenIndoktrination Erziehung eingeführt.
Seitdem gehen religiöse Eltern und die Kirchen erfolglos auf die Barrikaden. Sei es, weil das Fach auf einem „atheistischen Weltbild“ aufbaue, das „dem christlichen Glauben widerspreche“ oder weil sie sich angegriffen fühlen, da das Wahlfach Religion in den Randstunden liegt.
Das Bundesverfassungsgericht hat dies immer abgeschmettert, siehe z.B.: Schulspiegel: Pflichtfach Ethik ist verfassungsgemäß (2007)
Desweiteren gründete man die Initiative „Pro Reli“ und startete ein Volksbegehren, welches nach Ablauf der Frist „mindestens 307.000 Unterschriften“ (Pressemeldung Pro Reli) brachte.
Es geht darin um die ordentliche Wahlfreiheit, also eine echte Wahl zwischen dem Fach Ethik und dem Fach Religion statt eines verpflichtenden Ethikunterrichtes.
An sich eine verständliche Sache, getrübt wird der Eindruck jedoch -wie so oft- mit der Tränendrüsenmethode und der Vergangenheitskeule.. „Wir bewundern zu Recht diejenigen Menschen, die aufgrund ihrer tiefsten Überzeugungen und Wertvorstellungen den beiden Diktaturen auf deutschem Boden entschiedenen Widerstand geleistet haben – zum Teil bis in den Tod. Andererseits haben wir auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder erschreckende Beispiele dafür erlebt, wozu fehlgeleitete Moralvorstellungen auch führen können.“ (Homepage Pro Reli)...also das übliche Gutmenschengequatsche bar jeder vernüftigen, wertfreien kausallogischen Argumentation...ein einfaches Berufen auf die Religionsfreiheit im Grundgesetz hätte es auch getan...
Was mir da sauer aufstößt ist der Satz „Daher muss ein auf die ethische und moralische Bildung junger Menschen ausgerichteter Unterricht nach deren Grundüberzeugungen differenzieren.“ (Homepage Pro Reli)
Nach meinem Verständnis von Pädagogik und Entwicklungspsychologie (mein Zweitfach ist übrigens das Fach Philosophie, dessen Schüler von der Theistenfraktion gerne mal als „die Heiden“ bezeichnet werden...) ist doch die Aufgabe dieser Fächer gerade die Herausbildung besagter ethischer und moralischer Bildung, die die Schüler in der fraglichen Altersstufe ja erstmal nur in Grundzügen besitzen und in ihrer Entwicklungsstufe diese gar nicht differenziert betrachten oder gar reflektieren können...oder habe ich da was falsch verstanden?
Für mich ist und bleibt der Religionsunterricht in dieser frühen Altersstufe oder gar im Grundschulalter keine Werteerziehung im humanistischen Sinne sondern schlichtweg eine Indoktrination eines Wertesystems, das eine neue Generation von Anhängern braucht...erst im späteren Alter kann man bei einem Religionsbekenntnis von einer freien Entscheidung des Individuums sprechen und erst dann wird eine vorher nur übernommene/aufgezwungene Handlungsanweisung zum „Wert“ im eigentlichen Sinne der Begriffsdefinition...aber nunja, das soll hier ja keine philosophische Abhandlung werden...
Ich will nur auf einen doch recht interessanten Artikel in der FAZ hinweisen, der den doch recht reißerischen Titel „Die Kirchen haben schon verloren“ trägt.
..haben sie ja leider noch nicht...
cd
Für alle, an denen das Thema vorbeigegangen ist:
Berlin hat im Zuge seiner Schulreform angesichts schwindender Schülerzahlen im Fach Religion, welches in Berlin immer ein freiwilliges, nicht versetzungsrelevantes Fach war, einen flächendeckend verpflichtenden Ethikunterricht zur moralischen
Seitdem gehen religiöse Eltern und die Kirchen erfolglos auf die Barrikaden. Sei es, weil das Fach auf einem „atheistischen Weltbild“ aufbaue, das „dem christlichen Glauben widerspreche“ oder weil sie sich angegriffen fühlen, da das Wahlfach Religion in den Randstunden liegt.
Das Bundesverfassungsgericht hat dies immer abgeschmettert, siehe z.B.: Schulspiegel: Pflichtfach Ethik ist verfassungsgemäß (2007)
Desweiteren gründete man die Initiative „Pro Reli“ und startete ein Volksbegehren, welches nach Ablauf der Frist „mindestens 307.000 Unterschriften“ (Pressemeldung Pro Reli) brachte.
Es geht darin um die ordentliche Wahlfreiheit, also eine echte Wahl zwischen dem Fach Ethik und dem Fach Religion statt eines verpflichtenden Ethikunterrichtes.
An sich eine verständliche Sache, getrübt wird der Eindruck jedoch -wie so oft- mit der Tränendrüsenmethode und der Vergangenheitskeule.. „Wir bewundern zu Recht diejenigen Menschen, die aufgrund ihrer tiefsten Überzeugungen und Wertvorstellungen den beiden Diktaturen auf deutschem Boden entschiedenen Widerstand geleistet haben – zum Teil bis in den Tod. Andererseits haben wir auch in der jüngsten Vergangenheit immer wieder erschreckende Beispiele dafür erlebt, wozu fehlgeleitete Moralvorstellungen auch führen können.“ (Homepage Pro Reli)...also das übliche Gutmenschengequatsche bar jeder vernüftigen, wertfreien kausallogischen Argumentation...ein einfaches Berufen auf die Religionsfreiheit im Grundgesetz hätte es auch getan...
Was mir da sauer aufstößt ist der Satz „Daher muss ein auf die ethische und moralische Bildung junger Menschen ausgerichteter Unterricht nach deren Grundüberzeugungen differenzieren.“ (Homepage Pro Reli)
Nach meinem Verständnis von Pädagogik und Entwicklungspsychologie (mein Zweitfach ist übrigens das Fach Philosophie, dessen Schüler von der Theistenfraktion gerne mal als „die Heiden“ bezeichnet werden...) ist doch die Aufgabe dieser Fächer gerade die Herausbildung besagter ethischer und moralischer Bildung, die die Schüler in der fraglichen Altersstufe ja erstmal nur in Grundzügen besitzen und in ihrer Entwicklungsstufe diese gar nicht differenziert betrachten oder gar reflektieren können...oder habe ich da was falsch verstanden?
Für mich ist und bleibt der Religionsunterricht in dieser frühen Altersstufe oder gar im Grundschulalter keine Werteerziehung im humanistischen Sinne sondern schlichtweg eine Indoktrination eines Wertesystems, das eine neue Generation von Anhängern braucht...erst im späteren Alter kann man bei einem Religionsbekenntnis von einer freien Entscheidung des Individuums sprechen und erst dann wird eine vorher nur übernommene/aufgezwungene Handlungsanweisung zum „Wert“ im eigentlichen Sinne der Begriffsdefinition...aber nunja, das soll hier ja keine philosophische Abhandlung werden...
Ich will nur auf einen doch recht interessanten Artikel in der FAZ hinweisen, der den doch recht reißerischen Titel „Die Kirchen haben schon verloren“ trägt.
..haben sie ja leider noch nicht...
cd










